GOOD
17/04/2018 14:59 CEST | Aktualisiert 17/04/2018 14:59 CEST

Beginnt in dieser Stadt in Großbritannien das Ende des Plastiks?

“Are we protectors or polluters?”

David Ehl
Das beschauliche Penzance am Atlantik 

Das beschauliche Penzance ist offiziell die erste plastikfreie Stadt Großbritanniens – obwohl es dort auch weiterhin Wegwerfplastik gibt. Gerade deshalb könnte das Modell Penzance auch bei uns funktionieren.

Die See brandet mit kräftigen, gleichmäßigen Wellen gegen Englands Küste. Der Himmel ist grau, der Wind scharf, der Frühling existiert bislang nur im Kalender. Trockengefallener Seetang verbreitet einen salzig-modrigen Geruch, außer Rachel Yates und mir sind nur wenige Menschen am Strand.

Ein zotteliger brauner Hund läuft geradewegs auf uns zu, als er uns sieht, und legt einen zerbissenen Tennisball vor Yates’ Füßen ab. “Igitt, wie schleimig, ich will das nicht anfassen”, sagt sie, wirft den Ball dann aber doch in Richtung Meer, der Hund japst hinterher.

Rachel Yates ist oft am Meer, und so wie es die Temperaturen zulassen, stürzt sie sich mit ihrem Surfbrett in die Fluten. Die Bucht am westlichen Ende des Ärmelkanals mit dem pittoresken St. Michaels Mount auf der einen und dem 20.000-Einwohner-Städtchen Penzance auf der anderen Seite bietet gute Bedingungen zum Wellenreiten.

Mehr zum Thema: Vier kleine Supermärkte aus aller Welt beweisen, dass Verpackungen aus Plastik völlig überflüssig sind

Allerdings ist fraglich, ob Rachel Yates in diesem Jahr dafür noch so viel Zeit hat wie früher, nach der Welle, die sie da angestoßen hat: Seit Dezember darf sich Penzance als erste Stadt Großbritanniens als “plastikfrei” bezeichnen.

In Penzance keimt der Samen der Veränderung

Mittlerweile sind schon fast ein Dutzend Städte als “plastikfrei” anerkannt. Die Kriterien für diesen Titel hat die Organisation “Surfers Against Sewage” (SAS) aufgestellt, die sich für saubere Strände einsetzt und deren regionale Botschafterin Rachel Yates ist.

Auf den Begriff “plastikfrei” sprangen im Dezember nationale wie internationale Medien an – dabei ist das Plastik-Aufkommen in Penzance nicht wesentlich geringer als anderswo. Wenn man aber etwas genauer hinschaut, ist unübersehbar, dass hier gerade der Samen der Veränderung keimt.

David Ehl
Surferin gegen Strandmüll: Rachel Yates am Longrock Beach, im Hintergrund ist die Stadt Penzance erkennbar.

Rachel Yates’ Kampf gegen den Plastikmüll begann im November 2013, als der Taifun Haiyan auf den Philippinen wütete. Die Journalistin half als Freiwillige beim Wiederaufbau und sah dort zum ersten Mal bewusst, welche Mengen Plastik vom Meer angeschwemmt werden.

Mehr zum Thema: Wie Norwegen mit Unterwasser-Drohnen gegen die Verschmutzung der Ozeane kämpft

“Als ich im Februar 2014, mitten während der Winterstürme, zurück nach England kam, bot sich mir zum ersten Mal an den Stränden meiner Heimat dasselbe Bild.”

Also organisierte sie ein “Beach Cleanup”, eine öffentliche Aufräumaktion. Das war zwar dringend nötig, aber nicht nachhaltig: 

Du kannst für immer Strände aufräumen, aber damit löst du das Problem nicht. Du musst es an der Wurzel packen. Diese Kampagne ist ein Versuch, es an der Ursache zu bekämpfen. – Rachel Yates

Im Jahr 2017 zählte die britische Marine Conservation Society in einer Studie 718 Plastikteile pro 100 Meter Strand – 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Rachel Yates war mittlerweile zur lokalen Botschafterin bei SAS aufgestiegen. “Als dieses Projekt aufkam, dachte ich: Ja, da wollen wir mitmachen! Ich wusste, dass es in der Stadt funktionieren würde.”

Firmen müssen drei Plastikartikel durch nachhaltige Alternativen ersetzen

Im Spätsommer begann sie, Läden und Unternehmen in Penzance abzuklappern und die SAS-Kampagne gegen Verpackungsplastik vorzustellen.

Die Schwelle für lokale Unternehmen ist bewusst niedrig gesetzt – um dabei zu sein, müssen sie lediglich 3 Plastikartikel (zum Beispiel Einkaufstüten oder Trinkhalme) durch nachhaltigere Alternativen ersetzen. Mittlerweile sind rund 50 Geschäfte und Unternehmen in Penzance dabei.

Bock auf mehr spannende Geschichten, die Hoffnung machen?

Lies jetzt 2 Wochen gratis alle Artikel bei Perspective Daily

 

“Wir sind dabei, seitdem Rachel Yates im Stadtrat lobbyiert hat”, erinnert sich Bürgermeister Dick Cliffe. “Sie hat begründet, warum Penzance die Zielsetzungen für eine plastikfreie Küste übernehmen und unterstützen sollte.”

Cliffe empfängt mich in einem schmucklosen Besprechungsraum. Auf den Tisch, an dem sonst der Stadtrat tagt, legt Cliffe ein schwarzes Stoffsäckchen: Fürs Foto hat er seine Amtskette mitgebracht, die beim Aufprall auf die Tischplatte eher nach Plastik klingt als nach Prunk.

David Ehl
Bürgermeister Dick Cliffe

“Penzance war immer arm, Teile der Stadt sind schäbig, wir hatten hier schon immer ein Drogenproblem”, sagt Cliffe. Er sagt das nicht abschätzig, sondern wie ein Mann, der die Größe der vor ihm liegenden Probleme kennt.

Im Mai sollen die Kommunen in ganz Cornwall über einen neuen Müllentsorgungs- und Recyclingvertrag abstimmen – aber weil Penzance nicht die einzige Kommune mit klammem Haushalt ist, macht sich Cliffe keine Hoffnungen, allzu viele Ansprüche stellen zu können:

“Es geht mir um die Verbraucher genauso wie um die Umwelt. Ich versuche, eine Abwärtsspirale zu vermeiden, aber ich glaube, am Ende entscheiden sie sich für das billigste Angebot.”

Die Kampagne wurde in der ganzen Stadt positiv aufgenommen

Und so hat auch ein großer Teil der Arbeit, die Cliffe zur Kampagne gegen Plastik beisteuert, nur wenig mit Geld zu tun: Der parteilose Bürgermeister versucht vor allem, andere Politiker und Gremien in Cornwall zu beeinflussen und in der Presse bei dem Thema Druck aufzubauen.

Dass die Kampagne in Penzance durchweg positiv aufgenommen wird, überrascht Cliffe nicht; schließlich leben die Menschen direkt an der Bucht mit ihren weiten Stränden sowie den Delfinen und Walen, die manchmal vorbeischauen.

Die Tatsache, dass diese Kampagne von unten kam, macht sie effektiver, als wenn sie von oben verordnet worden wäre. Dann gäbe es 1.000 Gründe, warum sie unvernünftig sei. Aber weil es eine Graswurzelbewegung ist, unterstützen die Leute sie gerne. – Dick Cliffe, Bürgermeister von Penzance

Vielleicht liegt es also an den Menschen selbst, dass die Initiative sofort auf fruchtbaren Boden fiel. Nicht zu vernachlässigen ist für Cliffe aber auch die klare und pragmatische Zielsetzung – und nicht zuletzt das Timing.

Der perfekte Sturm

Diesen Zeitpunkt beschreibt Emily Kavanaugh, die in der Stadt ein Naturkosmetik-Unternehmen führt, als “perfekten Sturm”, der seit Jahresbeginn die britische Psyche verändert habe: Sie ist die Erste, aber bei weitem nicht die Einzige, die mir in Penzance von der neuesten Natur-Doku von David Attenborough erzählt.

Im Januar hatte auch die britische Premierministerin Theresa May verkündet, dass man bis zum Jahr 2042 Plastik für einmaligen Gebrauch verbieten wolle – und China beendete seine Praxis, europäischen Plastikmüll aufzunehmen.

Supermarktketten kündigten zaghafte erste Schritte in Richtung Plastikvermeidung an. Und auch Schatzkanzler Phillip Hammond, der das britische Finanzministerium leitet, sagte:

Wir müssen in der Breite aktiv werden, damit wir Weltmeister im Kampf gegen das Einweg-Plastik werden, das unsere Straßen, Landschaften und Küsten zumüllt. – Schatzkanzler Phillip Hammond (13.03.2018)

Ich treffe Kavanaugh in ihrem Laden, dem Pure Nuff Stuff im ”Ägyptischen Haus”, mit dessen bunter, historisierender Fassade ein neureicher Bürger des 19. Jahrhunderts zeigen wollte, was er sich leisten kann.

David Ehl
Naturkosmetikerin Emily Kavanaugh

Vor 12 Jahren begann Emily Kavanaugh hier, Handcreme nach dem Rezept ihrer Großmutter anzurühren, ganz einfach, weil sie sich Naturkosmetik nicht leisten konnte.

Mittlerweile betreibt sie eine Manufaktur direkt nebenan und stellt mit ihren Mitarbeiterinnen dort über 150 verschiedene Produkte her. Die US-Amerikanerin, die seit ihrer Kindheit in Cornwall lebt, war eine der Ersten, auf die Rachel zuging – und kam sofort an Bord.

Mehr zum Thema: Supermarkt beweist, dass es komplett ohne Plastik-Verpackungen gehen kann

Bambus-Zahnbürsten gab es bei ihr schon immer – neu ist zum Beispiel, dass die Wascherde (Russell Mud) in Papiertüten verkauft wird. Jedoch: “Duschgel hält sich in Papiertüten nicht besonders lange”, lacht Kavanaugh.

Ich muss den Leuten nicht länger erzählen, warum es eine gute Idee wäre, Seifenriegel für Haare und Körper auszuprobieren. Sie kommen in den Laden und fragen speziell danach, weil die Riegel plastikfrei sind. – Emily Kavanaugh, Pure Nuff Stuff

Die meisten Produkte, erzählt Kavanaugh, verkaufe sie nicht im Laden, sondern online. Vor wenigen Wochen führte sie die “plastic free”-Option im Webshop ein:

“Wir haben Pakete aus Karton, biologisch abbaubare Verpackungsflocken aus Maisstärke und das Klebeband ist aus Papier statt aus Plastik.” Sie schätzt, dass sich etwa 4 von 5 Online-Kunden für plastikfreie Verpackung entscheiden – das interpretiert Kavanaugh als “klaren Appell”, plastikfrei zum neuen Standard zu machen.

Barista-Bus mit nachhaltigen Produkten und Coffee-to-go-Deckel aus Maisstärke

Die plastikfreien Alternativen seien teurer, erklärt mir Simeon Portway, pro Coffee-to-go-Deckel aus Maisstärke zahle er den doppelten Preis. Mit seinem Tube Coffee Van, einem zur Kaffeebar umgebauten Citroën-HY-Oldtimer, steht er sechsmal die Woche auf dem Platz am unteren Ende der Einkaufsstraße “Causeway Head”.

Mehr zum Thema: Ich habe versucht, in meinem Alltag komplett auf Plastik zu verzichten - und bin kläglich gescheitert

Genau wie Kavanaugh ist auch Portway ein Plastik-Vermeider der ersten Stunde. Seitdem er sich mit seinem Barista-Bus vor fünf Jahren selbstständig gemacht hat, achtet er auf nachhaltige Produkte, der Kaffee ist aus ökologischem Anbau (aber nicht Fairtrade), die Milch nur deshalb gerade kurzzeitig nicht, weil der bevorstehende Brexit die Preise hat ansteigen lassen.

David Ehl
Bus-Barista Simeon Portway

Er verspricht sich nicht viel von den Überlegungen der britischen Regierung, pro verkauftem Coffee-to-go-Becher 25 Pence Abgabe einzufordern: “Ich bin mir sicher, Costa wird das auf den Kunden abwälzen, damit sie selbst fein raus sind. Und sie werden weiter Plastik benutzen – aber der Punkt ist doch, damit aufzuhören.”

Mehr zum Thema: Dieses Foto zeigt einen Wal und sein totes Baby – schuld an seinem Tod ist unser Konsumwahn

Simeon Portway benutzt für die Laufkundschaft Pappbecher mit einer organischen Abdichtungsschicht auf der Innenseite; während wir uns unterhalten, trinke ich Espresso aus einem Shotglas.

Damit die Becher und insbesondere die Deckel aus Maisstärke richtig zersetzt werden, müssten sie unter Druck kompostiert werden – Simeon befürchtet jedoch, dass trotzdem viele von ihnen auf Deponien landen.

Vor allem viele kleine Läden machen bei der “Plasti Free”-Kampagne mit

“Oh, das wusste ich gar nicht”, sagt eine Kundin, die gerade auf ihren Cappuccino wartet und das Gespräch mitgehört hat.

An einem Werktag wie diesem sind vor allem ältere Menschen in der Fußgängerzone unterwegs. Natürlich gibt es auch einen 1-Pound-Shop und eine “Subway”-Filiale, ansonsten fällt mir jedoch eine größere Häufung von inhabergeführten Läden auf.

Und am “Causeway Head” häufen sich besonders die Lebensmittelläden, die bei der “Plastic Free Penzance”-Kampagne dabei sind: Direkt nebeneinander liegen ein Lebensmittelhändler und ein Bäcker, gegenüber davon ein Unverpackt-Laden und ein weiterer kleiner Lebensmittelladen.

David Ehl
Der Unverpackt-Laden "The Weigh Inn"

Bei Thornes Fruit & Veg stehen Papiertüten mit abgewogenen Kartoffeln bereit, kleinere Papiertüten hängen neben den losen Pilzen. Aber trotzdem fällt hier und da das Plastik auf – die Plastikschalen, in denen die Trauben aufbewahrt werden, sind sogar teilweise nochmal mit Frischhaltefolie umwickelt.

“Wir hatten viele vorgepackte Waren, weil es für den Kunden einfach ist, eine Packung zu nehmen”, sagt Geschäftsführerin Sue Hendy.

Alle Waren unverpackt zu verkaufen, ist nicht einfach

Sie hätten kürzlich aufgehört, die Trauben noch einmal einzuwickeln, die unteren Pakete seien die letzten Restbestände. Zum Beispiel habe man früher Paprika im Dreierpack verkauft; heute liegen sie nur noch lose in den Kisten.

In Penzance wird Spinat hauptsächlich lose gekauft – in einer anderen Filiale mussten sie jedoch zum verpackten zurückkehren, weil der lose liegengeblieben ist.

Und die Schaumstoff-Netze, die Birnen aus China vor Transportschäden bewahren sollen, werden an der Kasse abgenommen, um sie fachgerecht zu recyceln.

David Ehl
Sue Hendy, Geschäftsführerin von Thornes Fruit & Veg

Die Fleischtheke bei Thornes, die von einem Metzger aus dem nahen St. Ives bestückt wird, wandelt sich gerade: Die Würste sind nicht mehr in Plastik eingepackt, laut Sue Hendy sollen andere Produkte folgen.

“Wir haben unseren Zulieferern gerade gesagt: Unsere Kunden sind damit nicht glücklich, und wir auch nicht. Wir müssen die Dinge verändern, jeder muss das. Und die Produzenten, die die Früchte anbauen, müssen auch eingebunden werden.”

Mehr zum Thema: So nimmt jeder täglich eine bedenkliche Menge Plastik zu sich, ohne es zu merken

Im etwas kleineren The Granary schräg gegenüber ist etwas weniger Plastik zu sehen: Hier sind die Eier ausnahmslos in Pappkartons, und auch die Take-away-Schälchen, in denen verschiedene Salate portionsweise verkauft werden, sind aus abbaubarem Bioplastik.

Auch bei größeren Firmen kann sich etwas ändern – wenig genug Leute nachfragen

Weil die Schälchen mit 20 Pence pro Stück sehr teuer sind, suche sie gerade nach Edelstahl-Behältern, sagt Inhaberin Sasha Williams. Die könnten die Kunden einmal kaufen und dann immer wieder mitbringen – und so jede Portion sogar 20 Pence billiger bekommen.

Manche Markenprodukte wie Lipton-Tee sind jedoch auch bei The Granary eingeschweißt. “Ich denke, bei diesen größeren Firmen müssen einfach regelmäßig viele Leute nachfragen”, sagt Sasha Williams.

Aber weil sich immer mehr Menschen mit dem Thema beschäftigten, gebe es einen Schneeball-Effekt.

David Ehl
Sasha Williams von The Granary

Zu The Granary kommen laut Williams schon immer Kunden, die etwas bewusster einkaufen.

Auch deshalb gibt es seit Jahren keine Plastiktüten, sondern nur noch Taschen aus Baumwolle oder Papier – die meisten Kunden haben sowieso ihre eigenen Beutel dabei.

Ich denke, unsere Kunden hier waren darüber schon immer recht aufgeklärt. – Sasha Williams, The Granary

Läden wie Thornes oder The Granary können nicht mit den Preisen der großen Supermärkte außerhalb des Zentrums mithalten, das ist unbestritten.

Dass Plastikvermeidung eine Luxusbeschäftigung der Besserverdiener sein könnte, weist die Surferin und Aktivistin Rachel Yates jedoch entschieden zurück: “Ich bin Mutter zweier Teenager, arbeite Vollzeit und habe sehr wenig Geld, und schaffe es trotzdem.”

Es bedürfe nur einer gewissen Routine: Sie erledigt ihre Wocheneinkäufe immer samstags am “Causeway Head”. Das ist natürlich mit etwas Umherlaufen verbunden – für Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind, sei das keine Option, sagt Rachel Yates:

“Nicht jeder kann sein Leben danach richten, das ist ein valides Argument. Und deshalb brauchen wir einen Wandel auf nationaler Ebene. Aber bis dahin können zumindest unsere lokalen Läden etwas tun.”

Die großen Supermarkt-Ketten hinken hinterher

Die Supermarktkette Tesco betreibt sogar einen kostenlosen Shuttlebus aus dem Zentrum zum Superstore am Stadtrand von Penzance, das ist gut fürs Geschäft.

Aber passiert auch hier etwas, um Plastikmüll zu vermeiden? Man verfolge einen “ganzheitlichen Ansatz”, sagt mir eine Sprecherin am Telefon. Bis zum Jahr 2025 sollen sämtliche Verpackungsmaterialien recycel- oder kompostierbar sein, die Menge soll halbiert werden.

Nach eigenen Angaben unterstützt Tesco die Überlegungen der Regierung, eine Plastiksteuer einzuführen. Und auch die Konkurrenz bei Iceland hat kürzlich medienwirksam verkündet, ab dem Jahr 2023 sämtliche Produkte der Eigenmarken nicht mehr in Plastik zu verpacken.

Diese Ankündigungen werden in Penzance begrüßt, aber gleichzeitig als “nicht besonders ambitioniert” belächelt – die lokalen Händler wollen sich für diese Ziele keine fünf bis acht Jahre mehr geben.

Nur ein Tropfen auf den heißen Stein

Über eines sind sich alle einig, mit denen ich in Penzance spreche: Ihre Maßnahmen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein – und selbst wenn ganz Großbritannien ab morgen plastikfrei wäre, würden die Strände noch über Jahrzehnte aussehen wie Müllkippen.

Anfang April haben 180 Freiwillige an der bislang größten Strandsäuberungs-Aktion in Penzance teilgenommen – unter anderem das Rugby-Team Cornish Pirates.

Viele erwähnen, dass es auf dem Golowan-Festival, der keltischen Sonnenwendefeier, die auch an der Strandpromenade von Penzance jedes Jahr ein großes Event ist, in diesem Jahr erstmals Mehrweg- statt Einwegbechern geben wird.

Mehr zum Thema: Die Bilder sehen wunderschön aus – aber sie zeigen eine schreckliche Wahrheit über unsere Weltmeere

Aber das alles hat nur begrenzte Auswirkungen auf das Verpackungs-Plastik, das nach wie vor in Penzance über die Ladentheken geht oder am Straßenrand liegt.

Deshalb ist für Rachel Yates das große Ziel in diesem Jahr, mit ihrer Kampagne sichtbarer zu werden. Bis zum Beginn der Urlaubszeit sollen zum Beispiel Informationen in allen Fremdenzimmern ausliegen.

Am wichtigsten: Das Thema an die nächste Generation herantragen

Was aber wirklich einen Unterschied für die Zukunft ergeben könnte, ist der Ansatz, mit dem das Thema an die nächste Generation herangetragen wird.

“Are we protectors or polluters?”, fragt Grundschullehrerin Helen Knowles ihre Klasse – sind wir Beschützer oder Verschmutzer?

Die Antworten fallen gemischt aus, Georges Antwort “Half and half”, sowohl als auch, ist vielleicht die beste, um das Stimmungsbild in der Klasse wiederzugeben.

David Ehl
Die Drittklässler von Helen Knowles

Die 87 Drittklässler der Alverton Primary School haben sich zwischen Weihnachten und Ostern schwerpunktmäßig mit dem Thema Plastik beschäftigt; im gemeinsamen Vorraum, den sich die drei Klassen teilen, hängt von der Decke ein Blauwal mit Professor-Hut herab und ein Netz, das die Kinder mit Wegwerfplastik gefüllt haben.

Einige Kinder erzählen mir, dass sie im Elternhaus einiges verändert hätten: “Wir haben zu Hause keine Milchflaschen aus Plastik mehr.” – “Jetzt nehme ich mein Essen in einer Brotdose mit.” – “Meine Mama hat Papier-Strohhalme gekauft.”

David Ehl
Gruppenbild mit Wal: Die am Plastikprojekt beteiligten Lehrerinnen

Vor allem haben die Schüler aber Informationen über die Bedrohung durch Plastikmüll recherchiert, Bilder gemalt und Flyer designt: Sie alle sind Teil einer großen Ausstellung, die kurz nach meiner Abreise im größten Hotel der Stadt stattfinden sollte.

Mehr zum Thema: An diese Bilder solltet ihr immer denken, wenn ihr vor eurem Mülleimer steht

Der Bürgermeister soll eine Eröffnungsrede halten, und alle großen Unternehmen der Stadt sollen von den Kindern lernen, wie sie Plastik reduzieren können.

Es ist ein Mammutprojekt, aus Verschmutzern Beschützer zu machen, und auch in Penzance gibt es noch viel Plastik, das eingespart werden kann.

Vielleicht ist das Beste an der Kampagne, dass sie von niemandem erwartet, sofort perfekt zu sein.

Ein bisschen Plastik kann jeder einsparen. Rachel Yates hat in Penzance die erste Welle angestoßen – doch die Flut beginnt gerade erst.

Dieser Artikel ist zuerst bei Perspective Daily erschienen.