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02/08/2018 18:00 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 18:00 CEST

#Beedabei: Warum sich ein Künstler für Bienenrechte einsetzt

In den vergangenen Jahren ist das Brummen und Summen auf Wiesen und Feldern leiser geworden. Es gibt immer weniger Bienen, und die Übriggebliebenen außerhalb der Städte finden nicht mehr genügend Futter. Vor allem die industrielle Landwirtschaft ist für den Rückgang und das Aussterben von immer mehr Insektenarten verantwortlich.

Dr. Alexandra Hildebrandt

Pestizide, Monokulturen und die reduzierte Pflanzenvielfalt gefährden Bestäuber wie Honigbienen, Wildbienen und Hummeln. Wissenschaftliche Untersuchungen haben die massive Schädigung von Bienen durch zugelassene Mittel wie Neonikotinoide und Glyphosat bewiesen. Damit umweltschädliche Stoffe künftig rechtzeitig identifiziert und verboten werden können, muss das Zulassungsverfahren für Pestizide dringend reformiert werden.

Initiativen wie Slow Food fordern eine Umkehr auf dem Acker und einen Ausstieg aus der konventionellen Landwirtschaft. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Aurelia Stiftung fordern umfassende Maßnahmen zum Schutz bestäubender Insekten. Zu den vom BUND und der Aurelia Stiftung empfohlenen Maßnahmen für einen nationalen Bienenaktionsplan gehören neben der Reform des Zulassungsverfahrens für Pestizide auf nationaler und internationaler Ebene auch ein verbesserter Schutzstatus für Bestäuber, die Erhaltung und Wiederherstellung vielfältiger Lebensräume, die ökologische Ausrichtung der Landwirtschaft sowie die Einführung eines Langzeit-Monitorings der Insektenbestände.

Wenn Bienen und Hummeln fehlen, bleiben nur die weniger effektiven Fliegen als Bestäuber übrig. Dann helfen sich die Pflanzen selbst und praktizieren zusätzlich verstärkt Selbstbestäubung. Langfristig kann dies negative Folgen haben („genetische Inzucht“): Im Laufe der Zeit sinkt dadurch die genetische Variabilität einer Pflanzenpopulation und die Pflanzen werden krankheitsanfälliger und weniger widerstandsfähig gegenüber Umweltveränderungen (Quelle: Universität Zürich).

Die Idee des Künstlers Peter Kalb hilft nicht nur den Bienen, sondern verschönert zusätzlich die Stadt Nürnberg und vielleicht in den nächsten Jahren auch weitere Städte. Er regt an, gelbe Blumenkästen mit blühenden Pflanzen zu bestücken, die für Bienen lebensnotwendig sind. Sie produzieren viel Nektar und können die Bienen bis in den Spätherbsr hinein versorgen. 227 gelbe Blumenkästen möchte er mit dem #Beedabei-Schild versehen und auf dem Hauptmarkt in Nürnberg aufstellen. Dabei sind die Blumenkästen so aufzustellen, dass sie den Archetyp „Aufrichten“ und die Europasterne darstellen. Nachdem es die ersten Fotos des Kunstprojektes gibt, löst es sich langsam auf.

Durch Fotos und Filme dokumentiert er das Aufbauen und langsame Auflösen seines Projekts. Die Passanten werden gebeten, sich einen der Blumenkästen kostenlos mitzunehmen und ihn bei sich aufzustellen. Die einzige Bedingung ist, ein Foto nach dem Aufstellen an die Webseite von #Beedabei zu senden. Auf diese Weise entstehen punktuelle Futterplätze für die Bienen - und die Stadt setzt ein weiteres Zeichen für biologische Vielfalt.

Im Frühjahr 2019 beginnt die Signierstunde der gelben Blumenkästen, die mit den Pflanzen für die Bienen Bestückung und Pflege erhalten. Von Mai bis Juni 2019 findet auf dem Hauptmarkt das Kunstprojekt seine erste Aufstellung. Einmal im Jahr gibt es dann eine #Beedabei-Aktion - und das Vorbild Nürnbergs kann heranwachsen zum Vorbild Europas. Das Gesamtprojekt endet voraussichtlich im Jahre 2025.

Nürnberg ist mit #Beedabei die erste Stadt, die den Bienen zusätzliche Futterplätze bietet und damit ein Vorreiter für die Bienenhilfe ist. Geplant ist eine eigene Webseite für dieses Projekt und das Bekanntmachen in den sozialen Medien. Rundfunk und Fernsehen werden das Projekt begleiten. „#Beedabei ist ein nachhaltiges Projekt, da es in jeder Stadt praktizierbar ist. Jeder kann helfen und sich für die Bienen einsetzen, in jeder Stadt, jedem Dorf, jedem Land. Je bekannter es wird, desto eher kann es sich fortsetzen“, so Peter Kalb.

„Ohne Insekten überleben die Menschen keine zehn Jahre", sagte der US-amerikanische Insektenkundler und Biologe Edward O. Wilson. Soweit möchte es Peter Kalb nicht kommen lassen. Er steht auf und stellt ein einfaches Projekt auf die Beine: „Lassen Sie uns alle aufstehen und mit diesem Projekt dem Bienensterben entgegenwirken. #Beedabei zieht um die Welt.“

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gartenzeit: Wie wir Natur und Kultur wieder in Gleichklang bringen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.