POLITIK
10/07/2018 06:37 CEST | Aktualisiert 10/07/2018 17:47 CEST

Sahra Wagenknecht bei "Beckmann trifft": "Merkel ist völlig fertig"

Außerdem erklärte die Linken-Politikerin, wann sie ihre Karriere sofort beenden würde.

  • In einem sehr persönlichen Interview sprach Linken-Fraktionschefin Wagenknecht mit Reinhold Beckmann.
  • Es ging um den Stress der Kanzlerin – und den Punkt, an dem sie von heute auf morgen ihre Polit-Karriere beenden würde.
  • Im Video oben seht ihr die Szene aus der Sendung, in der Wagenknecht offen über die Kanzlerin spricht.

Reinhold Beckmann ist zurück im deutschen Fernsehen – mit einer Talkshow im NDR, in der sich auch seine Gäste untereinander Fragen stellen.

“Beckmann trifft” heißt das Format, zu Gast waren in seiner ersten Sendung Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und Modedesigner Wolfgang Joop.

Die beiden sind in der damaligen DDR aufgewachsen, deswegen wurde das Gespräch schnell sehr persönlich.

Wagenknecht: “In der Politik greift man sehr exzessiv zum Alkohol”

Unter anderem sprach Sahra Wagenknecht über die Kanzlerin, Stress im Politikerleben – und den Punkt, an dem sie von heute auf morgen ihre Karriere beenden würde.

“Ich weiß, dass viele Politiker irgendwann sehr exzessiv zum Alkohol greifen”, sagte sie. “Wenn man sich nicht wehrt, sich einfach nur gehen lässt und all das macht, was normal von einem erwartet wird in der Politik, dann ist man kein Mensch mehr”, sagte die Linken-Politikerin.

Dann sei man tatsächlich 14 bis 15 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche im Dienst, habe kein Leben mehr und keine “Zeit zum Nachdenken.” 

Beckmann fragte, wie sie sich vor diesem Druck schütze.

“Ich sage ganz beharrlich Termine hab”, verriet Wagenknecht.

Wagenknecht: “Wenn ich Merkel ins Gesicht sehe, sehe ich jemanden, der völlig fertig ist”

Außerdem habe sie das Glück, ein Rückzugsgebiet zu haben, an dem sie alles hinter sich lassen könnte, was die Politik so anstrengend mache.

“Wenn ich diese Balance nicht hätte”, sagte Wagenknecht, “dann könnte ich das gar nicht.”

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“Dieses ständige Getrieben sein, dieses Hamsterrad, dann kommt am Ende wirklich Seehofer raus. Man ist kein normaler Mensch. Dann kämpft man Kämpfe, um die es am Ende um nichts mehr geht”, sagte Wagenknecht mit Blick auf den jüngsten Asyl-Streit des CSU-Chefs.

Auch für Kanzlerin Angela Merkel hat Wagenknecht persönliches Mitgefühl.

Wagenknecht: “Wenn ich den Sinn nicht mehr sehe, würde ich das keinen Tag mehr länger machen”

“Wenn ich sehe, was sie für ein Pensum hat, wenn ich ihr ins Gesicht sehe, dann sehe ich jemand, der völlig fertig ist. Rein menschlich. Einfach völlig aufgerieben in diesen ganzen Auseinandersetzungen”, sagte Wagenknecht.

Wagenknecht spricht von einer Sucht, immer weitermachen zu wollen.

“Der Preis ist ein solcher Verschleiß an Lebenszeit. Wenn ich den Sinn nicht mehr sehen würde, würde ich das keinen Tag mehr länger machen”, sagte sie.

Dann würde sie lieber “zu Hause sitzen, Bücher schreiben, lesen und ein selbstbestimmtes Leben führen.” 

(lp)