POLITIK
23/12/2017 09:54 CET

Götzendämmerung: Der tiefe Fall des Stephen Bannon

Von wegen "Schattenpräsident".

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  • Stephen Bannon galt in den USA als gefährlicher Manipulator, als Schattenpräsident hinter Donald Trump
  • Die jüngste Vergangenheit zeigt jedoch: Bannon ist weit weniger einflussreich, als er selber denkt

Er hatte vor, die USA radikal zu verändern.

Er wollte die Eliten in Wirtschaft und Politik zu Boden werfen und eine neue Ära in den Vereinigten Staaten einleiten. Eine populistische Ära: Nach innen national, nach außen aggressiv. 

Stephen Bannon wollte nichts weniger als eine Revolution.

Knapp ein Jahr nachdem der “Breitbart”-Chef maßgeblich dazu beigetragen hat, Donald Trump ins Weiße Haus zu hieven, ist nun klar: Die Revolution ist ausgeblieben. 

Der angebliche “Schattenpräsident” Bannon ist fürs Erste gescheitert – und das grandios. 

Komplettes Wahlversagen

Maßgeblich für Bannons Versagen ist dabei nicht, dass sein politischer Alumnus Trump ihn aus dem Weißen Haus warf. Trotz seiner unrühmlichen Entlassung schwor der Berater dem US-Präsidenten noch die Treue

Vielmehr zeigen Bannons Aktivitäten nach seiner Zeit in der Trump-Regierung, wieso der politische Einfluss des Rechtspopulisten zunehmend schwindet. 

Da ist zum einen die Gouverneurs-Wahl in Virginia. Im republikanischen Vorwahlkampf unterstützte Bannon den rechten Kandidaten Corey Stewart.

Stewart verlor knapp gegen den Establishment-Kandidaten Ed Gillespie. Bannon wechselte die Pferde, drängte Gillespie zu einer populistischen Anti-Einwanderer-Kampagne – und verlor die Wahl deutlich. 

Mehr zum Thema: Ex-Berater Bannon verrät den größten Fehler, den Donald Trump als US-Präsident gemacht hat

Das gleiche Bild ergab sich bei der Senatswahl in Alabama. Bannon unterstützte hier offen den Republikaner Roy Moore – einen rassistischen Waffennarren, dem 9 Frauen vorwerfen, sie als Minderjährige sexuell genötigt zu haben.

Moore verlor die Wahl, als erster Republikaner in 25 Jahren.

Bannons Vision vom “Trumpismus ohne Trump” hat sich damit als falsch herausgestellt. Bisher hat er es nicht geschafft, einen weiteren Populisten ausfindig zu machen, der nicht nur laut, sondern auch erfolgreich ist. 

Bannons gäriger Haufen

Dabei sind Stewart, Gillespie und Moore nicht die einzigen Kandidaten, die Bannon unterstützt.

Trumps Ex-Berater führt laut Matt Mackowiak, einem strategischen Berater für die Republikaner, einen “blutigen Bürgerkrieg” gegen das Establishment der republikanischen Partei. 

Doch Bannons Auserwählte – “Breitbart” nennt sie die “Liga der außergewöhnlichen Kandidaten” – sind wenig überzeugend:  

► In New York hilft Bannon Michael Grimm beim Versuch, 2018 in den US-Kongress einzuziehen. Grimm saß dort bereits ein paar Jahre – bis herauskam, dass er Steuern hinterzog und einem Reporter angedroht hatte, ihn vom Balkon zu werfen.

► In Nevada wird Danny Tarkanian versuchen, dem Establishment-Kandidaten Dean Heller die republikanische Senatskandidatur zu entreißen. Bannon hat Tarkanian seine volle Unterstützung versprochen. Die wird der anti-elitäre Republikaner brauchen: Fünf mal hat sich Tarkanian in Nevada bereits zur Wahl gestellt, fünf Mal hat er verloren. 

► In Mississippi unterstützt Bannon den Republikaner Chris McDaniel. McDaniel soll im nächsten Jahr dem republikanischen Senator Roger Wicker sein Amt streitig machen. Das hat der 45-Jährige schon im Jahr 2014 erfolglos versucht – worauf er solange über Wahlbetrug schimpfte, bis ihm ein Gericht das Gegenteil bewies. 

Dass Grimm, Tarkanian und McDaniel nun die Speerspitze von Bannons Anti-Establishment Bewegung innerhalb der republikanischen Partei darstellen, zeigt, wie es um diese Bewegung wirklich steht: Miserabel

Ihr fehlt Know-How, Geld und ein breiter gesellschaftlicher Rückhalt. Eine Tatsache, die Bannon laut einem Medienbericht zu einem verzweifelten Schritt treiben könnte. 

Präsident Bannon

Als Bannon im August das Weiße Haus verlassen musste, sagte er, “die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft haben, ist vorüber.”

Sollte heißen: Statt den korrupten Sumpf in Washington trocken zu legen, sei Trump von ihm verschlungen worden. 

Bannon, berichtet nun die “Vanity Fair”, habe sich befreit gefühlt. Er habe mit Donald Trump und seiner Regierung gebrochen. “Es war immer nur ein Job”, sagte er dem Magazin, “ich war nur ein Angestellter, ich hatte Einfluss, aber ich war nur ein Angestellter.” 

Jetzt glaube Bannon, er habe Macht, schreibt die “Vanity Fair”. “Ich bin kein Politiker”, sagte er dem Magazin, “ich bin ein Revolutionär.”

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Ein Revolutionär ohne Revolution, wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat. Dennoch einer mit Ambitionen.

Die “Vanity Fair”, die Bannon monatelang begleitet hat, glaubt: Der exzentrische Publizist könnte sich darauf vorbereiten, 2020 als Präsidentschaftskandidat anzutreten

“Für Bannon ist es immer 1933”, schreibt die “Vanity Fair”. Die Welt befinde sich für ihn ständig kurz vor dem Untergang. Das Magazin beschreibt Bannon als Mann, der glaube, dass er aus diesem Grund an die Macht müsse. 

Nicht, um die Welt zu retten. Sondern um aus der bevorstehenden Katastrophe als Sieger hervorzugehen. 

Eine Vorstellung, die von Bannons Größenwahn zeugt.

Denn was die Realität über den politischen Einfluss Stephen Bannons zeigt, hat das “Wall Street Journal” nach Roy Moores Niederlage in Alabama treffend formuliert: “Mr. Bannon is for losers.” 

(ujo)