POLITIK
22/01/2019 14:59 CET

Hartz-IV-Empfänger beklagen Umgang im Jobcenter: Banane statt Essensmarken

“Die Frau griff nur in ihre Schublade und legte eine Banane auf den Tisch”

justhavealook via Getty Images
Hartz IV: Banane statt Essensmarken.
  • Immer wieder sorgen Berichte von Hartz-IV-Empfänger, die über ihre Erfahrungen mit Hartz-IV-Maßnahmen erzählen, für Kopfschütteln.
  • Neben den Maßnahmen lässt aber auch das Verhalten von Jobcenter-Mitarbeitern aufhorchen.

Erst vor Kurzem zeugte ein auf Twitter geteiltes Foto von den teilweise demütigenden Maßnahmen, die Hartz-IV-Empfänger über sich ergehen lassen müssen, um weiterhin Arbeitslosengeld II zu beziehen.

Mehr als zweitausend Menschen hatten den Tweet geteilt, Tausende kommentierten ihn und berichteten von ähnlichen Erfahrungen. Statt Bewerbungen zu schreiben, hätten sie malen, puzzeln, oder Aufgaben auf Grundschulniveau lösen müssen. 

Doch nicht nur die Maßnahmen werden von vielen Hartz-IV-Empfängern als demütigend empfunden.  Auch der Umgang einiger Jobcenter-Mitarbeiter lässt aufhorchen, wie der Fall eines 37 Jahre alten Mannes, der bei seiner Sachbearbeiterin nach Essensmarken gefragt habe.

Hartz IV: Banane statt Essensmarken

Gegenüber der “Vice” berichtet ein ehemalige Bundeswehrsoldat, dass Neukunden “bei Bewerbungstrainings wie kleine Kinder behandelt” würden. Das ist nicht das einzige Problem für ihn. 

Der 37-Jährige schildert dem Online-Magazin, dass sein Arbeitslosengeld gekürzt worden sei, nachdem er aufgrund einer längeren Krankheit mehrere Termine nicht wahrnehmen habe können. Weil er nach seiner Kürzung 60 Prozent weniger Arbeitslosengeld erhalten habe, sei er dazu gezwungen gewesen, beim Amt nach Lebensmittelmarken zu fragen.

Die Reaktion seiner Sacharbeiterin: Sie “griff nur in ihre Schublade und legte eine Banane auf den Tisch”, berichtete er. Daraufhin habe sie gesagt: “Jetzt haben sie was.”

Hartz IV: Viele fürchten sich vor Kürzungen

Das Online-Magazin berichtet noch von zahlreichen weiteren Fällen. Darunter der Erfahrungsbericht einer 62-Jährigen, die nach jahrelanger Büroarbeit plötzlich als Waffe tragende Pförtnerin in einem Mietshaus hätte anheuern sollen.

In der Berufsbeschreibung habe es geheißen, dass der Job wegen des Waffengebrauchs für Soldaten geeignet sei, wie sie dem “Vice”-Magazin berichtet. Ablehnen habe sie die Umschulung allerdings nicht können, weil sie es sich nicht leisten konnte, sanktioniert zu werden.

Mehr zum Thema: Ex-Hartz-IV-Empfänger: “Ich habe mich total gehen lassen”

Weil sie ihren Vater pflegt, streicht das Jobcenter ihr Hartz IV

Fälle wie diese sind kein Einzelfall. 

Der Rechtsanwalt Philipp Hammerich berichtete in der HuffPost von dem Fall von Nadja. Als Anfang 2017 ihr Vater in Tschechien schwer krank geworden sei, sei sie zu ihm gereist, um sich um ihn eine Weile zu kümmern. 

Als das Jobcenter von der Ortsabwesenheit erfahren habe, habe es die gesamte Leistung für die sogenannte Bedarfsgemeinschaft, den Haushalt Nadjas und ihres Ehemanns, gekürzt, rund 1400 Euro im Monat. 

Vor allem Sozialgericht legte das Ehepaar Widerspruch gegen die Sanktion ein und beantrage Rechtsschutz. Sie bekamen Recht – das Jobcenter musste ihnen schließlich das Geld zurückzahlen.

Die HuffPost hat bereits über eine Vielzahl weiterer Fälle berichtet. Zum Nachlesen:

Ex-Hartz-IV-Empfänger: “Ohne Antidepressiva hätte ich das nicht überstanden”

Hartz-IV-Empfängerin: “Jobcenter droht, weil mir Geld für Busticket fehlt”

Ex-Hartz-IV-Empfänger schildert, wie arrogant das Jobcenter ihn behandelt hat

So verschieden die Geschichten sind, eines haben sie gemeinsam: Sie zeugen davon, wie Hartz-IV-Empfänger unter der dürftigen Kommunikation zwischen ihnen und den Mitarbeitern der Jobcenter und den teils demütigenden Zwangsmaßnahmen zu leiden haben.