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04/05/2018 16:29 CEST | Aktualisiert 04/05/2018 16:29 CEST

Bamberg, die Schöne in Oberfranken

Mit ihrem Weltkulturerbe vom Feinsten, einer Altstadt, die mit ihrer mittelalterlichen Romantik, barocken Pracht und einem Gewirr aus engen Gassen einem Freilichtmuseum gleicht und Filmkulisse für Hollywood war, ihrer kulinarischen Vielfalt, zahlreichen Bierkellern und dem idyllischen Klein Venedig zählt die pulsierende Universitätsstadt zu den besten Zielen für einen Wochenendtrip in Deutschland

© Cornelia Lohs
Bamberger Dom

Hätte man Ostfrankenkönig Heinrich II 1004 nicht zum König von Italien und später zum römischen Kaiser gekrönt, wäre ihm wohl kaum die Idee gekommen, das neu gegründete Bistum Bamberg wie Rom auf sieben Hügeln zu errichten. Das „Fränkische Rom“ wurde zum neuen geistlichen, politischen und kulturellen Zentrum seines Reiches. Der Heinrichsdom, den er auf dem bucklig abfallenden Domberg errichten ließ, brannte im 11. Jh. ab. Seit 1237 thront an seiner Stelle der weithin sichtbare viertürmige Kaiserdom hoch über Bamberg.

@ Cornelia Lohs

Die sterblichen Überreste des heiliggesprochenen Kaiserpaares Heinrich und Kunigunde befinden sich in einem monumentalen Hochgrab am östlichen Ende des Mittelschiffs. Das meistdiskutierte Wahrzeichen der Stadt, der Bamberger Reiter, sitzt in drei Metern Höhe am nordwestlichen Chorpfeiler auf einem Pferd und richtet seinen Blick in die Ferne. Bis heute gibt das Reiterstandbild aus dem 13. Jh. viele Rätsel auf, denn keiner weiß, wer die wunderschöne Gestalt sein soll, die da im Sattel sitzt. Auch über den Künstler ist nichts bekannt. Die Nationalsozialisten missbrauchten den Reiter als Prototyp eines Deutschen.

© Cornelia Lohs

Im Westchor liegt die letzte Ruhestätte von Clemens II, das einzige vom Vatikan offiziell anerkannte Papstgrab nördlich der Alpen. Es war der letzte Wille des Papstes, in seinem ehemaligen Bischofssitz beigesetzt zu werden. Einen Katzensprung vom Dom entfernt liegt das Diözesanmuseum mit dem Bamberger Domschatz und mittelalterlichen Textilien, darunter der Sternenmantel Heinrich II., das Ornat von Papst Clemens II und das Gunthertuch.

© Cornelia Lohs
Auf den von Buchshecken eingefassten Beeten stehen im Sommer Rosen in voller Blüte

Die vierflügelige Neue Residenz gegenüber der Kathedrale, einst Domizil der Fürstbischöfe und ab 1862 Exil von Bayernprinz Otto I., dem ersten König Griechenlands, beherbergt die Staatsbibliothek und die Staatsgalerie von Bamberg. Im Innenhof der Residenz breitet sich der Rosengarten aus, in dem im Sommer rund 4500 Rosen ihren Duft versprühen. Mittendrin befindet sich die Terrasse des gleichnamigen Cafés vor der Kulisse der darunter liegenden Altstadt.

© Cornelia Lohs

Der Domplatz führt hinunter zum Sandgebiet, dem Kern der Altstadt, dessen Gassen und Sträßchen rund um die Sandstraße liegen. Blickfang par excellence ist das Alte Rathaus an der Unteren Brücke. Dass es mitten in der Regnitz steht, daran ist der damalige Fürstbischof schuld. Der wollte den Bambergern im 14. Jh. nämlich nichts von seinem Grund und Boden abgegeben. So wählten die Bürger „neutralen Grund“ und schufen eine künstliche Insel, auf der sie ihr Rathaus bauten. Der Fluss markiert die frühere Grenze zwischen dem bischöflichen Berg und der bürgerlichen Inselstadt. Ein Hingucker sind die vielfach restaurierten Fresken. Kuriosum ist das Bein einer der Putten, das als Skulptur aus den Wandfresken herausragt.

© Cornelia Lohs

Gegenüber der Brücke, Am Kranen, steht die Bronzeplastik Centurione I des polnischen Künstlers Igor Mitoraj. Das überdimensionale Fragment eines Gesichtes ist eine der am prominentesten platzierten Statuen des 1990 geschaffenen Bamberger Skulpturenwegs in der historischen Altstadt, den internationale Künstler mit ihren Werken bereichern.

© Cornelia Lohs

Das Sträßchen Am Leinritt im Sandgebiet bietet einen herrlichen Blick auf die ehemalige Fischersiedlung Klein Venedig am gegenüberliegenden Ufer der Regnitz. Hier stehen rund 30 alte Fachwerkhäuser, die mit winzigen Vorgärten ausgestattet sind, eng aneinander geschmiegt. Mit der italienischen Lagunenstadt hat die Siedlung nur so viel gemein, dass sie direkt am Wasser liegt. Der Name Klein Venedig wurde ihr von zwei Journalisten verpasst, die 1842 durch Bamberg reisten.

© BAMBERG Tourismus & Kongress Service/ Pressestelle Stadt Bamberg, Foto: Steffen Schützwohl

Im Sommer versprüht die Siedlung tatsächlich venezianisches Flair, wenn eine waschechte Gondel aus Venedig über das Wasser gleitet. Der Gondoliere im schwarzweißgestreiften T-Shirt ist allerdings Bamberger – was der Romantik aber keinen Abbruch tut.

© Cornelia Lohs
Die Alte Hofhaltung ist eines der ältesten Gebäude der Stadt und beherbergt heute das Historische Museum

Dank ihrer Lage und historischen Architektur ist die alte Kaiser- und Bischofsstadt nicht nur beliebte Kulisse deutscher Fernseh- und Kinoproduktionen, auch Hollywood klopft gelegentlich an. Für den Film „Die drei Musketiere“ mit Orlando Bloom war Bamberg die 2010 Kulisse für das Paris des 17. Jahrhunderts. Schauplätze waren die Alte Hofhaltung am Domplatz, aus der Regnitz wurde die Seine und am Ende der Oberen Brücke befand sich das Haus der Musketiere, zu dem sie durch das Tor des Rathauses gelangten. 50 Jahre zuvor war Bamberg Drehort für das Hollywood-Drama „Stadt ohne Mitleid“ mit Leinwand-Legende Kirk Douglas und Christine Kaufmann in den Hauptrollen.

@ FrankenTourismus/Bamberg/Hub
Blick auf die Gärtnerstadt

Dass Bamberg 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe zählt, ist auch der Gärtnerstadt nahe der Altstadt zu verdanken. Im Mittelalter blühte hier der Süßholzanbau und die Pflanze wurde europaweit exportiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Anbau jedoch nicht mehr rentabel, denn Importe aus Asien waren weitaus günstiger. Seit 2010 wird im Rahmen des „Urbanen Gartenbaus“ in der Gärtnerstadt wieder Süßholz gepflanzt. Die kleinen Wurzelstückchen werden schön verpackt als Souvenir verkauft.

© Cornelia Lohs

Mitte des 19. Jh. zählte die Gärtnerstadt über 500 Gartenbaubetriebe. Heute bewirtschaften rund zwei Dutzend Gärtnerfamilien die historischen Anbauflächen. Zu den einmaligen Bamberger Spezialitäten zählen die Kartoffelsorte Bamberger Hörnla, Spitzwirsing, Knoblauch und die Bamberger Zwiebel, die namensgebend für den Spitznamen der Bamberger ist: Zwiebeltreter. Ein Rundweg führt Besucher zu 18 Stationen der „Oberen“ und „Unteren“ Gärtnerei und vermittelt Wissen zur Geschichte, den Anfängen und der Blütezeit der Gärtnerstadt. Eingebettet in den Rundweg ist das Gärtner- und Häckermuseum (Häcker ist die fränkische Bezeichnung für Winzer). Seit das Süßholz seine Renaissance erlebt, fügen auch Bierbrauer neuen Kreationen das aus der Pflanze gewonnene Lakritz hinzu.

© Cornelia Lohs

Mit rund 60 Brauereien im Bamberger Land (davon 11 in der Stadt), die 300 verschiedene Biere produzieren, verfügt die Region über die höchste Brauereidichte der Welt. Die erste Brauerei in Bamberg entstand 1122, als den Benediktinern auf dem Michelsberg das Braurecht verliehen wurde. In den Gewölben der ehemaligen Klosterbraustätte befindet sich heute das fränkische Brauereimuseum. Die Bamberger gehen übrigens nicht in den Biergarten, sondern „auf den Keller“. Das liegt daran, dass sechs der sieben Hügel der Stadt mit Sandsteinhöhlen untertunnelt sind, in denen früher das Bier gelagert wurde. Erst seit Ende des 19. Jh. schenken es Braumeister direkt auf dem Hügel aus.

@ FrankenTourismus/Bamberg/Hub
Einer der beliebtesten Bierkeller Bambergs: Die historische Rauchbierbrauerei Schlenkerla

Um die 30 Keller gibt es in Bamberg. Ältester und bekanntester ist die 1405 gegründete Brauereigaststätte Schlenkerla in der Dominikanerstraße, die es dank ihres würzigen Rauchbiers in die internationalen Reiseführer schaffte. Das dunkle Bier, das nach alter Tradition noch aus Eichholzfässern gezapft wird, wurde in Australien zum besten Spezialitäten-Bier der Welt gekürt, für die Engländer zählt es zu den zehn besten Bieren weltweit und für die Amerikaner ist es das beste Rauchbier der Welt. Der Legende nach geht der Name der Gaststätte auf einen ehemaligen Wirt zurück, der aufgrund eines Unfalls mit den Armen schlenkerte. Das „la“ ist die fränkische Variante der Endung „chen“. Ein Rauchbier im Schlenkerla ist für viele Bamberg-Besucher das Highlight nach einem mehrstündigen Stadtspaziergang. Sollte in der Kneipe kein Tisch mehr frei sein, schafft das Schankfenster Abhilfe, in dem das Bier im Außenverkauf angeboten wird.

© Cornelia Lohs
Die "Liegende mit Frucht" von Fernando Botero ziert seit 2005 den Heumarkt in Bamberg

Hotel Tipp: Bamberger Hof Bellevue am Schönleinsplatz, zentrale Altstadtlage, hübsche Zimmer im Stil der Jahrhundertwende renoviert, leckeres Frühstücksbuffet. DZ 165 €, über Booking-Portale ab 120 €.

© Cornelia Lohs
Aussicht von der Dachterrasse des Hotels Bamberger Hof