ELTERN
12/06/2018 10:40 CEST

Nachbarn rufen Polizei, weil Baby schreit – dann schreiben Eltern einen Brief

Sie kontern perfekt.

Thanasis Zovoilis via Getty Images
"Windeln wechseln mag ich gar nicht, da meckere ich." (Symbolbild)
  • In Berlin musste die Polizei anrücken, weil sich Nachbarn von lautem Babygeschrei gestört gefühlt haben.
  • Die Eltern des Neugeborenen ließen ihren Ärger in einem offen Brief raus. 

In der Mittagspause wird gebohrt, die Waschmaschine läuft weit nach Mitternacht, der neue Lautsprecher brummt durchs Treppenhaus – in einem Mietshaus kann es öfter laut zugehen. Und viele Bewohner ignorieren gerne die Hausordnung.

Ärgerlich, wenn es um Dinge geht, die vermieden werden könnten. 

►Doch manches lässt sich einfach nicht kontrollieren – wie Babygeschrei.

Wenn ein Neugeborenes weint, dann müssen sich nicht nur die Eltern, sondern auch die Nachbarn damit abfinden, oder?

“Nein” haben sich Mieter in Berlin, Charlottenburg, wohl gedacht und zu eier drastischen Maßnahme gegriffen.   

“Redet man nicht lieber miteinander?”

Die Nachbarn hätten sich wohl so sehr von dem Baby gestört gefühlt, dass sie die Polizei gerufen hätten – anstatt mit den betroffenen Eltern zu sprechen. 

Und die Beamten seien auch angerückt.

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Doch das ließen die frisch gebackenen Eltern nicht auf sich sitzen und konterten mit einem offenem Brief, den der Blog “NotesofBerlin” zeigte.

Um der ganzen Misere eine ironische Note zu verpassen, schrieben die Eltern aus der Sicht ihres 14 Monate alten Kindes. 

“Die letzten Tage war es wirklich heiß, Mama hat extra die Fenster aufgemacht, aber irgendwie war mir trotzdem warm und da musste ich schreien”, erklärten die Schreiber ihren Nachbarn. Auch das Windelwechseln würde die Kleine überhaupt nicht mögen und deshalb “meckern”.

Sie sei jedoch nicht nur schlecht gelaunt. Nein, das Mädchen könne seit zwei Wochen schon laufen und habe ein wunderschönes rosa Zimmer – welches sie den Nachbarn gerne zeigen würde. 

Nur niedlich sollte der offene Brief wohl nicht werden. Gute Argumente hatten die Eltern auch vorbereitet. 

“Ich muss mir wegen meinem lauten Schreien gar keine Sorgen machen, denn nach vielen Gesetzen darf ich so viel schreien wie ich möchte!”, konterten sie. 

Mehrere Gerichte, darunter das oberste deutsche Zivilgericht der Bundesgerichtshof in Karlsruhe (BGH), urteilten, dass Babygeschrei keine Ruhestörung ist. Nachbarn müssen den Lärm von Kindern ertragen – besonders den von kleinen Kindern. Werden die Kinder älter aber nicht leiser, können sich die Nachbarn durchaus auf Ruhestörung berufen. 

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Sie habe sich deshalb gewundert, als zwei uniformierte Polizisten mit Pistole vorbeigekommen seien und so viele Fragen gestellt hätten. 

Zum Schluss wandten sich die Eltern direkt an die Nachbarn und fragten sie: “Macht man das so in dieser Welt ... in diesem Haus? Oder redet man nicht lieber miteinander?”

Das Mädchen könne es ja nicht wissen, denn sie sei neu im Haus.

Ob dieser Brief die Wut der Nachbarn wirklich mindern wird, bleibt offen. 

(ks)