ELTERN
30/07/2018 12:41 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 11:18 CEST

Bei 30 Grad: Frau bricht fremdes Auto auf, um ein Baby zu retten

Ohne die Hilfe der Frau hätte das Baby wohl nicht überlebt.

  • Ein zwei Monate alter Junge wurde bei über 30 Grad in einem Auto auf einem Supermarktparkplatz zurückgelassen.
  • Eine Frau rettete ihn aus dem Wagen, während das Sicherheitspersonal des Markts nicht eingreifen wollte.
  • Im Video oben seht ihr was passiert, wenn ihr ein Auto in der prallen Hitze abstellt.

Eine junge Frau rettete auf einem Supermarktparktplatz ein Baby aus einem Auto, weil es bei einer Temperatur von über 30 Grad Celsius dort alleine eingesperrt war. Später gab sie an, dass das Sicherheitspersonal des Supermarkts ihr nicht helfen wollte, aus Angst, den Job zu verlieren.

Jenna Langston aus Kings Norton, England, war vergangenen Donnerstag im britischen Supermarkt Asda einkaufen und auf dem Weg zurück zu ihrem Auto, als sie ein paar Angestellte sah, die besorgt in ein Auto guckten.

“Ich dachte sofort: ‘Hoffentlich hat niemand einen Hund in seinem Auto gelassen’”, erzählt die 33-jährige Pflegerin gegenüber der Zeitung “Birmingham Live”.

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Es könnte als Einbruch gelten

Sie erinnere sich daran, dass während ihres Einkaufs schon mehrfach ein Autokennzeichen über die Lautsprecher ausgerufen worden sei.

Doch dann hörte sie, wie ein Sicherheitsmann sagte, dass ein Baby im Auto sitze. “Ich ließ alles stehen und liegen und rannte zu dem Auto. Ich sagte, das Baby muss sofort rausgeholt werden – es waren 31 Grad Celsius”, erzählt sie weiter.

“Aber das Sicherheitspersonal sagte, es könne nicht einbrechen, weil dies als Einbruch eingestuft werden könnte.”

Langston war das egal, sie wollte das Baby unbedingt aus dem Wagen befreien. Doch das Sicherheitspersonal griff weiterhin nicht ein: “Einer der Männer sagte: ‘Wir können Ihnen dabei nicht helfen. Ich könnte meinen Job verlieren’”, erzählt die junge Frau.

Über den Kofferraum kam sie zu dem Baby

Die Türen seien verschlossen gewesen, auch kein Fenster habe offen gestanden. Also knackte Langston den Kofferraum, schmiss Taschen und andere Dinge hinaus und kroch zu dem zwei Monate alten Jungen.

“Er war schweißgebadet – seine Kleidung war so nass, es sah aus, als wäre sie in der Waschmaschine gewesen”, erinnert sie sich.

Daraufhin schaffte es die Britin, die Türen zu öffnen und ließ Luft in den Wagen strömen. Ein Passant bot ihr an, mit dem Baby in seinem Wagen zu sitzen, da er eine Klimaanlage hatte. 

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Das Baby war über eine Stunde alleine im Auto

Kurz darauf erreichten Polizei und Sanitäter den Parkplatz. “Ich übergab den kleinen Jungen den Sanitätern. Sie sagten, dass es ihm wohl gut gehe, aber dass sie ihn ins Krankenhaus bringen würden”, erzählt die Pflegerin der britischen Zeitung.

Nach 50 Minuten sei der Fahrer des Autos immer noch nicht zu sehen gewesen – wenig später sei dann die Mutter des Babys aufgetaucht. Sie sei langsam zurück zu ihrem Auto spaziert. 

“Ich schrie sie an und fragte, was sie sich dabei gedacht hätte. Ich war wirklich verzweifelt”, erinnert sich Langston an den Moment. “Sie sah jedoch nur auf den Boden. Ich bin immer noch aufgewühlt – ich habe die letzen Nächte noch sehr schlecht geschlafen.”

In einem Facebook-Post fügte Langton noch hinzu: “Es gibt wirklich dumme Menschen auf dieser Welt.”

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Die Mutter wurde von der Polizei verwarnt

Ein Sprecher der Supermarkt-Kette Asda äußerte sich inzwischen auch zu dem Vorfall: “Wir untersuchen momentan genau, was passiert ist – aber wir würden niemals einen Kollegen dafür bestrafen, wenn er versucht, das Richtige zu tun. Wir sind froh, dass das Baby in Sicherheit ist und es ihm gut geht.”

Auch die West Midland Polizei sagte gegenüber “Birmingham Live”: “Mit der Mutter des Babys wurde inzwischen gesprochen und angemessene Maßnahmen wurden eingeleitet, um zu versichern, dass das Kind nicht gefährdet ist.”

An heißen Tagen sollten weder Kinder noch Haustiere im Auto gelassen werden – auch nicht für wenige Minuten. Denn nur 15 Minuten in einem geschlossenen Wagen bei 35 Grad Außentemperatur können, laut der ”Ärztezeitung”, lebensgefährlich oder gar tödlich sein.

Schon bei 20 Grad Außentemperatur kann innerhalb von 30 Minuten die Hitze im Auto bis zu 36 Grad ansteigen.

Ein Kind nimmt in einem Auto dreimal mehr Wärme auf, als wenn es in der prallen Sonne steht. Dadurch ist die Gefahr der “Hyperthermie”, also der Überhitzung für Kinder besonders groß. 

(glm)