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17/04/2018 13:35 CEST | Aktualisiert 18/04/2018 07:54 CEST

Mutter verwanzt Rucksack ihres Sohnes – dann sind zwei Lehrer ihren Job los

"Kein Kind soll durchmachen, was meins durchgemacht hat."

  • Ein autistischer Schüler in den USA wurde gemobbt
  • Allerdings nicht von seinen Mitschülern, wie die Mutter des 12-Jährigen mit einer Wanze herausfand
  • Im Video oben: Wie weit verbreitet Mobbing in Deutschland ist - und was man dagegen tun kann

Im US-amerikanischen Bundesstaat Louisiana sind zwei Lehrer entlassen worden, weil sie einen schwer autistischen Schüler verspottet haben.

Mutter Melissa Davis schickte ihren zwölfjährigen Sohn Camden mit einem im Rucksack versteckten Aufnahmegerät in die Schule, weil sie befürchtete, dass er dort gemobbt wird.

Wie das US-Newsportal WBRZ 2 mitteilt, war Melissa mit ihren Sorgen beim Direktor vorher auf taube Ohren gestoßen.

Die Aufnahme schockierte seine Mutter

Die Aufnahme zeigt, wie ein Lehrer und ein Lehrassistent mit dem autistischen Camden umgehen:

Der Lehrer wirft Camden vor: “Du schreibst nur ein Wort. Was ist so schwer daran?”

Der Schüler stöhnt.

Sein Lehrer ahmt sein Stöhnen nach.

Er sagt: “Dann schauen wir doch mal, was sie mit ihm an einer staatlichen Schule machen. Er hätte nach Middle Oak gehen sollen. Er würde dort keine Minute durchstehen.” 

Mutter Melissa war untröstlich: ”Ich wollte einfach nur weinen, schreien und alles tun, was ich kann, weil es so schlimm war.” 

“Wenn ich nur daran denke, dass ich meinen Sohn jeden Tag dort hingeschickt habe und was alles vorher passiert ist, wovon ich nichts weiß. (…) Kein Kind soll durchmachen, was meins durchgemacht hat”, bedauert sie.  

Melissa hat ihre Geschichte öffentlich gemacht, um andere Eltern zu warnen.

“Ein benachteiligtes Kind auszunutzen, ist das schlimmste was man tun kann”

Mit ihrer Anwältin Charlotte McGehee will Melissa beim Kultusministerium Beschwerde einreichen.

McGehee kritisiert: “Ein behindertes oder ein benachteiligtes Kind auszunutzen, ist das schlimmste, was man tun kann. Sie brauchen besonderen Schutz und er hat den nicht bekommen.” 

Mehr zum Thema: Mutter und ihre behinderten Kinder werden gemobbt – jetzt zeigt sie es allen

Der Direktor von Camdens Förderschule hat eine Stellungnahme zu den Aufnahmen veröffentlicht, in der er die Allgemeinheit darum bittet, die jahrelangen Bemühungen der Schule um ihre Schüler von den Anschuldigungen gegen die beiden betroffenen Lehrer getrennt zu betrachten.

Autisten haben große Probleme mit Kommunikation und Emotionen

Autismus ist eine komplexe neurologische Entwicklungsstörung. Laut dem Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus sind etwa 0,7 Prozent der Erwachsenen der westlichen Welt betroffen.

► Autisten haben große Probleme mit Kommunikation und Emotionen.

► Der Umgang mit anderen Menschen fällt ihnen schwer. Viele Autisten leiden an einer Überflutung von Sinnesreizen und neigen zur zwanghaften Wiederholung alltäglicher Aufgaben.

►Zusätzlich haben viele Betroffene Angst- und Essstörungen und neigen zu Wutausbrüchen oder Gewalt. 

Autismus kann zwar therapiert und oft gebessert, aber nie geheilt werden. Je nach Schwere der Krankheit brauchen Betroffene oft ihr Leben lang Hilfe und Unterstützung.

Die Übergriffe gehen ihm noch immer nahe

Melissa hat ihren Sohn Camden seither an eine andere Schule versetzt. Die beiden Lehrer wurden seitdem entlassen.

Obwohl es ihm schon besser geht, sagt sie, dass er immer noch deutlich von den angeblichen Übergriffen beeinflusst ist.