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21/06/2018 09:54 CEST | Aktualisiert 21/06/2018 10:05 CEST

Frau will Baby von ihrem toten Freund – und zieht vor Gericht

Jetzt wurde das Urteil gesprochen.

iprogressman via Getty Images
Ayla Cresswells Freund ist 2016 an Suizid gestorben (Symbolbild). 
  • Eine 24-jährige Australierin darf sich laut Gerichtsurteil mit dem Sperma ihres toten Freundes befruchten lassen.
  • Zwei Jahre lang lagerte sie das Sperma in einer Samenbank.

Für die 24-jährige Ayla Cresswell geht nach zweijährigem Kampf ein Traum in Erfüllung: Richterin Sue Brown vom “Supreme Court” im australischen Brisbane hat vergangene Woche entschieden, dass Cresswell das Sperma ihres verstorbenen Freundes Joshua Davies nutzen darf, um damit Kinder zu zeugen. Das berichtet der australische Sender Special Broadcasting Service (SBS)

Schnelle Sperma-Entnahme nach dem Tod

Cresswells Freund Davies habe sich 2016 überraschend selbst getötet, wie der Sender berichtet. Die beiden seien vorher drei Jahre lang ein Paar gewesen.

Nach dem Suizid ihres Freundes habe die junge Australierin schnell gehandelt und vor Gericht das Recht erwirkt, sein Sperma entnehmen zu lassen und von einer Samenbank aufbewahren zu dürfen.

Vergangenen Mittwoch habe Richterin Sue Brown dann nach einem zweijährigen Verfahren bestätigt, dass Cresswells Vorgehen rechtens gewesen sei. Die Richterin sagte, es liege nun im Ermessen der behandelnden Ärzte, ob diese mit der Befruchtung fortfahren würden.

Konsens des toten Vaters

Bei ihrem Urteil habe Richterin Brown auch die Wünsche des verstorbenen Davies in Erwägung ziehen müssen. 

Dessen Eltern hätten ausgesagt, dass ihr Sohn sich ein Kind mit Ayla gewünscht habe. Auch Textnachrichten eines Freundes des Verstorbenen hätten dessen Kinderwunsch belegt. 

“Während Joshua Davies’ Freunde und Familie glauben, dass er die Entscheidung von Frau Cresswell unterstützen würde, gründet das auf seinen Äußerungen, die voraussetzen, dass die beiden am Leben sind”, sagte Richterin Brown gegenüber SBS.

Letztendlich habe sie aber keinen Hinweis für Einwände des Toten gefunden.

“Keine reine Trauerreaktion”

Auch die Zeit, die seit Davies Tod vergangen sei, sei wichtig, habe Cresswells Anwältin Kathryn McMillan bei der Verhandlung gesagt. “Das ist keine reine Trauerreaktion. Sie hat sich das gut überlegt, hat Beratung in Anspruch genommen, hat viele Hürden genommen und Tests über sich ergehen lassen, um herauszufinden, ob sie ein Kind bekommen kann.”

Cresswell wird wohl Alleinerziehende

Anwältin McMillan habe zwar eingeräumt, dass das Kind ohne Vater aufwachsen müsse, sich aber Cresswells und Davies Eltern um das Kind kümmern würden. 

Richterin Brown sagte gegenüber SBS: “Ich bin zuversichtlich, dass jedes Kind, das aus Joshua Davies Sperma entstehen könnte, nicht nur Liebe, Zuwendung, finanzielle und emotionale Unterstützung von Frau Cresswell erhalten wird, sondern auch von ihrer Familie.”

Großer Gesetzgebungsbedarf

Der Vizepräsident der örtlichen Rechtsgesellschaft, Bill Potts, sagte zu SBS, das Urteil sei ein Meilenstein und habe weitreichende Folgen für das Erb- und Familienrecht. 

“Während die Klägerin jedes Recht dazu hat, überglücklich zu sein, glaube ich, dass dieses Gebiet neue Gesetze braucht. Wir müssen dafür sorgen, dass das Recht mit der technologischen Entwicklung und der damit zusammenhängenden Moral Schritt hält”, sagte der Rechtsexperte. 

(kap)