POLITIK
29/08/2018 19:19 CEST | Aktualisiert 29/08/2018 19:19 CEST

"Auslandspresse warnt vor deutschen Medien": Das steckt hinter der Fake News

Schlampig gemacht – und einfach falsch.

Screenshot / twitter
Dieser Text verbreitete sich auf Twitter.
  • Im Internet kursiert ein Zeitungsbericht, laut dem ein internationaler Journalistenverband vor den Medien in Deutschland warnen würde.
  • Die Fact-Checking-Seite “Mimikama.at” hat den Text genauer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis der Analyse: eindeutig Fake News.

Die Rechten wussten es schon lange: Der deutschen Presse ist nicht zu trauen. Jetzt hatten sie es offenbar schwarz auf weiß: 

Auf Twitter kursierte der Screenshot eines Artikel, in dem ein internationaler Journalistenverband offenbar vor den deutschen Medien warnt. 

Doch was ist dran an dem vermeintlichen Zeitungsartikel?

Um was es in dem Artikel geht 

Der Artikel war zunächst auf dem Twitter-Acount einer Nutzerin, die “Daily Fake News”-Accounts folgen soll, erschienen, wie “Mimikama.at” rekonstruierte. Eine Anfrage der Fact-Checking-Seite blieb von der Nutzerin allerdings unbeantwortet.

Da der Account zudem mit einem roten Kreuz im Namen versehen ist – ein Zeichen des Protestes von vornehmlich rechtsorientierten Nutzern gegen die Qualitätsfilterungsfunktion auf Twitter – knüpften sich die Fact-Checker den Text genauer vor.

Darin heißt es:

► “Einseitig und irreführend” sei die deutsche Berichterstattung laut dem angeblichen Journalistenverband “European Press Watch (EPW)”. Der Verband drohe sogar mit einer Herabstufung deutscher Medien im “Credibility-Ranking”.

► Dabei beruft sich der Zeitungsbericht auf die Zitate des Sprechers der EU-Journalisten, Olaf Leifstroem. Dieser kritisiere die Berichterstattung deutscher Leitmedien zu den Bürgerprotesten in Chemnitz. Ihm nach würden die Proteste “inkriminiert” und die “AfD nahezu systematisch verleumdet”.

Was an dem Artikel nicht stimmt

Sonderbar nur, dass weder der Journalistenverband – der wohlgemerkt internationale Rankings über die Glaubwürdigkeit von Journalismus erstellen soll – noch dessen Präsident in irgend einem Artikel online erwähnt werden. Das ergibt eine kurze Google-Suche.

“Wenn Herr Leifstroem tatsächlich ein Journalist ist, muss er unglaublich erfolglos sein”, heißt es bei “Mimikama.at”.

Auch das Layout des Artikels wirft Fragen auf:

► In einer Info-Box am Fuß des Artikels findet sich das Logo des angeblichen Journalistenverbandes. Dieses erscheint wie ein “Word-Clipart”, eine Grafikanwendung aus den 90ern.

► Auch der Zeichensatz passe “eher zu einem Limonadenstand beim Kindergartenfest”, so das harte Urteil der Faktenchecker.

Zahlreiche weitere Fehler im Layout, wie ein unsauber geschnittener Kommentarkasten, deuten auf eine “schlampige” Umsetzung hin.

Das Ergebnis: “Eindeutig Fake”