POLITIK
29/07/2018 10:50 CEST | Aktualisiert 31/07/2018 14:32 CEST

Brennpunkt: Aufwachsen, wo Deutsche sich selten hintrauen

Heute plaudern wir ein bisschen aus dem Getto-Nähkästchen.

Nada Assaad
Ender, Agatha und Nada sprechen über Aufwachsen im Brennpunkt

Kennt ihr das Gefühl, so richtig Gangsta zu sein, obwohl ihr nichts dafür getan habt? Nein? Wir schon!

Wir sind in Stadtteilen groß geworden, die in Deutschland den Ruf genießen, das inkarnierte Sodom und Gomorrha zu sein. Obwohl dort niemand einem Gänseblümchen was zuleide tun würde. Naja, das ein oder andere Delikt gab es in unserer Hood schon, aber so krass ist es bei uns eigentlich nicht.

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Inmitten von Multikulti und heruntergekommenen Häuserfassaden leben ganz normale Menschen wie du und ich. Mit dem einzigen Unterschied, dass sie möglicherweise nicht so viel Geld haben wie der Soja-Latte trinkende Großstädter im Fairtrade-Café.

Brennpunkte bündeln alles vermeintlich Schlechte

Leider will der restliche Teil der Bevölkerung nichts davon wissen. Brennpunkte, wie man so schön sagt, sind dankbare Schandflecken, die alles vermeintlich Schlechte bündeln – weit weg vom hippen Stadtkern.

Trotzdem finden wir Brennpunkte heimlich cool. Denn es sind die dunklen Seiten, die eine Stadt erst interessant machen: “Seht her, wir haben nicht nur Vorgärten und Reihenhäuser, wir haben auch ein Getto.”

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Im Gespräch kann man damit punkten, wenn man erzählt, aus besagtem Getto zu stammen. Manch einer erstarrt ob der ungewöhnlichen Nachricht und beginnt sogleich mit dem absurden Frage-und-Antwort-Spiel:

“Werden bei euch wirklich Menschen auf offener Straße umgebracht?” – “Nein.” –  “Traust du dich nachts alleine nach Hause?” – “Ja.” – “Gibt es bei euch auch Deutsche?” – “Jein.”

Im Podcast plaudern wir aus dem Getto-Nähkästchen

Nada Assaad hatte in ihrer Kindheit das Vergnügen, in einer Hochhaussiedlung zu wohnen und kennt die Gerüchte über ihre ehemalige Wohngegend. Bereits als Kind musste sie den Menschen erklären, dass bei ihnen zu Hause alles genauso normal abläuft wie bei ihren Mitschülern.

Heute plaudert sie ein bisschen aus dem Getto-Nähkästchen.

Außerdem lassen wir in diesem Podcast unseren Gast Ender zu Wort kommen. Er stammt aus Köln-Chorweiler, dem Ort, der erst kürzlich von der Kölner Polizei als nicht mehr gefährlich eingestuft wurde. In dieser Folge erzählt uns Ender von seiner Heimat, die ein ZEIT-Journalist einst als “abgehängten Stadtteil” mit wenig Perspektive betitelte.

Hört rein und holt euch die geballte Ladung Insider-Wissen:

Spargelstecher und Ölauge – ein Podcast der HuffPost

Zwischen Hummus und Gurkensuppe, Mittelmeer und Ostsee treffen sich ein Spargelstecher und ein Ölauge, um über Deutschland und die Welt zu plaudern. Agatha Kremplewski (Deutsch-Polin) und Nada Assaad (Deutsch-Syrerin) dröseln in ihrem Podcast Stereotype auf und fragen sich, was es eigentlich bedeutet, hierzulande mit Migrationshintergrund aufzuwachsen.

Der Spargelstecher 
Agatha Kremplewski, Jahrgang 1987, studierte Literatur, Spanisch und Soziologie. Agatha liebt ihren Hund Bolle, hat sich als Übersetzerin ihre Weltreise finanziert und schaut sich nachts gerne YouTube-Tutorials an.

Das Ölauge 
Nada Assaad, Jahrgang 1990, studierte Literatur- und Musikwissenschaftlerin. Nada hat ein Herz für Freaks und treibt sich gerne auf Konzerten herum. Mit dem Fotografen Anders Petersen würde sie gerne mal einen Kaffee trinken. Ansonsten findet sie Weltfrieden ganz cool.