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06/03/2018 19:00 CET | Aktualisiert 06/03/2018 19:00 CET

"Liebe Eltern, klärt eure Kinder früher auf! Damit schützt ihr sie"

Je früher, umso besser.

ullstein bild via Getty Images
"Frühe Aufklärung hilft nicht nur, einen schönen Zugang zum eigenen Körper und damit zu einer gemeinsam gelebten Sexualität zu finden, sie schützt auch."

Sexualität gehört zu unserem Leben dazu. Ganz früh gehen Babys und Kleinkinder bereits mit ihren Fingern auf ihren Körpern auf Forschungsreise und finden heraus, dass der Genitalbereich ein wunderbarer Spielplatz mit interessanten Gefühlen sein kann.

So lange, bis die Eltern das (nur früher, hoffe ich) mit: “Pfui, nein, das tut man nicht!“ unterbinden. Die Tabuisierung im Kindesalter macht aus einer natürlichen Lustempfindung ein Problem, mit dem manche noch als Erwachsene zu kämpfen haben. Die DDR war uns da, finde ich, mit ihren FKK-Selbstverständlichkeiten voraus.

Nacktheit war nichts Anstößiges, sondern eher eine natürliche Befreiung. Das war in meiner Familie – Gottseidank – auch so. Meine ältere Schwester und ich haben unsere Eltern schon als kleine Kinder nackt gesehen und der Penis unseres Vaters war eben genau das, was die kleinen Jungs auch hatten, nur eben größer.

Je früher, umso besser

Und die Fragen, die meine Schwester und ich damit verbunden haben, wurden freimütig beantwortet, so dass wir früh wussten, wie das Baby in den Bauch und auch wieder herauskommt.

Aufklärung schützt. Und zwar: Je früher, umso besser. Vor allem heute, wo Pornografie über jedes Smartphone zu laden ist, ist frühe Aufklärung und vor allem das elterliche: “vorleben“ wichtig. Wie soll ein Kind, dem ein eigentlicher Liebesakt im Internet als möglicherweise gewalttätige Pornografie gezeigt wird, das wahre Gesicht der Sexualität verstehen?

Wie reagieren Mädchen beim ersten Mal, wenn sie nur gesehen haben, dass sie das willfährige Werkzeug sind, das möglichst viel stöhnen und sich aufreizend gebären soll? Wie lassen sich Jungs auf die Sexualität ein, wenn laut Internet nur die Größe ihres Penis’ und die Stöße (der habe ich es aber besorgt …) zählen? Und die Stellungen, damit es so “geil“ ist wie bei den virtuellen Vorbildern?

Kinder erkunden ihre Körper – das gehört dazu

Frühe Aufklärung hilft nicht nur, einen schönen Zugang zum eigenen Körper und damit zu einer gemeinsam gelebten Sexualität zu finden, sondern schützt auch. Ein aufgeklärtes Mädchen spürt, wenn der Onkel an ihren Intimbereich greifen will. Sie weiß, dass diese Gegend nur ihr selbst vorbehalten ist – und dass sie selbst bestimmen darf, wen sie bis dorthin vordringen lässt.

Aber das passiert ganz bestimmt nicht im Kindesalter mit Erwachsenen. 

Auf dem Weg, den eigenen Körper und den Körper des anderen Geschlechts zu erkunden, schauen und tasten, berühren und erkunden Kinder den Penis und die Vagina und finden das interessant. Das gehört dazu – im Spiel, im Spaß, im gegenseitigen Einvernehmen, mit Kichern und Staunen über die Formen und die Gefühle. Aber niemals mit Erwachsenen – da steckt ein absolutes Missverständnis dahinter. Oder, im schlimmsten Fall, Missbrauch.

Eine frühe Erklärung verdirbt nicht, sie schützt

Was hindert Erwachsene daran, ihre Kinder frühzeitig aufzuklären? Die eigene Scham, die man als Kind seinem eigenen Körper gegenüber eingebläut bekommen hat? Die Folgen hat man ja selbst zu spüren bekommen … darum sollte man es den eigenen Kindern gegenüber anders machen.

Die frühe Erklärung, was der Penis alles vermag und welche Wunder sich im weiblichen Körper verbergen, hilft den Kindern auf dem Weg in die Pubertät. Sie können früh Liebe mit Sexualität verbinden und müssen sich Sexualität nicht von irgendwelchen seelenlosen Sexvideos vorspielen lassen. Und beim berühmten “ersten Mal“ mit genau dieser Vorstellung Schiffsbruch erleiden.

Deshalb mein Appell an die Eltern: Gebt euren Kindern die Möglichkeit, früh zu begreifen, was Sexualität ist. Das wird sie nicht verderben – sondern, im Gegenteil, schützen.