LIFE
18/08/2018 11:40 CEST

Es sah aus wie die perfekte Familie – jetzt soll der Mann alle umgebracht haben

Auf Facebook und Instagram sahen sie so glücklich aus.

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Familienvater Christopher W. ist offenbar nicht der, für den ihn viele gehalten haben. 
  • Shanann W. hat ein Traumleben mit einem Traummann geführt – zumindest auf Facebook und Instagram. 
  • Dann wurden sie und ihre Kinder ermordet aufgefunden – angeklagt ist der Ehemann.

Ihrer Facebook-Seite zufolge hatte die Amerikanerin Shanann W. alles: eine Karriere, durch die sie die Welt bereisen konnte, zwei wunderbare kleine Mädchen, einen Ehemann, der ganz vernarrt in sie schien und ein noch ungeborenes Baby in ihrem Bauch. 

Die 34-jährige Mutter postete regelmäßig Updates in den Sozialen Medien über ihr Leben in Frederick, Colorado. Updates, die ihren gesellschaftlichen Aufstieg und ihr scheinbar perfektes Leben dokumentierten. Immer wieder schwärmte sie über ihren Mann. “Ich liebe diesen Mann! Er ist mein Fels in der Brandung!”, schrieb sie noch im Mai auf Instagram. 

Am vergangenen Montag änderte sich alles. Die gerade 15 Wochen schwangere Frau und ihre beiden Töchter, Bella, 4, und Celeste, 3, wurden als vermisst gemeldet.

In einem Interview mit einem lokalen Nachrichtensender am Dienstag sagte ihr Ehemann Christopher, er und seine Ehefrau hätten “eine emotionale Konversation” gehabt, bevor sie verschwunden sei. Er bat sie und die Kinder, nach Hause zu kommen. 

Der Ehemann ist des dreifachen Mordes angeklagt

Zwei Tage später wurde Shananns toter Körper auf dem Grundstück von Christophers Arbeitskollegen, Anadarko P., gefunden. Überbleibsel von den Körpern ihrer Kinder wurden in der Nähe entdeckt. Die Körper der Kinder sollen laut dem US-Sender “Fox News” vier Tage lang in Öl-Tanks versteckt gewesen sein. Das Öl habe vermieden, dass die Leichen anfingen zu stinken – was die Aufmerksamkeit von Passanten hätte erregen können. 

Christopher sitzt jetzt im Gefängnis. Er ist des dreifachen Mord angeklagt, und dafür, Beweismaterial vorenthalten zu haben. Shananns Familie sagte, Christopher, 33, habe zugegeben, seine Frau und seine Kinder umgebracht zu haben. Das Gericht hat das aber noch nicht bestätigt. 

In den USA sorgt der Fall seit Tagen für Entsetzen: Der Kontrast von Shananns scheinbar idyllischem Leben und der Gewalttat hat die Öffentlichkeit schockiert. Viele Kommentatoren in den amerikanischen Medien können nicht fassen, dass ein Vater, der seine Familie so sehr geliebt zu haben schien, sie auf brutale Weise tötete, wie die Polizei bestätigte. 

“Es gilt als Schande, Opfer häuslicher Gewalt zu sein”

Experten auf dem Gebiet der häuslichen Gewalt sagen, es sei unmöglich, zu wissen, was sich hinter verschlossenen Türen abspiele. Und dass Opfer sogar oft durch soziale Medien versuchen würden, die Gewalt zu verschleiern. 

“Wir haben das Jahr 2018, aber in vielen Familien gilt es immer noch als Schande, Opfer häuslicher Gewalt zu sein. Überlebende versuchen oft, gute Miene zum bösen Spiel zu machen und die Beziehung in der Öffentlichkeit gut aussehen zu lassen”, sagte Kim Gandy, Präsidentin des “National Network to End Domestic Violence”. 

“Wir wissen nicht, ob es Gewalt in ihrer Ehe gegeben hat. Aber wenn, dann wäre es nicht verwunderlich, dass Shanann versucht hat, ihren Freunden und ihrer Familie ein positives Bild zu verkaufen, sowohl im realen Leben als auch in den Sozialen Medien.” 

Shanann nutzte die Sozialen Medien auch beruflich, um Gesundheitsprodukte zu verkaufen. Ihre Verkaufs-Posts versah sie oft mit rührenden Texten über ihren Ehemann und ihre Kinder. 

“Er ist der beste Vater, den wir uns wünschen könnten”

“Ich könnte mir keinen besseren Mann vorstellen”, schrieb sie über Christopher. “Du überwältigst uns mit deiner Liebe und Aufmerksamkeit! Du hältst es mit drei ungeduldigen, fordernden Frauen im Haus aus”, schrieb sie noch im April auf Instagram. 

“Ich liebe dich so sehr und bin so dankbar, dass du geblieben bist, als ich am Anfang versucht habe, dich abblitzen zu lassen.” 

Am Vatertag postete Shanann eine weitere Liebesbotschaft an ihren Mann auf Facebook und teilte mehr als ein Dutzend Bilder, auf denen er die Kinder knuddelte und mit ihnen spielte.

Am 19. Juni teilte sie einen Screenshot von einer Nachricht, die Chris ihr als Antwort auf das Ultraschallbild ihres gemeinsamen dritten Kindes geschickt hatte. Er antwortete, dass er “die kleine Erdnuss” schon jetzt lieben würde. 

“Ich liebe Chris!”, schrieb Shanann. “Er ist der beste Vater, den wir Mädels uns wünschen könnten.” 

Durch Social Media endlich in eine soziale Norm passen 

Amy Miller, Geschäftsführerin der Organisation “Violence Free Colorado”, die sich gegen Missbrauch einsetzt, sagt: Menschen, die von ihrem Partner missbraucht werden, würden sich oft ganz anders verhalten, als man es erwarten würde.

“Sie geben ihr Bestes, um diese Situation einfach nur zu überleben”, sagte sie. 

Sie fügte hinzu, dass häusliche Gewalt nicht immer physisch sein muss. Täter könnten ihre Opfer auch auf sexuelle, emotionale, verbale, psychologische, finanzielle oder digitale Weise missbrauchen. 

Ruth Glenn, Präsidentin der “National Coalition Against Domestic Violence” sagte, dass die Sozialen Medien deshalb so verlockend seien, weil sie es den Opfern ermöglichen würden, einen schönen kurzweiligen Moment zu teilen. Das reale Leben sehe aber oft ganz anders aus. 

Mehr zum Thema: Männer sind öfter Opfer häuslicher Gewalt, als gemeinhin bekannt ist

“Die Sozialen Medien können, aber müssen nicht zeigen, was wirklich vor sich geht”, sagte sie. “Auch die, die von ihrem Partner gewalttätig missbraucht werden, haben dort die Möglichkeit, in eine soziale Norm zu passen, eine perfekte Familie zu sein.”

Sie fügte hinzu, dass die meisten Mörder von Frauen keine Fremden. sondern intime Partner seien.

Und: Die meisten Massenmorde in den USA hätten ihren Ursprung auch in häuslicher Gewalt.

Dieser Text erschien ursprünglich in der HuffPost US und wurde von Amelie Graen aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet. 

(ll)