POLITIK
09/07/2018 17:58 CEST | Aktualisiert 10/07/2018 09:47 CEST

Asylbewerber eilte Frau zur Hilfe – doch der Staat lässt ihn im Stich

“Ich will mich endlich als Mensch fühlen.”

Michaela Rehle / Reuters
Ein Asylbewerber beobachtete den Übergriff auf eine Tabakverkäuferin am Münchner Hauptbahnhof und eilte ihr zur Hilfe.
  • Als er sah, wie eine Verkäuferin am Münchner Hauptbahnhof angegriffen wurde, eilte der Asylbewerber Jalal Abdallah ihr zur Hilfe. 
  • Sein Asylverfahren ist trotzdem aussichtslos.

Wer sich integriert und einen Beitrag zur Gesellschaft leistet, sollte in Deutschland bleiben dürfen. Diese Meinung teilen sogar viele Menschen, die dem Thema Asyl generell eher kritisch gegenüber stehen. 

► Dass diese Gleichung im Alltag nicht immer aufgeht, zeigt der Fall von Jalal Abdallah.

Asylstatus ungewiss – trotz Zivilcourage und sozialem Engagement 

Wie die “Süddeutsche Zeitung” berichtet, wartet der Iraker seit drei Jahren darauf, Asyl in Deutschland zu bekommen. Drei Jahre, in denen er nicht arbeiten durfte und von einer Unterkunft zur nächsten ziehen musste. 

Abdallah sei aus dem Irak nach Deutschland geflohen, nachdem seine Schwestern bei einem Terroranschlag getötet und er schwer verletzt wurden. Abdallah ist seither vom Brustkorb abwärts gelähmt und sitzt im Rollstuhl, berichtet die “SZ”.

Trotzdem habe er sich in Deutschland eingebracht, wann und wo immer er konnte. Unter anderem war Abdallah laut “SZ” als “Kulturmittler” für die Verwaltung der Gemeinde Germering tätig und habe erfolgreich aufkommende Konflikte unter Asylbewerbern geschlichtet.

Die Germeringer Polizei habe den heute 47-Jährigen sogar nachts angerufen, wenn seine Hilfe gebraucht wurde. 

Mehr noch, wie die “SZ” berichtet, wurde Abdallah Anfang 2018 Zeuge eines Überfalls am Münchner Hauptbahnhof – und griff ein.

Eine Tabakverkäuferin war von einem Kunden angegriffen worden, der mit einer entwendeten Bankkarte bezahlen wollte. Als sie den Betrug bemerkte, wurde der Mann gewalttätig. 

Abdallah sei auf den 48-jährigen Angreifer zugegangen und habe ihn abgelenkt, bis zwei weitere Männer hinzugekommen seien und den Mann festgehalten hätten. 

Ein Polizeisprecher habe später gesagt, das Eingreifen des Asylbewerbers habe Schlimmeres verhindert. Abdallah erhielt laut “SZ” sogar ein schriftliches Polizeilob für seine Zivilcourage.

Im Gespräch mit der Zeitung sagte der Asylbewerber: “Ich konnte nichts anderes tun, als zu helfen.”

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Für Abdallah scheint sein Einsatz selbstverständlich zu sein. Er liebe dieses Land und möchte Deutschland, das ihm Schutz gegeben hat, etwas zurückgeben, sagte er der “SZ”. 

Deutschland braucht Menschen wie Jalal Abdallah

Von Menschen mit dieser Einstellung kann es gar nicht genug geben. Nicht in Deutschland und auch in keinem anderen Land. 

Trotzdem bekommt der Iraker nicht die Chance, sich vollwertig in unserer Gesellschaft einzubringen: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat Abdallahs Asylantrag vor einem Jahr abgelehnt. Der 47-Jährige hat Klage dagegen eingelegt und ist seither in Deutschland geduldet.

Eine langfristige Bleibeperspektive wird Abdallah derzeit also nicht zugestanden. Ein Termin für die Verhandlung seines Asylstatus sei zudem immer noch nicht anberaumt, berichtet die “SZ”.

Jalal Abdallah hat unterdessen nur einen Wunsch: “Ich will mich endlich als Mensch fühlen.”

(jds)