POLITIK
19/02/2018 10:51 CET | Aktualisiert 19/02/2018 14:22 CET

Assad gegen Erdogan: Syrisches Regime beginnt offenbar Offensive gegen Türkei

Auf den Punkt gebracht.

Im Video oben: Erdogan schickt Truppen nach Idlib

Syrische Regierungstruppen beginnen im Norden des Landes Berichten zufolge eine Gegenoffensive gegen die türkische Armee. Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ist es eine brandgefährliche Entwicklung.

Der Zusammenprall der einstigen Partner auf den Punkt gebracht.

Die Lage: 

Die staatliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtet, dass Soldaten des syrischen Militärs in die Region Afrin vorrücken. Schon innerhalb der nächsten Stunden könnten demnach Gefechte beginnen.

► In Afrin hatten türkische Soldaten zusammen mit der Freien Syrischen Armee (FSA) am 20. Januar die Operation Olivenzweig gegen die kurdische Miliz YPG begonnen.

► Nun verbünden sich Regierungskräfte und Kurden offenbar. Schon am Wochenende hatten Medien von einem Abkommen berichtet.

Was das Bündnis für Syrien bedeutet: 

► Bisher pflegte die YPG-Miliz, die Ankara als syrische Armee der PKK betrachtet, ein Verhältnis zum syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, das sich am besten als “Duldung” beschreiben lässt.

► Zu gegenseitigen Angriffen kam es höchstens vereinzelt, eine Zusammenarbeit bestand jedoch – zumindest offiziell – nicht. Damaskus tolerierte das im Norden des Landes von Kurden kontrollierte Gebiet weitgehend.

► Die türkische Zusammenarbeit mit den Regimegegnern der FSA treibt Assad nun offenbar in eine Partnerschaft mit den Kurden. Die wiederum hatten um Hilfe in den verlustreichen Kämpfen gebeten, denen bereits hunderte Zivillisten in der Region Afrin zum Opfer fielen.

► Direkte Kampfhandlungen mit syrischen Soldaten will man auch in Ankara bislang unbedingt verhindern. Jetzt erklärte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu zur drohenden Konfrontation: “Niemand kann die türkischen Truppen stoppen.”

► Die schwierigen Friedensgespräche, an denen neben Assad auch die Türkei, Russland und der Iran teilnehmen, erleiden damit einen weiteren bitteren Dämpfer.

LOUAI BESHARA via Getty Images
Erdogan und Assad: Einst waren sie Freunde.

Zwei düstere Szenarien für Erdogan:

Der schwedische Syrien-Analyst Aron Lund von der US-Denkfabrik Century Foundation hat bereits Ende Januar skizziert, was die Alternativen zu einem militärischen Erfolg der Operation Olivenzweig sind:

► 1. Die Türkei-Offensive fährt sich fest

Die türkischen Truppen könnten sich im Norden des Landes in einen verlustreichen Abnutzungskampf verzetteln.

“Assad will nicht, dass Erdogan die Rebellenenklaven in Idlib und (dem Gouvernement) Aleppo durch Afrin verbinden kann”, schreibt Lund.

Erdogan war mit seiner Offensive drauf und dran, genau das zu erreichen, wie die HuffPost bereits in der vergangenen Woche analysierte.

Der Eintritt Assads soll das nun verhindern. Es droht ein brutaler Kampf um jeden Meter.

► 2. Am Ende geht Assad als Sieger hervor 

Vor allem das syrische Regime könnte seinen Stand weiter verbessern.

Bereits im Januar, kurz vor beginn der türkischen Offensive, soll es laut dem saudi-arabischen Nachrichtenmagazin “Al-Sharq Al-Awsat” zu einem von Russland vermittelten Treffen zwischen YPG-Offizieren und dem Regime gekommen sein.

Assad habe verlangt, dass die Kurden das Gebiet übergeben – um im Gegenzug von syrischen Truppen gegen die Türkei unterstützt zu werden. Ob der Bericht zutrifft, ist weiter Teil einer Kontroverse.

Dennoch ist offenkundig, dass Syrien und Russland auf lange Sicht auch in den kurdisch dominierten Gebieten wieder die Kontrolle übernehmen wollen. Dass die YPG nun Unterstützung von Damaskus erhält, macht das nur wahrscheinlicher.

Auf den Punkt gebracht:

In Syrien kommt es nun zum Krieg zwischen Assad- und Erdogan-Kräften. Für die Friedensbemühungen ist das ein weiterer Schlag. Für den türkischen Präsidenten eine brandgefährliche Entwicklung. 

(mf)