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04/02/2019 12:07 CET | Aktualisiert 04/02/2019 12:24 CET

"Ärzte sind Hirn der Klinik, Krankenschwestern das Herz": Was eine Pflegerin dazu sagt

"Wir sehen das Drumherum, das Gesamtbild des Patienten", findet eine Krankenschwester.

Florian Gaertner via Getty Images
Eine Krankenschwester verbringt mehr Zeit mit einem Patienten als die Ärzte. (Symbolbild)

Schichtarbeit, psychischer Druck, geringerer Lohn als die Arztkollegen: So dürfte das Leben vieler Krankenschwestern aussehen.

Umso wichtiger ist es, dass die Gesundheits- und Krankenpfleger Anerkennung für das erhalten, was sie tagtäglich leisten. Zu viele bekommen diese Anerkennung offensichtlich nicht.

Das zeigt sich gerade exemplarisch an einem vier Jahre alten Zitat: In dem Artikel “20 Gründe, warum man Krankenschwestern einfach lieben muss” aus dem Jahr 2015 zählte die Autorin auf, aus welchen persönlichen Gründen sie die Schwestern schätzt.

Doch der gut gemeinte Artikel machte einige Leser, darunter auch Krankenschwestern, wütend. Einige äußerten ihren Unmut darüber auf Twitter.

″Ärzte sind das Hirn der Klinik, Krankenschwestern das Herz”

Besonders ein Zitat einer Krankenschwester empfanden andere Krankenschwestern als erniedrigend:

″Ärzte sind das Hirn der Klinik, Krankenschwestern das Herz: Wenn das Hirn einen Fehler macht wird es das Herz wieder richten, macht das Herz einen Fehler, macht keiner es wieder gut. Stolz darauf, eine Krankenschwester zu sein.”

Die Behauptung, Krankenschwestern hätten Herz, sei zu einfach gesagt für ein solch komplexes Berufsbild, so der Vorwurf einer Pflegerin.

Krankenschwester Marina Böhm erzählte der HuffPost, welche Sicht sie auf das Zitat hat.

Krankenschwester: “Wir sehen das Drumherum, das Gesamtbild des Patienten”

Sie ist der Meinung, dass die Krankenschwestern als das Herz einer Klinik bezeichnet werden können – ihrer Rolle wird das aber nicht ganz gerecht.

Böhm begründet ihre Sichtweise so:

“Der Arzt hat die ganzen Diagnosen im Blickfeld, aber wir sehen das Drumherum, das Gesamtbild des Patienten. Wenn einer kommt, sind wir die ersten, die den Patienten sehen und mit ihm sprechen. Wir sehen jede Veränderung – sei es seelisch oder körperlich. Die Ärzte machen zwar die Visite, sehen die Patienten aber nur fünf Minuten im Durchschnitt. Wir sind diejenigen, die viel Zeit mit den Menschen verbringen. Wir kennen sie besser.”

Sie gibt zu, dass das Zitat nicht ganz stimmt. Sie findet:

“Wir haben zwar das Herz und die Ärzte haben auch das Hirn, denn ohne sie würde es auch nicht funktionieren. Aber jeder macht Fehler: Ohne Hirn auch kein Herz – und andersrum.”

(ben)