POLITIK
13/12/2017 17:15 CET

Armin Langer: "Wer beim Judenhass nur auf Muslime schaut, hat das Problem nicht verstanden"

Ob Jude, Muslim oder nicht: “Wir sind alle Schulfreunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und Kommilitonen."

 

  • Muslime und Juden, die gemeinsam ihre Freizeit verbringen? Das hat Armin Langer mit seiner Initiative Salaam-Schalom geschafft
  • Im HuffPost-Gespräch erklärt er, was seiner Meinung nach in der aktuellen Antisemitismus-Debatte schief läuft
  • Das Live-Interview seht ihr im Video oben

Es sind Bilder, die Deutschland noch immer beschäftigen: Am Wochenende wurden auf Demonstrationen in Berlin Fahnen mit dem Davidstern verbrannt und Juden Gewalt angedroht.

Seither ist eine Debatte über den wachsenden Antisemitismus entbrannt, mit dem sich auch die HuffPost im Rahmen einer Themenwoche beschäftigt. 

Eine Israel-Fahne brannte direkt vor meiner Haustüre

Mit Antisemitismus in Deutschland beschäftigt sich auch Armin Langer - aber nicht erst seit dem Wochenende, sondern bereits seit Jahren.

Der 27-Jährige gründete 2013 die Initiative Salaam-Schalom in Neukölln, die Muslime und Juden an einen Tisch bringt. Wie wichtig seine Arbeit ist, zeigte sich am vergangenen Wochenende erneut. 

Bei einer Demonstration hatten Männer eine Israel-Fahne direkt vor seiner Haustür am Berliner Hermannplatz angezündet. 

“Die Fahnen stehen nicht nur für die israelische Regierung, sondern für das ganze israelische Volk. Das ist das absolut falsche Signal und absolut gefährlich”, sagt Langer im HuffPost-Live-Interview.

Der Antisemitismus ist Teil von Deutschland, seit Jahrhunderten

Falsch findet er aber auch die Richtung, die die Antisemitismus-Debatte derzeit nimmt.

“Wer beim Thema Judenhass nur auf Muslime schaut, hat das Problem nicht verstanden”, sagt er. “Der Antisemitismus ist Teil von Deutschland, seit Jahrhunderten. Er ist ein Problem der gesamten Gesellschaft und nicht eines Teils der Bevölkerung.”

Tatsächlich geht eine Mehrzahl der antisemitischen Straf- und Gewalttaten in Deutschland auf Rechtsextreme zurück. Außerdem vertritt jeder Fünfte Deutsche antisemitische Thesen, wie jüngst ein vom Bundestag in Auftrag gegebener Bericht zum Thema zeigte.

Wir brauchen einfach mehr Begegnung. Nicht nur zwischen Juden und Muslimen - sondern zwischen allen Menschengruppen

Langer fordert deswegen: “Wir brauchen einfach mehr Begegnung. Nicht nur zwischen Juden und Muslimen - sondern zwischen allen Menschengruppen.”

Denn ob Jude, Muslim oder nicht: “Wir sind alle Schulfreunde, Nachbarn, Arbeitskollegen und Kommilitonen. Wir sind Berliner und Deutsche, wir gehören zu diesem Land.”

Langers Initiative etwa schickt immer ein muslimisches und ein jüdisches Mitglied in Schulklassen, die dann versuchen, mit den Kindern herrschende Vorurteile abzubauen. 

 “Es ist wichtig zuzuhören; es ist wichtig, dass die Kinder lernen, zu reflektieren”, sagt er.

Das ganze Interview mit Langer seht ihr oben im Video.

 

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(ben)