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08/08/2018 10:47 CEST | Aktualisiert 29/08/2018 12:43 CEST

"Armes Deutschland": Arbeitslose Kölnerin erwartet siebtes Kind – Zuschauer wüten

Selbst dem Kamerateam fehlen angesichts dieser Frau die Worte.

  • Die RTL-II-Doku “Armes Deutschland” gibt Einblicke in den harten Alltag von Hartz-IV-Empfängern.
  • Carola und ihr Freund Willi haben drei Jahre im Zelt gelebt. Jetzt erwarten sie ein Kind.
  • Im Video oben spricht ein Experte: “Viele Eltern verwenden ihr Hartz IV nicht einmal für ihre Kinder!” 

Eins muss man den Produzenten von RTL II lassen: Sie verstehen es wirklich, die härtesten Protagonisten für ihre Sendung zu finden. So wie die 33-jährige Carola.

Die Kölnerin hat “im Moment keinen Bock zu arbeiten”, sie lebt auf Kosten ihres Freundes Willi, der selbst Geringverdiener ist. 1600 Euro hat das Paar somit im Monat zur Verfügung.

Zwar hätte Carola Anspruch auf Sozialhilfe, aber dazu müsste sie erst einmal ihre Unterlagen vollständig einreichen. Einen Antrag mit sechs Seiten auszufüllen sei ihr allerdings “einfach zu viel”, erklärt die Arbeitslose.

Weil es sich von 1600 Euro in einer Großstadt nicht so leicht lebt, hat das Paar die letzten drei Jahre in einem Zelt gewohnt. Nun hat ihnen die Diakonie eine Wohnung organisieren können.

Einen Antrag auszufüllen mit sechs Seiten und den ganzen Papierkram einzureichen, ist einfach zu viel." – Carola, "Armes Deutschland"
Screenshot RTL II
Selbst dem Kamerateam fehlen angesichts dieser Frau die Worte.

Viel Meckern, wenig ackern

Doch Carolas Freude – ganz zu schweigen von Dankbarkeit – hält sich in Grenzen: “Die Wohnung und die Lage gefällt mir nicht.”

Denn die Wohnung liegt im sozialen Brennpunkt. “Von einer sozialen Einrichtung hätte ich mir mehr erwartet”, sagt Carola.

Auch sonst kann die 33-Jährige nur meckern.

► Über den Fernseher, den Willi organisiert, der aber nicht die Programme empfängt, die sie sehen will.

► Über das Amt, dass sich mit ihrem Antrag nicht beeilt – obwohl sie ihn nicht ganz ausgefüllt hat.

► Über die gähnende Langeweile, die sie tagsüber verspürt, wenn Willi arbeiten ist – und überbrückt, indem sie zweimal am Tag badet.

Carolas Verhalten treibt das Produktionsteam zur Verzweiflung

Selbst die Kamerafrau von “Armes Deutschland”, eigentlich eine einfühlsame und geduldige Seele, ist mit ihrem Latein am Ende: “Meinst du nicht, du könntest mehr aus deinem Leben machen als den ganzen Tag Fernsehen zu gucken und zu warten bis dein Freund nach Hause kommt?”

“Was soll ich denn sonst machen?”, lautet Carolas patzige Antwort.

“Glaubst du, du wirst in deinem Leben nochmal arbeiten gehen?”

Carola lacht. “Nö, glaube ich nicht.”

Mehr zum Thema: 18-jähriger Hartz-IV-Empfänger will nicht arbeiten und steckt Kindergeld in Drogen

Einen Plan für ihre Zukunft hat Carola nicht. Und das, obwohl sie und Willi ein Kind erwarten. 

“Aber du rauchst doch”, entgegnet die Kamerafrau perplex, als sie von Carolas Schwangerschaft erfährt. 

Carolas Antwort: “Jede Frauenärztin sagt: ’Sie können Rauchen, nur nicht so viel” – nicht dass Carola das wüsste, denn beim Arzt war sie während ihrer Schwangerschaft noch nicht. Und das, obwohl sie bereits im fünften Monat ist.

Bei ihren anderen Schwangerschaften habe sie viel mehr geraucht, “den ganzen Tag eigentlich”. Carola hat bereits sechs Kinder. Alle leben in Pflegefamilien.

“Man darf auch Alkohol trinken in der Schwangerschaft, nur nicht so viel, laut Ärzten”, erklärt die 33-Jährige.

An dieser Stelle muss der Kommentator aus dem Off eingreifen: “Das ist schlichtweg falsch.” Alkohol und Zigaretten schaden einem ungeborenen Kind selbst in geringen Mengen.

Zuschauer sind wütend 

Viele Zuschauer sind fassungslos angesichts soviel Ignoranz und Eigensucht. Auf Twitter wüten viele Leute gegen die werdende Mutter.

“Dass Leute wie Carola schwanger werden, ist ein Schlag ins Gesicht aller ungewollt kinderlosen Menschen”, schreibt ein User.

“Keine Ahnung von nichts, sechs Kinder in Pflegefamilien, aber RAUCHEN UND SAUFEN NICHT SCHÄDLICH FÜRS UNGEBORENE!”, regt sich eine andere Userin auf.

Ein anderer gibt zu: “Ich war selten sprachlos, aber die beiden haben den Vogel abgeschossen.”

Unglücklicherweise ist am Ende tatsächlich das Kind das Leidtragende: Carolas Sohn kommt vier Monate zu früh auf die Welt. 

“Ihren frühgeborenen Sohn Benjamin haben die beiden nach vier Wochen im Krankenhaus nicht wieder besucht”, lässt RTL II den Zuschauer aus dem Off wissen. Das Jugendamt habe das Sorgerecht übernommen.

Nach allem was man über das Paar in der Sendung erfahren hat, muss man sagen: Besser ist es.