POLITIK
23/05/2018 10:50 CEST

"Armes Deutschland": Der Wunsch dieses Mädchens zeigt, was Armut bedeutet

Seit der Trennung ihrer Eltern, muss die 14-jährige Sandra schneller erwachsen werden, als ihr lieb ist.

  • Die Doku “Armes Deutschland” gibt Einblicke in den harten Alltag von armen Menschen.
  • Weil ihr Vater alleinerziehend ist, muss die 14-jährige Sandra sich um  ihren kleinen Bruder und den Haushalt kümmern.
  • Oben im Video erklärt ein Armutsforscher: “So können wir die Armut in Deutschland zielgerichtet bekämpfen!”

Es ist nicht fair. Seit der Trennung ihrer Eltern, muss die 14-jährige Sandra schneller erwachsen werden, als ihr lieb ist. 

Während ihre Freundinnen nach der Schule zum Shoppen in die Stadt gehen, muss sie sich um den Haushalt und ihren kleinen Bruder kümmern

“Es gibt keine andere Lösung”, erklärt Sandra geknickt. Denn ihr Vater Bernd ist alleinerziehend.

Screenshot RTL II
Weil ihr Vater alleinerziehend ist, muss die 14-jährige Sandra früh erwachsen werden.

Um sie und ihre drei Brüder durchzubringen, arbeitet er in Vollzeit als Postbote.

Sandra ist Mutter, Tochter und Schwester zu gleich

Doch sein Lohn von 1800 Euro im Monat reicht bei Weitem nicht aus, um den Bedürfnissen seiner Familie gerecht zu werden. Deshalb müssen auch Sandras ältere Brüder nach der Schule noch ran. 

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Sandra ist also die Einzige, die Zeit hat, sich um den 10-jährigen Matthias zu kümmern, ihm Essen zu machen und ihm bei den Hausaufgaben zu helfen.

“Sie ist wie eine Mama für mich”, sagt Matthias über seine große Schwester.

Eine Rolle, auf die das Mädchen jedoch nicht vorbereitet wurde.

“Als meine Eltern noch zusammen waren, wäre das nie zur Debatte gestanden”, sagt Sandra. 

Dass sie durch ihre unfreiwillige Hausfrauenrolle kaum noch Zeit für sich hat, ärgert die Schülerin. Für sie kommt es nicht in Frage, nach der Schule noch in die Stadt zu gehen und dort zu Mittag zu essen.

Ich würde auch gerne mal einen Döner essen. Aber selber kochen ist dann doch billiger.”

Alleinerziehend zu sein, bedeutet Abstriche zu machen

Sandras Vater ist ebenso wenig glücklich mit der Situation. Es zerreißt ihn, dass seine Kinder so viel zurückstecken müssen. 

Und es schmerzt ihn, dass er so wenig Zeit mit ihnen verbringen kann.

► Bernd will seinen Kindern ein Vorbild sein, ihnen zeigen, dass es sich lohnt einen Schulabschluss und eine Ausbildung zu machen. Deshalb geht er in Vollzeit arbeiten.

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Wenn man sich jedoch anschaut, wie die Familie trotz seiner Bemühungen leben muss, kommen durchaus Zweifel daran auf, ob diese Rechnung immer aufgeht. In einem gerechten Staat sollte sie das jedenfalls.  

Wie das Leben in Armut ist, zeigt auch die Doku “Hartz und herzlich“, dienstags, 20.15 Uhr auf RTL II.

(tb)