NACHRICHTEN
29/08/2018 11:48 CEST | Aktualisiert 30/08/2018 16:02 CEST

18-jähriger Hartz-IV-Empfänger will nicht arbeiten und steckt Geld in Drogen

Sein ersten Gang als Volljähriger war der Weg zum Jobcenter – Hartz IV beantragen.

  • Die Doku “Armes Deutschland” gibt Einblicke in den harten Alltag von armen Menschen.
  • Der 18-jährige Philipp gibt sein ganzes Hartz-IV-Geld für Drogen aus. 
  • Oben im Video seht ihr einen Faktencheck: Wie gerecht ist Hartz IV?

Mit 13 Jahren ist Philipp aus Aachen auf eigenen Wunsch in ein Heim gezogen. Heute, mit 18 Jahren, lebt er in einem Obdachlosenheim. Er nimmt Drogen, hat noch nie gearbeitet und seine erste Tat als Volljähriger war der Weg zum Jobcenter. Hartz IV beantragen. 

“Mit 18 Jahren vom Staat leben zu müssen, da denkt man eigentlich garnicht so darüber nach. Das ist nämlich erstmal Geld”, sagt Philipp in die Kamera.

Der 18-Jährige bezieht 244 Euro Hartz IV und Kindergeld, das mit dem Hartz-IV-Satz verrechnet wird. Das Geld nutzt der Aachener für eine bestimmte Sache: Drogen.

Screenshot / RTL 2
Der 18-jährige Philipp bezieht 244 Euro Hartz IV. Das Geld gibt es für seinen Drogenkonsum aus.

“Armes Deutschland” begleitete den Aachener Hartz-IV-Empfänger im Alltag

“Man muss sich auch mal etwas Schönes gönnen”, erklärt er. Für ihn bedeutet das, mit seinen Freunden nach Holland zu fahren und sein Einkommen für Marihuana auszugeben. Ein schlechtes Gewissen hat er dabei nicht.

Dass der regelmäßige Drogenbesuch eine Mitschuld an seiner derzeitigen Situation hat, daran denkt der 18-Jährige nicht.

“Du wirst auf jeden Fall nicht klüger, Drogen sind nämlich Bewusstseinsverändernd”, sagt er. 

Dennoch ist er der Meinung, dass er sein Leben trotz Drogenkonsum auf die Reihe bekommt. “Das Leben ist in manchen Dingen schon sehr entspannt”, sagt er. Fraglich, schließlich wurde Philipp schon zwei Mal von der Schule geschmissen. 

Mehr zum Thema Hartz IV: RTL II hat mich für “Armes Deutschland” angefragt – das ist meine Antwort

Philipp gibt sein Hartz-IV-Geld für Drogen aus

Seiner Meinung nach stehe ihm das Geld vom Amt zu. “Das ist ja eine Kasse extra für die Leute, die das Geld brauchen. Und ich brauche es.” Selbst eingezahlt hat er in diese Kasse noch nie. 

Nach seinem zweiten Schulverweis zwingt das Amt den 18-Jährigen, einen Job auszuüben. Außerdem muss er sich darum bemühen, seinen Drogenkonsum zu reduzieren.

► Ansonsten muss Philipp mit ernsthaften Konsequenzen rechnen. 

Momentan gibt es einen Trend in der Fernsehwelt, Hartz IV und Armut für Entertainment-Shows auszuschlachten.

Mehr zum Thema Armut: Der neue Armutsporno – wie Hartz IV zur Entertainment-Show wurde

“Armes Deutschland” zeigt Extremfälle

Die Einschaltquoten beweisen zumindest, dass Sendungen wie “Armes Deutschland” mit zuletzt 1,72 Millionen Zuschauern einen Nerv treffen.

► Wichtig ist dabei zu erwähnen, dass die Sendung fast ausschließlich Extremfälle präsentiert. Dadurch wird ein falsches Bild von Arbeitslosen und Geringverdienern kreiert.

Sicher gibt es einige Arbeitsverweigerer, Drogenabhängige und Sozialbetrüger –aber diese Gruppe macht nur einen geringen Teil der in Deutschland lebenden armen Menschen aus.