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14/06/2018 14:23 CEST | Aktualisiert 14/06/2018 14:55 CEST

Arme Familie kauft im Delikatessen-Geschäft ein – und verliert die Kontrolle

"Wir wussten am Ende gar nicht mehr, was wir alles gekauft haben."

  • Für die Sat.1-Sendung “Plötzlich arm, plötzlich reich” tauschen eine reiche und eine arme Familie eine Woche lang ihr Leben. 
  • Als die weniger vermögende Familie Baum zum ersten Mal in einem Delikatessen-Geschäft einkaufen geht, eskaliert die Situation.
  • Im Video oben: Von wegen reiches Land – so arm sind die Deutschen wirklich.

Schon in dem Moment, als sie erfahren, wie groß ihr Wochenbudget ist, wird klar: Die Baums sind restlos überfordert.

Für die Sat.1-Sendung “Plötzlich arm, plötzlich reich” tauscht die arme Familie aus Lobberich mit den reichen Yerlis aus Frankfurt eine Woche lang das Leben.

4500 Euro dürfen sie während des Tauschexperiments ausgeben. Normalerweise lebt die vierköpfige Familie von 192 Euro pro Woche. 

Mutter Jennifer bricht angesichts dieser Größenverhältnisse sogar in Tränen aus. “Zu wissen, dass du den Kindern jetzt etwas bieten kannst, was sonst nicht geht, war einfach etwas zu viel für mich”, sagt die 30-Jährige. 

Armut bedeutet ein Leben des bitteren Verzichts

► Familienvater Kevin verdient als Maurer nur 1600 Euro Netto im Monat. Für ihn, seine Frau und die zwei Kinder reicht dieses Geld kaum zum Leben.

► Auch Mutter Jennifers Kellnerjob ändert nichts an den prekären Verhältnissen, in denen die Familie lebt. 

Die Baums sind es gewohnt, nur das Nötigste einzukaufen. In der Regel gehen sie nur dann in den Supermarkt, wenn es Sonderangebote gibt, sagen sie. 

Nun aber dürfen sie eine Woche lang auf großem Fuß leben. In einem Delikatessen-Geschäft eskaliert die Situation: Edle Kirschtomaten, eine Flasche Champagner und Antipasti – die Baums gönnen sich endlich mal so richtig. 

Und blättern dafür am Ende satte 276 Euro hin. 

“Wir haben die Kontrolle verloren”, sagt Kevin Baum später. “Ich glaube, wir wussten später gar nicht mehr, was wir gekauft haben.”

Ungleichheit in Deutschland so extrem wie vor dem Krieg 

Allein für den Einkauf am ersten Tag hat die Familie doppelt so viel Geld ausgegeben, wie sie sonst in einer Woche zur Verfügung hat. Für die Tauschfamilie Yerli ist eine Lebensmittelrechnung in dieser Höhe jedoch nichts Ungewöhnliches.

Der direkte Vergleich der beiden Familien zeigt nicht zuletzt, wie groß die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist.  

In Deutschland liegen bei den Top 10 Prozent der Arbeitnehmer rund 40 Prozent des Gesamteinkommens. Das hat die Piketty-Studie 2017 herausgefunden. 

“Ihr Anteil ist seit Mitte der 90er Jahre gestiegen”, sagte Charlotte Bartels vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), die die deutschen Daten ausgewertet hat.

Dagegen hätten die unteren 50 Prozent in den letzten Jahren massiv an Anteil am Gesamteinkommen verloren. “In den 60er Jahren verfügten sie noch über etwa ein Drittel, heute sind es noch 17 Prozent”, erläuterte die Wissenschaftlerin. 

Die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung ist damit so groß wie seit 1913, einem Jahr vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, nicht mehr.

► Es gilt also, die Armut in Deutschland zu bekämpfen. 

Dafür bedarf es jedoch tiefgehender Veränderungen, wie Armutsforscher Georg Cremer in der HuffPost erklärt.

Unter anderem müsse die Regierung mehr Geld in Bildung und Ausbildung stecken, um mehr Menschen eine Chance auf höhere Qualifizierung zu geben und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu steigern.

Ein weiterer Ansatz wäre die Anhebung des Einkommensniveaus im Niedriglohnsektor. Damit Menschen wie Kevin Baum, die eine Ausbildung abgeschlossen haben und in Vollzeit arbeiten, genügend Geld verdienen, um davon leben zu können. 

“Plötzlich arm, plötzlich reich” läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf Sat.1.

(jds)