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24/05/2018 12:35 CEST | Aktualisiert 24/05/2018 14:38 CEST

Arme Familie zieht in Villa ein – das Geschenk der Besitzer irritiert sie

Für Sat.1 tauschen eine reiche und eine arme Familie ihr Zuhause.

  • “Plötzlich arm, plötzlich reich” – Sat.1 will in einer neuen Sendung ergründen, ob Geld wirklich glücklich macht. 
  • Dafür tauscht eine arme Familie aus Marzahn eine Woche lang den Lebensstandard mit einer Millionärsfamilie aus Zehlendorf.
  • Im Video erklärt ein Armutsforscher: “So können wir die Armut in Deutschland zielgerichtet bekämpfen!”

Armut ist unterhaltsam. Dieser Auffassung scheinen zumindest immer mehr TV-Sender zu sein. Vor allem dann, wenn das Leben in Armut nur gespielt wird, nur ein Experiment, ja, ein Abenteuerurlaub ist. 

► Nun ist also auch Sat.1 auf den Zug aufgesprungen. In der Sendung “Plötzlich arm, plötzlich reich” tauscht je eine arme Familie eine Woche das Leben mit einer reichen. 

Urlaub im Hartz

In der ersten Folge dürfen Geringverdienerin Nicole Bongé (35) und ihre Töchter Chantal (14), Chanel (9), Charlene (8) und Evangeline (6) den Plattenbau in Berlin-Marzahn hinter sich lassen und in eine Villa in Zehlendorf ziehen. 

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Die alleinerziehende Nicole arbeitet als Krankenpflegerin in Vollzeit, bekommt aber nur 1000 Euro netto im Monat. Die Bongés leben damit unter der Armutsgrenze. 

Armut in Deutschland

Rund 21 Prozent aller Kinder in Deutschland leben dauerhaft oder wiederkehrend in einer Armutslage. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervor.

In einer Armutslage befinden sich demnach Kinder in Familien, die mit weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommens auskommen müssen oder staatliche Grundsicherung beziehen.

Weitere zehn Prozent befinden sich zumindest vorübergehend in einer finanziell prekären Lebenslage. 

Für die Dauer von sieben Tagen sind alle Geldsorgen jedoch passé. Die arme Familie kann sich richtig was gönnen.

Die Millionärsfamilie Worm dagegen will offenbar lernen, was Verzicht bedeutet. Eine Woche lang wollen sie Luxus fasten. 

Kaviar? Nein Danke!

Die Worms wirken zwar nicht wie Snobs, dennoch erscheinen einige Aussagen und Gesten der Familie der Realität entrückt. Etwa das Willkommensgeschenk, das sie für Familie Bongé in ihrer Villa bereitgestellt haben:

Auf der villaeigenen Champagnerbar liegt neben einer Tüte Haribo und einer Packung Toastbrot auch eine goldfarbene Dose auf Eis parat.

“Kuck mal Eva,du kannst Kaviar essen”, erklärt Mutter Nicole.

Auch wenn die Geste der Millionärsfamilie sicherlich nur nett gemeint war: Ob Kaviar wirklich der eine große Luxus ist, von dem die fünfköpfige Familie Bongé immer schon geträumt hat? Wohl eher nicht. 

Stattdessen sagt Nicole: 

Am meisten freue ich mich darauf, einfach einkaufen zu gehen, ohne jeden Cent umdrehen zu müssen. Darauf, einfach mal leben zu können.”

Dass die Neugier auf ein finanziell gut situiertes Leben groß ist, leuchtet ein. Doch vom Reichtum der anderen zu kosten, bedeutet auch einen bitteren Nachgeschmack zu riskieren. 

► Etwa als die 14-jährige Chantal mit großen Augen die Designerkleider im Schrank der 17-jährigen Millionärstochter Salina bestaunt. 

“Es tut mir weh, dass ich meinen Kindern ihre Träume nicht erfüllen kann”, gesteht Mutter Nicole. 

Ein Schmerz, den Menschen wie Familie Worm niemals wirklich nachvollziehen können werden. Denn Armut spielen und Armut leben sind zwei völlig verschiedene Dinge. 

“Plötzlich arm, plötzlich reich” läuft mittwochs um 20.15 Uhr auf Sat.1.

(sk)