POLITIK
17/07/2018 22:34 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 22:35 CEST

ARD: Syrer will Deutschland unbedingt verlassen – doch Behörden hindern ihn

"Sie zahlen Steuern und ich beziehe Leistungen. Dafür schäme ich mich.”

ARD / Screenshot

Dschihad ist Friseur. Er kommt aus dem Irak, lebte lang im syrischen Aleppo.

Mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn floh er vor dem Krieg nach Deutschland. Im nordrhein-westfälischen Herford bezogen sie eine Wohnung. Dschihad hat eine Duldung – mehr nicht. 

Deshalb bekam er keinen Sprachkurs – findet keinen Job. In der ARD-Magazin “Fakt” erklärt er: “Die Leute sehen mich als jemanden, der in ihr Land kommt und Geld bekommt, ohne zu arbeiten. Sie zahlen Steuern und ich beziehe Leistungen. Dafür schäme ich mich.” 

Deshalb will Dschihad zurück in den Irak. Aber er kann nicht – wegen der deutschen Behörden. Seit 2016 wird der Familie die Ausreise verweigert.

Schuld ist ein kleiner Fehler in der Geburtsurkunde

Als die Eltern in Deutschland Zwillinge bekommen, machen die Behörden einen Fehler.

Bei einem der Söhne wird als Geschlecht “weiblich” vermerkt. Mit falschen Geburtsurkunden bekommen die Eltern für ihren Sohn keinen Reisepass. Sie müssen vorerst in Herford bleiben.

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Auch der dreißigjährige Yuhan Bozkurt darf nicht ausreisen. Er lebt in Magdeburg, spricht bereits gut Deutsch, aber seine Familie ist weiter in Syrien. Der Familiennachzug wurde verweigert. 

Deshalb will er nur zurück.

Doch das Bamf hat seinen Pass eingezogen. Die Behörde glaubt: Er könnte eine Fälschung sein – ausgestellt im IS-Gebiet. Einen neuen bekommt er auch bei der Botschaft ohne das alte Dokument nicht.

ARD
Yuhan Bozkurt darf nicht zurück nach Syrien.

Auch auf Anfrage der Ausländer-Behörde Magdeburg verweigert das Bamf, den Pass für eine erneute Kontrolle weiterzugeben. Der ARD teilt das Bamf mit, das werde seit Monaten so praktiziert. All das sei kein “untypisches Problem”, schildert eine Expertin.

Nicht nur bei Abschiebungen gibt es Probleme

Es ist die andere Seite einer komplexen Diskussionen, in der es nicht selten auch um die behördlichen Strukturen geht.

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Immer wieder gibt es Berichte über Flüchtlinge, die eigentlich abgeschoben werden müssten, aber nicht zurückgeführt werden können – weil Gerichtsverfahren anhängig sind, Dokumente fehlen – oder Abkommen mit den aufnehmenden Staaten.

Doch es geht auch andersherum: Migranten wollen freiwillig ausreisen, weil sie keine Perspektive in Deutschland sehen. Aber sie können nicht – wegen ähnlichen Fehlern im System.