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02/07/2018 00:32 CEST | Aktualisiert 02/07/2018 12:45 CEST

ARD kommentiert Seehofer-Rücktritt - doch der steht noch gar nicht fest

"Völliges Versagen von Journalismus."

Screenshot / ARD
ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke.
  • ARD-Journalist Kai Gniffke hat in den “Tagesthemen” kräftig mit Seehofer und der CSU abgerechnet.
  • Das Problem: Der Kommentar war auch ein Abgesang auf den CSU-Chef – doch dessen Rücktritt war da noch gar nicht bestätigt.

“Endlich, der Rücktritt von Horst Seehofer wäre eine Befreiung für Deutschland. Ich sage das ohne Schadenfreude.” So beginnt der beißende Kommentar von  ARD-Aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke – noch im Konjunktiv.

Der CSU-Chef hätte einen “besseren Abgang verdient, aber jetzt wars Zeit”, sagt Kai Gniffke dann aber doch.

CSU-Spitze hatte Rücktritt abgelehnt

Das Problem: Zu dem Zeitpunkt war Seehofers Rücktritt sowohl vom Posten des Parteichefs als auch als Innenminister noch gar nicht offiziell vollzogen oder bestätigt.

Zwar hatte Seehofer seinen Rücktritt nach übereinstimmenden Medienberichten seinen Rücktritt angeboten, doch die CSU-Spitze hatte diesen abgelehnt. Stand Mitternacht gibt es noch immer keine offizielle Verlautbarung. 

► Für “Focus”-Journalist Marc Etzold ist der Kommentar deshalb ein “völliges Versagen von Journalismus”, wie er auf Twitter schreibt.

Auch der “taz”-Journalist Martin Kaul konnte sich eine Spitze gegen die TV-Kollegen nicht verkneifen. Er twitterte um 23:44 Uhr: “Lieber Herr @KaiGniffke, wie ist denn nun der Nachrichtenstand?”

Gniffke fordert “Ende der bajuwarischen Profilneurosen”

In seinem anderthalbminütigen Kommentar lederte Gniffke kräftig gegen die CSU. Er fragte sich, warum die Partei nicht mit Stolz auf ihre Leistung verwiesen hat, Europa zu dem Ergebnis des EU-Gipfels gedrängt zu haben.

“Stattdessen machen Seehofer und Söder Politik nach ihrem persönlichen Hormonhaushalt – kann jemand den Herren mal sagen, dass man mit dem Schicksal der viergrößten Volkswirtschaft nicht Fußball spielen kann?”, fragt Gniffke.

Mit Blick auf den von der CSU angerichteten Schaden an der deutschen Politik erwartete Gniffke nun “ein Ende der bajuwarischen Profilneurosen”. Doch das werde nach dem Sonntag “sehr, sehr schwer”.

(ben)