POLITIK
09/06/2018 20:58 CEST | Aktualisiert 09/06/2018 21:00 CEST

ARD kritisiert "westliche Aggression" gegen Russland – und erntet mächtig Kritik

Die ARD entschuldigt sich für den Tweet, verteidigt aber den Inhalt der Sendung.

  • Die ARD hat in einer Sendung argumentiert, der Westen verhalte sich Russland gegenüber aggressiv.
  • Nach massiver Kritik entschuldigte sich der Sender.

“Feindbild Russland: Der Westen setzt seit Jahren auf Aggression und Provokation statt auf Diplomatie und Kooperation – und heizt damit den Konflikt mit Russland an.”

Diesen Tweet zu einer Sendung des Magazins “Monitor” hat die ARD am Freitagnachmittag abgesetzt. Und dafür massive Kritik bezogen. 

Auf Twitter beschwerten sich User über “strunzdumme Kreml-Propaganda”, eine User frotzelte: “In welchem Oblast leben wir jetzt eigentlich?(...) In Russland ist Fernsehpropaganda kostenfrei! Ich will meine Gebühren zurück.”

HuffPost-Journalist Sebastian Christ prangerte auf Facebook an, die Argumentationsketten im Beitrag seien unsauber, wenn nicht “gar faktisch falsch”, Zitate würden nicht wie notwendig eingeordnet, Gegenstimmen nicht erwähnt. Sämtliche Qualitätssicherung habe versagt. 

“Spiegel”-Redakteur Mathieu von Rohr twitterte, es sei “skandalös, wie hier im Ersten die Realität verdreht wird.” Russland habe die Krim annektiert, Separatisten in der Ost-Ukraine bewaffnet, Hacker auf westliche Demokratien angesetzt.

Lob von Russlands Sender RT

Daneben fand sich auch Lob für den “Monitor”-Beitrag. Beobachter sehen solche Kommentare allerdings mit Vorsicht, denn Russland ist bekannt dafür, sogenannte Trolle einzusetzen, die versuchen, die öffentliche Meinung durch Kommentare in den sozialen Netzwerken im Sinn der russischen Regierung zu beeinflussen.

Außerdem retweetete der staatliche russische Propaganda-Kanal RT Deutsch den Post der ARD.  

“Verunglückte Formulierung”

Die ARD schob knapp acht Stunden nach ihrem ersten Tweet einen nach und schrieb: “Wir entschuldigen uns für die verunglückte, einseitige Formulierung. Der Monitor-Beitrag wagt einen Perspektivwechsel, wonach AUCH der Westen den Konflikt anheizt.”

Georg Restle, Redaktionsleiter von “Monitor”, will sich die Vorwürfe dennoch nicht gefallen lassen. Er antwortete am Samstagabend dem “werten Kollegen” vom “Spiegel”, seine Redaktion habe die von ihm angesprochenen Themen immer wieder kritisch beleuchtet, ebenso dieses Mal. “Darauf hinzuweisen, wie weit auch der Westen Vertrauen zerstört hat, ist für Sie schon zuviel der Dialektik?”