WIRTSCHAFT
07/08/2018 16:45 CEST | Aktualisiert 07/08/2018 19:55 CEST

Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger: Grafik zeigt, wie die Arbeitsagentur versagt

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dpa
Kalt und rot: Die Bundesagentur für Arbeit. 

Arbeitslose in Deutschland finden selten einen Job durch einen Vermittlungsvorschlag der Bundesagentur für Arbeit. Das ergibt sich aus einer aktuellen Statistik der Behörde, die das Portal “O-Ton Arbeitsmarkt” ausgewertet hat. 

► Eine Grafik des Portals, das unter anderem vom Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz betreut wird, zeigt: 

10,2 Prozent der erfolgreichen Vermittlung zwischen Juli 2017 und Juni 2018 folgten nach Vorschlägen der Behörde; 3,7 Prozent nach einer Förderung; 12,3 Prozent nach Teilnahme einer Maßnahme innerhalb von drei Monaten.

 

►  Bei rund drei von vier Fällen erhielten die Personen einen Job nach “Erstkontakt” oder einer sogenannten Eingliederungsvereinbarung (einem Vertrag zwischen BA und einem Arbeitslosen).

Was die Zahlen über die Arbeitsagentur bedeuten: 

Die Grafik zeigt: Bei einem Großteil der erfolgreichen Arbeitssuchen ist die Bundesagentur nicht oder nur gering beteiligt. Die meisten Menschen finden offenbar selbstständig einen neuen Job. 

Aber: Die Behörde reklamiert auch die Erfolge nach einem Erstkontakt und einer Eingliederungsvereinbarung für sich, weil bereits eine Beratung oder auch “Selbstinformation” (durch Internetangebote der BA) stattgefunden hat. 

“O-Ton Arbeitsmarkt” weist allerdings darauf hin, dass es statistisch nicht messbar sei, wie wirksam die Betreuung der Bundesagentur in dieser Phase wirklich sei. 

Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger – wie ihre Situation aussieht: 

Die Bundesagentur für Arbeit und die Jobcenter sind häufig Ziel von Kritik – weil sie Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfängern nicht effizient helfen würden, aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen.  

Zuletzt sorgten Zahlen der BA im Bundestag für Aufsehen: Arbeitslose Hartz-IV-Bezieher sind in den vergangenen Jahren im Schnitt immer länger ohne Job geblieben. Die durchschnittliche Dauer wuchs an von 555 Tagen im Jahr 2011 auf 650 Tage im Jahr 2017.

Die Kritikerin des Hartz-Systems Inge Hannemann, früher Jobcenter-Mitarbeiterin und Abgeordnete für die Linksfraktion im Hamburger Senat, schrieb in der HuffPost über die Arbeitsweise in den Jobcentern: 

Qualität und Dauer der Vermittlungen sind dabei nebensächlich – Kundenzufriedenheit wird kaum belohnt. So ist es auch zu erklären, dass gerade die Langzeitbetreuung, die den Menschen wirklich neue Perspektiven eröffnen kann, viel zu kurz kommt.

(jg)