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23/12/2017 13:24 CET | Aktualisiert 23/12/2017 16:31 CET

Das Arbeitsamt hat mich bestraft, weil ich einen Schlaganfall hatte

Meine Kleine wünscht sich zwei Puppen, die kosten jeweils 15 Euro. Leisten kann ich mir das nicht.

Ich bin alleinerziehender Vater. Meine Tochter ist geistig behindert und lebt fünf Tage in der Woche in einem Heim. Ich bin krank, kann nicht arbeiten und empfange Hartz IV. Damit bin ich immer gerade so über die Runden gekommen.

Im Video oben: So wohnen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland

Bis jetzt – denn weil ich einen Schlaganfall hatte, hat mich das Jobcenter nun sanktioniert.

Für Dezember blieben mir 163 Euro

Es passierte vor einigen Wochen, als ich gerade das Haus verlassen wollte. Ich war auf dem Sprung zu einer Weiterbildungsmaßnahme, die mir vom Jobcenter auferlegt wurde. Mehr weiß ich von diesem Tag nicht mehr.

Erst mehrere Stunden nach dem Anfall hat mich mein Nachbar zuhause gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Doch es war schon zu spät, um bleibende Schäden zu verhindern.

Auf der linken Körperhälfte sind meine Nervenbahnen kaputt. Meine Bewegungsfähigkeit auf dieser Seite ist stark eingeschränkt.

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Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, habe ich mir natürlich um Vieles Sorgen gemacht: Wie bewältige ich meinen Alltag? Kann ich an den Wochenenden noch meine Tochter zu mir holen? Kann ich für sie sorgen?

Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet. Allerdings nicht damit, dass mich das Jobcenter bestrafen würde, weil ich am Tag meines Schlaganfalls meinen Weiterbildungstermin nicht wahrgenommen hatte.

Doch genau das ist passiert.

Mit meiner 80-prozentigen Sanktion bekam ich genau 163 Euro für den ganzen Dezember. Davon muss ich Strom und Essen bezahlen – an den Wochenenden muss ich meine Tochter ernähren. Und dann ist da auch noch Weihnachten.

Wahrscheinlich bin ich kein Einzelfall in Deutschland. Bei Sanktionen sind unsere Jobcenter schnell. Allein im ersten Quartal diesen Jahres belegten deutsche Jobcenter die rund 4,3 Millionen Hartz-IV-Empfänger in Deutschland mit über 315.000 Sanktionen.

Kurz vor Weihnachten hat es jetzt mich erwischt.

Ich muss sparen, damit wir in den Tagen nach Weihnachten auch noch essen können

Meine Tochter ist 12 Jahre alt. Aufgrund ihrer Einschränkung ist sie jedoch auf dem Stand einer Siebenjährigen. Ihre Mutter kann damit nicht umgehen. Sie besucht sie nur selten. Auch Weihnachten werden wir ohne sie feiern.

Meine Kleine wünscht sich zwei Puppen, die kosten jeweils 15 Euro. Leisten kann ich mir das nicht.

Ich werde ihr eine Kleinigkeit kaufen, schließlich ist auch für sie Weihnachten etwas ganz Besonderes. Aber ich muss sparen. Schließlich müssen wir an den Weihnachtstagen und danach auch noch etwas essen.

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Dass meine Tochter ihre Wochenenden bei mir verbringt, interessiert das Jobcenter wenig. Zwei Jahre lang haben sie mir dafür nichts gezahlt. Jetzt – nachdem ich gedroht habe, vor Gericht zu gehen – zahlen sie einen kleinen Zuschuss. Jedoch nur, wenn sie wollen.

Einen Monat lang bekomme ich mehr Geld, dann wieder zwei Monate nicht. Obwohl ich jeden Besuch meiner Tochter dokumentiere und alles rechtzeitig einreiche.

Sogar das Jugendamt hat schon an meine Sachbearbeiterin vom Jobcenter appelliert. Denn laut den Beratern vom Jugendamt muss nach dem Gesetz Kontakt zwischen meiner Tochter und mir bestehen.

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Seit fünf Wochen liegt auch mein Antrag auf Weiterbewilligung beim Amt - unbearbeitet. Wenn sich das Jobcenter nicht bald meldet, bekomme ich ab Neujahr keine Hilfe mehr.

Dann werde vielleicht sogar meine Wohnung verlieren. 

Im neuen Jahr werde ich vor Gericht ziehen

Meine Sachbearbeiterin ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Hätte ich keine Hilfe von dem Verein “Sanktionsfrei” bekommen, könnte ich mir nicht einmal die Fahrkarte leisten, um meine Tochter vor Weihnachten nach Hause zu holen.

“Sanktionsfrei” ist eine Kombination aus digitaler Beratungsstelle, Rechtshilfefonds und Kampagne.

Dort können Menschen wie ich Rechtsbeistand und sonstige Unterstützung beim Umgang mit dem Jobcenter bekommen.

Diesen Monat greift mir “Sanktionsfrei” mit 120 Euro unter die Arme – damit ich meiner Tochter am 24. Dezember ein kleines Weihnachtsfest ermöglichen kann. Außerdem hat mir das Team eine Anwältin zu Verfügung gestellt.

Im neuen Jahr werde ich mit ihr vor Gericht ziehen und gegen meine Sanktionen kämpfen.

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Dieser Beitrag erschien in Zusammenarbeit mit Sanktionsfrei.

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