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20/04/2018 17:27 CEST | Aktualisiert 20/04/2018 17:27 CEST

Ein Großteil der Empörung über muslimischen Antisemitismus ist geheuchelt

Aber wenn wir Muslime Menschenhass nicht bekämpfen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn er auch uns trifft.

shironosov via Getty Images

Man muss nicht besonders viel Intelligenz mitbringen, um zu begreifen, dass ein großer Teil der Empörung über muslimischen Antisemitismus in Deutschland geheuchelt ist.

Dieselben Menschen, die bei rechtsradikalem Antisemitismus und den NSU-Morden schwiegen und schweigen, empören sich nun über antisemitische Muslime.

Natürlich ist es dann auch frustrierend, wenn gleich die gesamte Medienlandschaft mit auf diesen Zug aufspringt.

Was wir uns fragen müssen

Allerdings darf all das nicht das zentrale Thema deutscher Muslime sein. Wir müssen uns stattdessen fragen, warum wir es nicht geschafft haben, den Antisemitismus in unseren eigenen Reihen ausreichend zu unserem eigenen Thema zu machen.

Denn es gibt ihn!

Unsere Jungs und Mädels benutzen das Wort “Jude” viel zu selbstverständlich als Schimpfwort. Ich weiß, die meisten “meinen es nicht so”, aber einige dann eben schon. 

Antisemitismus ist ein Problem unter deutschen Muslimen

Und genauso, wie WIR es nicht akzeptieren können, wenn irgendjemand UNS als “Kanaken”, “Kümmeltürken” oder “Kopftuchmädchen” bezeichnet, dürfen wir jegliche Art von Antisemitismus in diesem Land – in unseren eigenen Reihen und auch außerhalb – nicht akzeptieren.

Ich persönlich reagierte als Kind ja schon empfindlich, wenn meine Lehrerin mich einen “Muselmann” nannte.

Wenn wir deutschen Muslime es nicht hinbekommen, mit derselben Empfindlichkeit und Entschlossenheit auch Antisemitismus zu bekämpfen, dürfen wir uns leider nicht wundern, wenn der Menschenhass irgendwann auch uns mal trifft.

Islam heißt Frieden und Toleranz, natürlich. Aber sowas gehört nicht nur gesagt – sowas muss gelebt werden.

Dieser Text erschien zuerst auf der Facebook-Seite von Emre Yavuz.