POLITIK
05/03/2018 05:45 CET | Aktualisiert 05/03/2018 10:38 CET

Diesel-Talk: Anne Will zerlegt Minister Schmidt – der drückt sich lange vor Antwort

"Wer zahlt das?"

  • CSU-Minister Schmidt versucht in der ARD, trotz drohender Diesel-Fahrverbote die GroKo-Politik zu verteidigen
  • Er scheitert an Moderatorin Will und Grünen-Chefin Göring-Eckardt
  • Die Höhepunkte seht ihr oben im Video

Nicht über die nun endlich dingfeste neue Große Koalition wollte Anne Will reden. Nicht über die für Europa so richtungsweisende Wahl in Italien. Nein, die ARD-Talkmasterin hat sich am Sonntagabend noch einmal des Streitthemas der vergangenen Wochen angenommen: des Diesel-Skandals.

Die Gäste bei “Anne Will”:

► Christian Schmidt (CSU), kommissarischer Verkehrsminister

► Karin Göring-Eckardt, Fraktionschefin der Grünen

► Nico Rosberg, ehemaliger Formel-1-Fahrer und E-Auto-Fan

► Herbert Diess, Vorstandsmitglied bei VW

► Thomas Geisel, SPD-Bürgermeister von Düsseldorf

Bemerkenswert war nicht nur das Thema der Sendung, sondern vor allem das schwache Auftreten Christian Schmidts. Zuletzt hatte sich die Bundesregierung in der Debatte um den Diesel und die drohenden Fahrverbote zumeist mit Allgemeinplätzen und Absichtsbeteuerungen aus der Affäre gezogen.

Dem Landwirtschafts- und kommissarischen Verkehrsminister gelang das nicht.

Will bringt Schmidt von Anfang an in Bedrängnis

Das lag vor allem an Moderatorin Anne Will, die sicht- und hörbar auf Krawall gebürstet war. Als hätte sie vor Sendungsaufzeichnung einen neuen Diesel vor dem Studio geparkt, wütete sie los: “Warum fällt Ihnen nach einer derartigen Ohrfeige aus Leipzig nur ein, das Problem kleinzureden?”

Und weiter: “Warum drücken Sie sich vor der Verantwortung für das Chaos, das Sie aber zu verantworten haben?“

Schmidt deutete das Urteil des Verwaltungsgerichtes, das Fahrverbote ausdrücklich erlaubt hat, kurzerhand um: “Die haben ja gerade sehr, sehr hohe Hürden für Fahrverbote aufgelegt. (...) Ich halte das für eine Bestätigung der Politik, die wir bereits eingeleitet haben.“

Will wollte das nicht stehen lassen. “Ich glaube, da sind sie der Einzige“, griff sie den CSU-Mann an. Der verteidigte sich abermals mit Eigenlob: “Wir haben die Zahl der Städte reduziert, die betroffen sind.“

Schmidt will reden statt handeln

Sogar VW-Vorstandsmitglied Diess zeigte sich einsichtiger: “Wir haben zu spät reagiert. Wir müssen schneller besser werden.“

Das brachte das Thema der Diesel-Nachrüstungen auf die Agenda der Sendung. Und dieses Mal verlor Schmidt vollends den Faden.

“Wir müssen das auch in Deutschland untersuchen, wir tun das auch in wenigen Wochen“, erklärte Schmidt. Dann werde gegebenenfalls auch über Hardware-Nachrüstungen geredet.

ARD
Schmidt wusste irgendwann nicht mehr weiter.

“Weiter reden oder handeln?“, frage Will suggestiv. Und legte nach. Gleichzeitig mit Grünen-Chefin Göring-Eckardt hakte sie nach: “Wer zahlt das?“

Schmidt, der über ”ökonomische Lösungen“ für Fahrzeughalter schwadroniert hatte, sagte “Nein, der (der Fahrzeughalter, d. Red.) zahlt das nicht.“ Kaum hatte Schmidt das gesagt, wollte er das Thema wechseln. Doch Will blieb hartnäckig: “Wer zahlt denn?“

Es wurde die Frage des Abends.

Göring-Eckardt nahm den Faden auf

“Moment mal“, antwortete Schmidt nur und wollte weiterreden. Bei so viel Ungeschick musste auch Göring-Eckardt lachen. “Das ist eine einfache Frage.“

Irgendwann beantwortete der Minister sie tatsächlich – nun ja, fast. “Das wird das Gutachten zeigen“, sagte Schmidt. Seine Grünen-Kontrahentin protestierte: “Nein, das wird nur zeigen, wie es geht. Aber wer zahlt dafür?“

Man könne diese Entscheidung nicht ohne die Autoindustrie treffen, sagte Schmidt und warf VW-Chef Diess einen Blick zu, der nach Hilfe schrie. “Wenn die Automobilindustrie Schmu getrieben hat, dann muss sie da ran.“

Nun waren alle in der Runde aufgebracht. Denn seit Monaten ist klar, wie sehr die Industrie getrickst, gemogelt und betrogen hat.

Irgendwann hatte Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt offenbar beinahe Mitleid mit dem unbeholfenen CSU-Minister. “Herr Schmidt, Sie sind ja gar nicht schuld, es war ja Herr Dobrindt ...”

Schmidt wollte sich auf solche Diskussionen aber gar nicht einlassen: “Wieso suchen wir in Deutschland eigentlich immer nach Schuldigen?”, fragte Schmidt aufgebracht.

Nun war es wieder Will, die ihm sein durchsichtiges Spiel vor Augen führte: “Wir suchen keinen Schuldigen, wir suchen jemanden, der die Verantwortung übernimmt.”

Aus dieser konnte sich die Bundesregierung an diesem Sonntag nicht stehlen.

(sk)