POLITIK
21/01/2019 10:29 CET

"Anne Will": CDU-Politiker verliert Nerven, als Wagenknecht gegen die EU wettert

"Billig populistisch!"

ARD / Screenshot
"Anne Will": CDU-Politiker verliert Nerven, als Wagenknecht gegen die EU wettert
  • Bei “Anne Will” diskutierten die Gäste über den Brexit und seine Folgen.

  • Am Ende der Sendung wurde es laut – Linken-Politikerin Wagenknecht und Christdemokrat Röttgen gerieten aneinander.

Der Brexit-Streit – er hat auch die deutschen Talk-Shows fest im Griff.

So auch “Anne Will” am Sonntagabend in der ARD, wo die Gäste das Thema “Streit um den Brexit – wer kann das Chaos noch verhindern?” diskutierten.

Den Briten droht in zwei Monaten ein ungeregelter EU-Austritt und damit wirtschaftliches und politisches Chaos, das die übrigen Mitgliedsstaaten treffen könnte.

Zu Gast waren unter anderem CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen und die Fraktionschefin der Linken im Bundestag, Sahra Wagenknecht (hier in der ARD-Mediathek zum Nachschauen).

Wagenknecht nahm die Rolle der EU-Kritikerin ein, während Röttgen als leidenschaftlicher Europäer den Staatenbund verteidigte. Das führte vor allem am Ende der “Anne Will”-Sendung zu einem lauten Durcheinander zwischen den beiden.

Da knöpfte sich Wagenknecht die Freizügigkeit vor, die EU-Bürgern erlaubt, in allen Mitgliedsstaaten zu arbeiten.

“Anne Will”: Wagenknecht wettert gegen die EU-Freizügigkeit

“Solange in der westlichen EU die Löhne nicht so weit auseinander lagen, war die Freizügigkeit nie ein Problem”, sagte Wagenknecht bei “Anne Will”.

Nach der Osterweiterung würden aber Unternehmen dieses Recht ausnutzen, um Lohndumping zu betreiben.

“Sie sind also gegen die Freizügigkeit?”, fragte Anne Will die Linken-Politikerin.

“Nur für die Osteuropäer!”, warf zunächst Röttgen ironisch ein, worauf Wagenknecht mit einem harschen “Nein!” reagierte.

Sie sei aber gegen Lohndumping, sagte Wagenknecht – “da empören sich die Leute”, weil sich auch die Arbeitsbedingungen für die einheimischen Arbeitnehmer verschlechterten.

“Im Gesundheitswesen in Großbritannien arbeiten fast nur noch osteuropäische Arbeitnehmer. Ist doch logisch, dass das die Menschen gegen Europa aufbringt”,  betonte Wagenknecht.

“Anne Will”: Wageknecht nennt Röttgen “billig populistisch”

Röttgen rutschte während diesen Aussagen – wie auch einige andere Gäste – nervös auf seinem Sessel herum. Als er zu Wort kam, machte er seinem Ärger Luft.

Die Freizügigkeit bedeute nicht, dass ausbeuterische Unternehmen die Arbeitnehmer in Polen einkassieren. “Es bedeutet die Gleichheit für alle Bürger in der EU, Arbeit zu suchen und zu finden.”

Aus der Sicht der Arbeitnehmer in Osteuropa sei das eine einmalige Möglichkeit gewesen. “Sie haben einen positiven Beitrag zum Land geleistet”, sagte Röttgen bei “Anne Will”.

“Sie machen aus einer Freiheits- eine Ausbeutergeschichte”, empörte er sich über Wagenknecht und verglich ihre Aussagen mit jener der europafeindlichen Ukip-Partei. “Ich finde es bemerkenswert, wie Sie in rechts- oder linkspopulistischer Manier gegen Europa reden.“

“Anne Will”: Chaos wie in Großbritannien

Diesen Angriff ließ Wagenknecht nicht auf sich sitzen und bezeichnete diesen als “billig populistisch.” Es gehe ihr um die EU und nicht um Europa, das seien zwei verschiedene Dinge.

Und weiter: “Es geht um Regeln, die dazu beitragen, dass Menschen gegen Europa aufgebracht werden. Die will ich nicht.“

Dann ging es wild durcheinander, sodass beide nicht mehr zu verstehen waren. Moderatorin Anne Will hatte sichtlich Mühe, wieder Ruhe in das Chaos zu bringen, das jenem in Großbritannien verdächtig ähnelte.

(vw)