POLITIK
10/12/2018 12:30 CET | Aktualisiert 10/12/2018 16:12 CET

"Anne Will": Kubicki wirft AKK Kuschelkurs vor – die zeigt, wie falsch er liegt

"Das ist im höchsten Maße despektierlich!”

  • Zwei Tage nach ihrer Wahl zur neuen CDU-Chefin ist Annegret Kramp-Karrenbauer zu Gast bei Anne Will gewesen.
  • Dabei zeigte die sonst eher ruhige Politikerin klare Kante gegen die Herren der Runde.
  • Im Video oben seht ihr, wie AKK die Kritik von FDP-Vize Kubicki und Publizist Steingart kontert.

Nur eine Woche ist es her, da ist Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) im Rahmen ihres Wahlkampfs um den CDU-Chefposten bei “Anne Will” zu Gast gewesen. Am Sonntagabend durfte sie nun erneut im ARD-Studio Platz nehmen – als frisch gekürte CDU-Parteivorsitzende.

Doch Zeit zum Durchatmen blieb Kramp-Karrenbauer auch diesmal nicht. Gleich zu Beginn konfrontierte Moderatorin Anne Will die neue CDU-Chefin mit dem knappen Ergebnis: “Sie haben nur 35 Stimmen Vorsprung gehabt auf Friedrich Merz. Sind die nicht vor allen Dingen eine echt schwere Bürde, die auf Ihnen lastet?”

Will wies darauf hin, dass eine große Diskrepanz zwischen den Anhängern des Merkel-Kurses und denjenigen die sich statt eines “Weiter so” einen “klaren Strategiewechsel vorgestellt hätten”.

Dies würde doch dokumentieren, “wie gespalten die Partei entgegen aller Einigkeitsbeschwörungen” sehr wohl sei.

Kramp Karrenbauer entgegnete selbstbewusst: “Das pure ‘Weiter so’, das bin ich nicht.” Darüberhinaus seien die beiden Alternativen “de facto nicht da”. Es handle sich dabei lediglich um eine Zuspitzung. Es wird sich zeigen, “die Unterschiede sind geringer als man denkt”, stellte die neue Parteichefin klar.

Die Gäste bei “Anne Will”:

  • Annegret Kram-Karrenbauer: CDU-Parteivorsitzende
  • Martin Schulz: Ex-SPD-Parteivorsitzender
  • Wolfgang Kubicki: FDP-Vize und Bundestagsvizepräsident
  • Christiane Hoffmann: Vize-Leiterin des “Spiegel”-Hauptstadtbüros
  • Gabor Steingart: Ex-Chefredakteur des “Handelsblatts” 

“Merkel für Arme”?

Nachdem die erste Konfrontation abgewendet war, wandte sich die Moderatorin Wolfgang Kubicki zu, dem stellvertretenden FDP-Bundesvorsitzenden. “Mit seinem speziellen Charme” habe Kubicki die neue Parteichefin einst als “Merkel für Arme” bezeichnet.

So wollte Will von dem Bundestagsvizepräsidenten wissen: “Ist sie das vielleicht doch nicht und die Partei hat mit Annegret Kramp-Karrenbauer einen echten Strategiewechsel bekommen?”

Kubicki stellte daraufhin klar, dass er nicht für Merz gewesen sei: 

“Ich habe gesagt: Wenn die Union Wahlen gewinnen will, muss sie Merz wählen. Wenn sie es kuschelig haben will, muss sie Kramp-Karrenbauer wählen. Und sie wollte es kuschelig haben.

Kubicki machte weiter deutlich, dass eine echte Erneuerung der Union nicht stattfinden könne, so lange Angela Merkel noch Bundeskanzlerin ist. Die ist laut Kubicki jetzt mehr damit beschäftigt “ihre weltpolitische Bedeutung” zu unterstreichen”, um “in die Geschichtsbücher einzugehen”.

Kramp-Karrenbauer entgegnete darauf sichtlich genervt:

Wer Angela Merkel kennt, der weiß, dass sie alles tut, aber sicherlich nichts, damit sie irgendwie in die Geschichtsbücher hineinkommt. Wenn ich jemanden kenne, der frei ist von jedweden Eitelkeiten, dann ist das Angela Merkel.”

AKK: “Wir sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung!”

Will fragte Kramp-Karrenbauer später, ob “die Zeit der alten weißen Männer, (...) die glaubten sie könnten die Macht unter sich verteilen”, vorbei sei. “Ist das Prinzip Hinterzimmerabsprache echt erledigt oder haben Sie diese Männer jetzt noch im Nacken?”

Kram-Karrenbauer schmunzelte. Und sagte:

“Bevor irgend eine Legende entsteht: Als ich im Februar Generalsekretärin geworden bin, hat mich niemand vorgeschlagen. Ich hab das selbst Angela Merkel vorgeschlagen. Vielleicht merkt man daran, was sich in der CDU auch geändert hat.”

Die alten Zeiten, in denen den Delegierten im Vorfeld aufgetragen wurde, wer gewählt werden soll, seien vorbei.

Auch Kubicki äußerte sich später dazu, ob AKK nur gewählt worden wäre, weil sie eine Frau sei und so dem alten Image entgegenzuwirken. Er habe die Rede von Kramp-Karrenbauer gehört und diese sei “rhetorisch beachtlich und auch emotional sehr gut vorgetragen” gewesen. “Hätte ich Ihnen so nicht zugetraut.”

Die neue Parteichefin machte allerdings deutlich, dass es mit ihr in Zukunft keinen “Kuschelkurs” geben dürfte. Bei “Anne Will” sagte sie:

“Ich will nur eins hier sagen, ich hab hier eben ein bisschen geschmunzelt. Weil die Art und Weise wie hier eben gesprochen worden ist, das begleitet mich schon mein ganzes Leben lang.”

Schon früher sei sie, weil sie drei kleine Kinder hatte, gefragt worden, was mit diesen passieren soll, wenn sie in die Politik gehen würde. Männern mit Kindern mussten sich dies Frage “nie gefallen lassen”, kritisierte Kramp-Karrenbauer.

Es werde gesprochen, “als ob man als Frau irgendwie eine zu bemitleidende Minderheit in diesem Land wäre” AKK betonte: “Wir sind mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Das will ich an dieser Stelle einmal ganz deutlich sagen!”

AKK: “Im höchsten Maße despektierlich!”

Nachdem Kubicki seine Schelte von der neuen CDU-Chefin abbekommen hatte, schoss sich Kramp-Karrenbauer auf den ehemaligen Chefredakteur des “Handelsblatt” ein. Gabor Steingart bezeichnte das Bruttosozialprodukt Saarlands als “armselig” – das brachte AKK regelrecht in Rage.

AKK: “Also jetzt, Entschuldigung, Herr Steingart. Ich empfinde das als im höchsten Maße despektierlich, den Saarländerinnen und Saarländern gegenüber!”

Steingart: “Ach, Nicht den Saarländern...”

AKK: “Doch den Saarländerinnen und Saarländern gegenüber! Die aus einer Region kommen, die über Jahrzehnte zum Wohlstand Deutschland beigetragen haben. Die in einen harten Strukturwandel gefallen ist, der im übrigen über 15 Jahre (...) nicht so gemanagt worden ist...”

Steingart: “Exakt.”

AKK: ”...und im übrigen nicht von den Vertretern meiner Partei...”

Steingart: “Kann ja sein.”

Als AKK zur genaueren Schilderung ausholte, wollte Steingart sie unterbrechen, doch die Saarländerin ließ sich nicht ins Wort fallen. Sie setzte ihr flammendes Plädoyer für das Saarland fort, zählte all die Anstrengungen bis hin zur “beinharten Sparpolitik” auf, die das Bundesland in der Vergangenheit unternommen hätte.

“Darauf bin ich sehr sehr stolz! Und das lasse ich mir von Ihnen hier, auch im Namen der Saarländerinnen und Saarländer, nicht kaputt reden, egal ob sie Wirtschaftsjournalist sind oder nicht.” 

(mf)