POLITIK
19/08/2018 23:43 CEST | Aktualisiert 20/08/2018 12:01 CEST

"Anne Will": Grüne Baerbock lacht FDP-Mann aus, als er über Klima-Politik redet

Die Grünen-Vorsitzende Annelena Baerbock konnte bei den Ausführungen von Anderas Pinkwart nicht mehr an sich halten.

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Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und der FDP-Politiker Andreas Pinkwart 
  • Bei “Anne Will” geht es am Sonntagabend um die Hitze und die Dürre in Deutschland – und den Klimawandel, der diese mit bedingt.
  • Als der FDP-Politiker Andreas Pinkwart versucht, die Rolle der Politik bei der Bekämpfung des Klimawandels kleinzureden, wird es im Studio wild.  

Es beginnt ernst. 

“Anne Will” ist aus der Sommerpause zurück und das gleich mit einem sehr aktuellen und sehr drängenden Thema: Der Hitze und Dürre in Deutschland – und dem Klimawandel, der diese bedingt und in den kommenden Jahren womöglich noch schlimmer macht. 

Schon früh in der Sendung setzt der renommierte Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber einen düsteren Ton. Er spricht von einem Jahrhundertsommer – nachdem es erst vor 15 Jahren einen gegeben habe. 

Schellnhuber erklärt, dass mit solch extremen Wetterlagen auch in Zukunft zu rechnen sei. “Wir können uns sicher sein: Diese Klimaschwankungen werden immer größer werden”, sagt er. 

Und Schellnhuber warnt, wie groß diese Schwankungen werden könnten. “Wir sind auf einem Kurs von drei bis vier Grad Erderwärmung”, sagt der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung in die Runde.

Er nimmt die deutschen Politiker in die Pflicht: “Wenn ich schwöre, dass ich Schaden vom deutschen Volk abwenden will, dann weiß ich, was zu tun ist.”

Von diesen Politikern sitzen gleich drei bei “Anne Will” in der Sendung: Die Agrarministerin Julia Klöckner (CDU), die zurückhaltend argumentiert, sowie die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock und der FDP-Politiker Andreas Pinkwart, die sich schon nach kurzer Zeit heftig zoffen. 

Solange, bis Baerbock über die Aussagen von Pinkwart nur noch lachen kann. 

Diese Gäste diskutieren bei “Anne Will” den Klimawandel: 

  • Julia Klöckner: Die CDU-Politikerin und Agrarministerin will nicht abschließend sagen, ob der Hitze-Sommer in Deutschland Teil des Klimawandels ist und stellt sich schützend vor die Landwirtschaft.   
  • Annalena Baerbock: Die Grünen-Vorsitzende macht klar den Klimawandel für die Dürre und Hitzewelle verantwortlich – und warnt davor, was in den kommenden Jahren auf Deutschland zukommt.  
  • Hans-Joachim Schellnhuber: Der Klimaforscher warnt davor, dass wir nur die ersten Anzeichen der Veränderungen durch den Klimawandel erleben. Das Schlimmste komme erst noch.  
  • Werner Schwarz: Der Landwirt und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes sieht bei der Landwirtschaft nur eine Teilschuld am Klimawandel – und in ökolologischen Betrieben keine allgemeine Lösung. 
  • Andreas Pinkwart: Der FDP-Politiker sieht den Klimawandel durchaus als Problem, doch die Politik nicht in erster oder alleiniger Verantwortung, diesen zu bekämpfen. 

Grüne Baerbock warnt vor dem Klimawandel – FDP-Mann Pinkwart verheddert sich

Baerbock hält eingangs der ARD-Sendung ein flammendes Plädoyer für den Kampf für Klimaschutz. “Wir haben keine Zeit mehr”, sagt sie nachdrücklich mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft. 

“Wenn Bauern nur gesagt wird: Wachse, oder weiche, ist das kein Prinzip”, sagt Baerbock. “Wir müssen umsteuern, und wir müssen es jetzt tun. Jede Tonne Methan in der Luft, die bleibt da, die können wir nicht zurückholen.” 

Baerbock kritisiert in diesem Zusammenhang die Agrarsubventionen der EU, die klimaschädliche Landwirtschaft fördern würden. Und sie sagt ganz klar: “Beim Kampf für Klimaschutz sind nicht nur die Bauern gefragt, sondern auch die Politik.” 

Etwas, dass der FDP-Politiker Pinkwart komplett anders sieht. Er läuft zur Höchstform auf, als Moderatorin Anne Will einen Einspieler zeigt, in dem aufgelistet wird, wie klimaschädlich der Alltag der Deutschen ist – und wie wenig sich am Konsumverhalten der Bürger ändert. 

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“Muss man den Leuten zum Beispiel das viele Fliegen verbieten?”, fragt Will den Liberalen. 

Der wiegelt sofort ab – und verheddert sich dann in seinen Erklärungen.

“Stellen sie sich doch mal eine alte Rentnerin vor, die zum ersten Mal fliegt. Oder einen Studenten, der nach Amerika will. Sollen wir denen das verbieten?”, fragt Pinkwart. “Während andere es leicht haben, sich die wöchentlichen Flüge nach Mallorca in ihre Villa zu leisten?” 

Der FDP-Mann glaubt nicht, dass Verbote helfen. Und auch nicht, dass teurere Preise helfen. “Ich will das nicht über die Preise regeln”, sagt der NRW-Wirtschaftsminister. Nur um dann davon zu reden, die Preise zu erhöhen, indem man eine CO2-Zulage verlangt. 

Baerbock schaut Pinkwart bei seinen Aussagen lange amüsiert zu – bis sie es nicht mehr aushält.

Baerbock und Pinkwart liefern sich ein chaotisches Wortgefecht

“Wir werden uns den Klimawandel als Gesellschaft irgendwann nicht mehr leisten können”, sagt die Grünen-Chefin. Die jährlichen Klimaschäden in der Landwirtschaft beliefen sich auf Milliardensummen. Bis 2050 seien es laut Experten 800 Milliarden Euro an Schäden. 

“Das können wir gar nicht ausfinanzieren, dass geht nur mit vernünftiger Politik”, sagt Baerbock zu Pinkwart. 

Der FDP-Mann kontert sofort: “Ja, Sie müssen erklären, wie Sie das machen wollen.” 

Bearbock lacht: “Sie wissen doch, wie wir das machen wollen!” 

Pinkwart wird langsam böse: “Ja, der Kohleausstieg zum Beispiel. Da sagen Sie, da können wir ganz schnell raus. Während in Deutschland Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Und dann müssen wir wieder Strom von alten französischen Nuklearkraftwerken ...” 

Bearbock unterbricht ihn, wieder lacht sie: “Ach, kommen Sie doch nicht mit alten Geschichten. Aus der Steinkohle zum Beispiel ...” 

Da grätscht wiederum Pinkwart dazwischen: “Ja, die Steinkohle und die Braunkohle, wenn wir da rauswollen, das diskutieren wir ja in der Kohlekommission der Bundesregierung und da ist die FDP dabei.” 

Baerbock schießt zurück: “Ja, wenn sie von der FDP so tolle Klimaschützer sind, dann ist ja alles gut.”

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So geht es hin und her, bis Anne Will dann irgendwann dem Forscher Schellnhuber noch einmal das Wort erteilt. Auch er sitzt in der Kohlekommission der Bundesregierung, die den Kohleausstieg planen soll. Schellnhuber fragt Pinkwart: “Was würden Sie denn von einer Besteuerung von Kerosin halten?” 

Pinkwart, der erstmal einen Schluck Wasser trinken wollte, sagt aufgebracht: “Ja, aber nur, wenn das in der ganzen EU passiert. Sonst fliegen die Leute auf einmal nur noch ab Maastricht ...” 

Jetzt kann Baerbock nicht mehr. Sie lacht laut los. “Aber die Menschen fahren doch nicht nach Amsterdam, um dann wieder nach Köln zu fliegen ...” 

Pinkwart wehrt sich: “Nein, aber nach Maastricht ...” 

Dann unterbindet Moderatorin Will den Zwist. Früh genug, damit den Zuschauern noch ein Satz des Klimaforschers Schellnhuber im Gedächtnis bleiben kann: 

“Eine Politik, die niemandem etwas zumutet, ist genauso schlecht wie Eltern, die ihren Kindern nie was zumuten.” 

(mf)