POLITIK
10/09/2018 07:52 CEST | Aktualisiert 10/09/2018 10:20 CEST

"Anne Will": Soziologin geht auf Eckart von Hirschhausen los

"Wirklich geschmacklos."

Screenshot ARD
  • Bei “Anne Will” diskutierten die Talk-Gäste über das Thema Organspende.

  • Für Kritik sorgte der Auftritt des TV-Arztes Eckart von Hirschhausen.

Es war eine hitzige Debatte.

Im ARD-Talk “Anne Will” ging es um das Thema Organspende – und die Frage, ob Menschen automatisch Organspender sind, wenn sie dem nicht widersprechen.

Mit einem Vorstoß in diese Richtung hatte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in der vergangenen Woche Diskussionen ausgelöst. 

Spahn sagte seine Teilnahme bei “Anne Will” ab. Dafür nahm etwa SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im Studio Platz. Wie auch TV-Arzt Eckart von Hirschhausen und die Soziologin Alexandra Manzei.

“Anne Will”: Debatte um die doppelte Widerspruchslösung

Die Hintergründe zur Diskussion bei “Anne Will”:

► Bisher gilt das umgekehrte Prinzip, wonach Organentnahmen nur bei ausdrücklich erklärter Zustimmung erlaubt sind. Organspendeausweise, in denen man Ja oder Nein ankreuzen kann, haben laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung inzwischen 36 Prozent der Menschen in Deutschland.

► Viele schieben die Entscheidung jedoch vor sich her. In Deutschland warten laut Gesundheitsministerium mehr als 10.000 Menschen auf Spenderorgane. Die Zahl der Spender erreichte 2017 einen Tiefpunkt von 797. 

► Die Bundesregierung wirbt deswegen für eine doppelte Widerspruchslösung. Das bedeutet, dass automatisch jeder als Spender gilt. Dann soll man dazu aber zu Lebzeiten ausdrücklich Nein sagen können, auch die Angehörigen können einer Entnahme widersprechen.

Ernstes Thema bei “Anne Will”

Ein ernstes Thema also.

Darüber diskutierte Eckart von Hirschhausen bei “Anne Will” nicht nur mit ernsten Bemerkungen.

Der Kabarettist schaltete sich immer wieder mit Witzen in die Debatte ein.

So verglich er die Bereitschaft zur Organspende mit dem Vorsatz an Silvester, im neuen Jahr mehr Sport zu treiben.

Gott mache es nichts aus, ob einer mit einem Organ oder weniger bei ihm erscheine.

Und mit wie vielen Organen ein Mensch verbrenne, beeinträchtige auch das Prozedere im Krematorium nicht. 

Der Soziologin Manzei wurde das zu viel.

“Wirklich geschmacklos”

“Ich verstehe, dass Sie das als Komiker auch ins Lächerliche ziehen müssen”, sagte sie in Richtung Hirschhausens. “Aber den Vergleich mit dem Krematorium finde ich wirklich geschmacklos.”

Screenshot ARD
Soziolgin Manzei.

Hirschhausen versuchte, dazwischenzureden – doch Manzei unterbrach ihn sofort. “Nein, jetzt bin ich dran”, sagte sie. “Lassen Sie mich doch mal ausreden.”

Die Vorstellung, als Hirntoter erst in der Leichenhalle Organe zu spenden, sei völlig falsch. Das geschehe auf dem OP-Tisch im Wachkoma bei schlagendem Herzen.

Hirschhausen nennt Aussagen “Quatsch”

“Tote können keine Organe spenden”, sagte sie. “Die Ängste der Menschen davor muss man ernst nehmen.”

“Quatsch”, entgegnete Hirschhausen.

Auch Anne Will schaltete sich ein – und sagte über Manzeis Aussagen, dass die meisten Wissenschaftler anderer Meinung seien.

Auch SPD-Politiker Lauterbach nannte das eine “Binsenweisheit”. Wer medizinisch als hirntot gelte, sei tot. 

(ame/sk)