WIRTSCHAFT
10/04/2018 23:41 CEST | Aktualisiert 11/04/2018 09:23 CEST

Zuckerberg von US-Kongress gegrillt: Die 6 wichtigsten Erkenntnisse

Auf den Punkt gebracht.

Leah Millis / Reuters
Musste sich unangenehmen Fragen stellen: Facebook-CEO Mark Zuckerberg.

Kreidebleich und mit stockender Stimme: Am Dienstag war Facebook-Chef Mark Zuckerberg anzusehen, wie unangenehm ihm die Situation war. 

Senatoren befragten Zuckerberg im Handelsausschuss des US-Senats zum großen Datenskandal seines Unternehmens: Ein App-Entwickler hat laut Angaben von Facebook die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern unrechtmäßig an die britische Firma Cambridge Analytica weitergeleitet.

Zuckerberg entschuldigte sich abermals für seine Fehler in dem Skandal und stellte sich den Fragen der US-Senatoren.

Die sechs wichtigsten Erkenntnisse aus der Anhörung – auf den Punkt gebracht:

Darum geht es bei dem Datenskandal bei Facebook:

► Das größte soziale Netzwerk der Welt wusste seit Ende 2015 von einer unerlaubten Datenweitergabe an Cambridge Analytica. Das Unternehmen gab sich aber mit der Zusicherung der Firma zufrieden, dass die Daten gelöscht worden seien. 

► Der Skandal ist zudem ein brisantes Politikum: Cambridge Analytica arbeitete 2016 für das Wahlkampfteam des späteren US-Präsidenten Donald Trump.

► Trumps Team hatte gezielt Facebook-Nutzer durch Wahlkampfwerbung angesprochen – auf Basis persönlicher Daten. Unklar ist, wie groß der Einfluss von Cambridge Analytica auf den US-Wahlkampf war – und inwiefern die illegal erhaltenen Daten dabei eine Rolle gespielt haben.

► Für Facebook steht nun sehr viel auf dem Spiel: US-Politiker wollen strengere Regulierungen zum Datenschutz. Das könnte zu Einschränkungen des Geschäftsmodells des sozialen Netzwerks führen. Denn Nutzerdaten sind wertvolle Informationen für andere Unternehmen, um Werbung zu schalten. 

Die sechs wichtigsten Aussagen von Zuckerberg:

1. Facebook hat die Einflussnahme Russlands auf die US-Wahl unterschätzt: Zuckerberg sagte, er bedaure es sehr, dass das Unternehmen die “russische Informationskampagne 2016” zu spät erkannt habe. 

Zuckerberg gab ebenso zu, dass Facebook auf Hass-Beiträge, Bots und Falschnachrichten nicht vorbereitet gewesen sei. Im US-Wahlkampf zirkulierte eine Masse an Fake-News auf Facebook. “Diese Art von neuen Angriffen haben wir unterschätzt”, sagte Zuckerberg.

2. Facebook und die Russland-Affäre: Facebook-Mitarbeiter sind vom Team des Sonderermittlers Robert Mueller befragt wurden, enthüllte Zuckerberg. Mueller leitet die Ermittlung zur Russland-Affäre von Trump. Der Facebook-Chef selbst sei nicht unter den Befragten gewesen.

Welche Rolle Facebook bei mutmaßlichen Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und dem Kreml zukommt, ist damit unklar. Offen ist auch, ob es Vorladungen, also rechtliche Anordnung unter Androhung einer Strafe, von Mueller an Facebook-Mitarbeiter gibt. Zuckerberg war sich bei diesem Punkt nicht sicher.

3. Facebook und Cambridge Analytica: Unklar ist auch, ob Facebook mit der umstrittenen Analyse-Firma während des US-Wahlkampfes zusammengearbeitet hat. Auch diese Frage konnte Zuckerberg nicht sicher beantworten.

Allerdings zeigte sich Zuckerberg selbstkritisch: “Das war ein großer Fehler. Es war mein Fehler.” Seine größte Priorität sei nach wie vor, die Menschen zu vernetzen – und das werde immer wichtiger sein als die Interessen der Werbekunden, “solange ich Facebook führe”, betonte Zuckerberg. 

4. Facebook und die russische Beeinflussung: Eine zentrale Frage ist auch die Rolle des Tech-Giganten bei den Versuchen Moskaus, die US-Wahlen 2016 zu beeinflussen. So soll die russische Internet Research Agency (IRA) soll Millionen politische Anzeigen während des Wahlkampfes geschaltet haben.

Zuckerberg hielt es für möglich, dass sich die Daten von Cambridge Analytica mit denen der IRA überschnitten haben könnten. “Wir glauben, dass es durchaus möglich ist, dass hier eine Verbindung besteht.”

5. Vor Facebook liegt ein weiter Weg: Zuckerberg sperrte sich nicht gegen Regulationen beim Datenschutz. Er sprach allerdings von den “richtigen Regulationen”. Er wolle hierzu auch mit den Gesetzgebern zusammenarbeiten.

Was Werkzeuge zur Beseitigung von Hassmeldungen auf Facebook angeht, sagte Zuckerberg, es werde fünf bis zehn Jahre dauern, bis Algorithmen diese automatisch erkennen und löschen könnten. 

6. Bezahl-Facebook: Während der Anhörung signalisierte Zuckerberg erstmals, dass das Online-Netzwerk eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte.

“Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben”, erklärte der Facebook-Chef auf entsprechende Nachfragen bei einer Anhörung im US-Senat – und deutete mit dieser Wortwahl Alternativen an.

Wie es nun weitergeht:

► Die gesamte Anhörung dauerte fünf Stunden. Am Mittwoch wird sich Zuckerberg einer weiteren Kongress-Anhörung im Abgeordnetenhaus stellen.

► Diverse Detailfragen beantwortete Zuckerberg nicht direkt, sonder versprach, dass “sein Team” nachträglich Kontakt zu den Senatoren aufnehmen werde.

► Mehrere US-Senatoren sagten zudem, sie wünschten sich eine eigene Anhörung rund um Cambridge Analytica.

► Die Fragen während der Anhörung zeigten auch: Nicht nur der Datenskandal macht den US-Senatoren Sorgen, auch das Geschäftsmodell und die Marktmacht von Facebook stehen im Fokus der Gesetzgeber.

► So fragte der republikanische Senator Lindsey Graham Zuckerberg, ob er Facebook in einer Monopol-Stellung sehe – und dieser verneinte. 

Die Zuckerberg-Anhörung auf den Punkt gebracht:

Facebook hat versprochen, seine Geschäftspraktiken – vor allem beim Thema Datenschutz – zu ändern. Unklar ist immer noch, wie genau das aussehen soll.

Deutlich wurde bei der Anhörung allerdings, wie tief Facebook in verschiedenste Skandale verstrickt ist – und wie wenig konkrete Antworten Zuckerberg bisher liefern konnte. 

Mit Material von dpa.

(mf)