LIFESTYLE
17/05/2018 15:46 CEST

Frau erklärt: Das musst du wissen, wenn du jemanden mit Angststörung liebst

In Deutschland leiden an der Krankheit rund zwölf Millionen Menschen.

Antoine Rouleau via Getty Images
Eine Umarmung oder Körperkontakt kann einigen Betroffenen sehr weiterhelfen. (Symbolbild)
  • Eine junge Frau hat für ihren Freund eine Liste, wie er ihr bei einer Panikattacke helfen kann, geschrieben.
  • Diese hat sie jetzt auf Twitter veröffentlicht – und hilft damit tausenden Betroffenen. 

Die Journalistin und Filmproduzentin Kelsey Darragh leidet an Angststörungen. Damit umzugehen ist nicht leicht, nicht nur für sie, sondern auch für ihre Angehörigen und ihren Partner.

Damit ihr Freund ihr durch die Panikattacken helfen kann und weiß, wie er am besten reagiert, hat sie eine Liste geschrieben. Auf Twitter postete sie ein Foto der Aufzählung. 

Bleib ruhig und sei bitte nicht genervt von mir

“Du solltest wissen, dass ich Angst habe, dir aber nicht erklären kann, warum. Also bleib ruhig und sei bitte nicht genervt von mir,” schreibt sie als erstes.

Auch in weiteren Tipps findet sich die Bitte um Verständnis wieder: “Bitte sei nicht frustriert” und “Sei mitfühlend. Du verstehst es vielleicht nicht, aber du verstehst mich.”

► Auch eine lange, lockere Umarmung könne ihr helfen, sich sicher zu fühlen. 

Mehr zum Thema:12 Dinge, die du wissen musst, wenn du einen Menschen mit Depressionen liebst

Neben der gedanklichen Unterstützung gibt Darragh auch praktische Tipps. So würden ihr Atemübungen und kleine Wasserschlucke helfen, genauso, wie ihr gewohntes Umfeld, also ihr Zuhause, und Ablenkung. 

“Erzähl mir ein paar Funfacts über mich, oder Dinge, die mich zum Lachen bringen”, schreibt die Amerikanerin. 

“Wenn die Attacke einmal vorbei ist, sprich mich darauf an und frag mich: ‘Wie geht es dir? Was kann ich nächstes Mal tun, um dir zu helfen?’”.

Der Post hilft nicht nur Darraghs Freund, sondern auch tausenden Twitter-Nutzern

Der Twitter-Post wurde in den letzten Tagen über 7.000 Mal geteilt und bekam mehr als 21.000 Likes. 

Viele Twitter-Nutzer bedankten sich bei der jungen Frau und teilten ihre eigenen Tipps und Erfahrungen unter dem Post. 

Viele erklärten, dass Ablenkung ihnen weiterhelfen würde, wie Twitter-Nutzer Sunbird. Er schlägt vor, dass man Dinge aufzählen solle. Zum Beispiel alles, was im Raum blau ist.

Twitter-Nutzerin CYAN beschreibt, dass ihr auch feste Berührungen helfen würden. “Eine Sache, die mir sehr hilft ist, Bereiche fest zu massieren (wie meine Schultern). Ich konzentriere mich auf den Druck, dass erdet mich sehr.”

Unter Darraghs Followern ist auch eine Therapeutin, die die Liste als Anregung für ihre eigenen Patienten sieht: “Ich habe die Liste gespeichert, um sie meinen Klienten zu zeigen und ermutige sie dazu, ihre eigene zu schreiben.”

Andere Nutzer hingegen teilen die Erfahrungen, die sie mit ihren Partnern gemacht haben und freuen sich, dass die junge Frau so einen liebevollen Freund hat.

Nutzerin Kat schrieb: ” Hast du ein Glück. Ich lag eines nachts auf dem Badezimmerboden, weil die Fliesen dort kühl sind und schrieb meinem Freund er solle mich anrufen und mit mir sprechen. Er ignorierte mich. […] dann sagte er mir, er brauche Zeit, während ich dort lag und ‘starb’.”

Angststörungen sind laut der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde die häufigste psychische Erkrankung. In Deutschland leiden daran rund zwölf Millionen Menschen. 

Mehr zum Thema: Volkskrankheit Depression: Mit einer einfachen App wollen deutsche Forscher Betroffenen helfen

Die Erkrankung lässt sich nach Expertenmeinung jedoch gut mit den verschiedensten Methoden behandeln. Unbehandelt können sie jedoch chronisch werden und zum Beispiel in eine Depression übergehen. Deswegen raten Experten Betroffenen und Angehörigen dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. 

Familienmitglieder könnten die Überwindung von Angsterkrankungen entscheidend unterstützen, indem sie die Betroffenen ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, erklärt die Klink und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn auf ihrer Website. 

(kap)