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16/07/2018 11:32 CEST | Aktualisiert 16/07/2018 11:44 CEST

Angebliches Verhör von WM-Flitzern: Polizist entsetzt mit Stalin-Vergleich

"Manchmal bedauere ich es, dass wir nicht das Jahr 37 haben."

Maxim Shemetov / Reuters
Eine Aktivistin, die während des Finales das Spielfeld stürmte, wird festgenommen.
  • Während des Finalspiels der Fußball-WM hat die russische Polizei vier Flitzer festgenommen.
  • Nun sorgt ein Video, das angeblich ein Polizeiverhör mit den Aktivisten zeigt, für Empörung.

Die Fußball-Weltmeisterschaft war ein Erfolg für Wladimir Putin und den Kreml: Der Fußball-Weltverband FIFA hatte das Turnier als die beste WM aller Zeiten bezeichnet.

Doch während des Finalspiels zwischen Frankreich und Kroatien haben es die Aktivisten der Punk-Gruppe Pussy Riot offenbar geschafft, mit einer spektakulären Protestaktion auf die Unterdrückung in Putins Russland aufmerksam zu machen.

Mehr zum Thema: Pussy Riot stürmt Platz beim WM-Finale – diese Bilder zeigte das ZDF nicht

WM in Russland: Vier Aktivisten flitzen übers Spielfeld und werden festgenommen

Vier als russische Polizisten verkleidete Aktivisten rannten am Sonntagabend in der zweiten Halbzeit des Endspiels zwischen Frankreich und Kroatien (4:2) auf das Spielfeld und sorgten damit für eine kurze Unterbrechung. 

Pussy Riot ließ wenig später über Facebook verlauten, die Aktivisten gehörten zu der kremlkritischen Gruppe. Die Aktion verknüpften sie mit politischen Forderungen nach mehr politischem Wettbewerb und der Freilassung politischer Gefangener.

Die Moskauer Behörden hielten sich weitgehend bedeckt zu dem Fall. Das Innenministerium bestätigte Agenturen zufolge die Festnahme von drei Frauen und einem Mann.

Später teilte die Polizei mit, sie hätten Verwaltungsstrafen von bis zu 200.000 Rubel (etwa 2700 Euro) oder 160 Stunden gemeinnütziger Arbeit für die Flitzer beantragt.

Verhörer: “Manchmal bedauere ich es, dass wir nicht das Jahr 37 haben”

Doch nun sorgt ein Video, das angeblich ein Polizeiverhör mit den Aktivisten zeigt, für Empörung.

In den Aufnahmen, die derzeit in den sozialen Netzwerken verbreitet werden, ist zu sehen wie eine Frau und ein Mann von einem Polizisten beschimpft werden. 

Das Video war nicht unabhängig zu verifizieren.

Dem regierungskritischen Portal “meduza.io” zufolge fragte darin ein Verhörer, der nicht zu sehen war, wo die beiden die Uniformen her hätten. “Gemietet”, antwortete einer der Festgenommenen. Der Verhörer sagte verärgert: “Gemietet? Manchmal bedauere ich es, dass wir nicht das Jahr 37 haben. Manchmal bedauere ich es einfach.”

Viele Internet-Nutzer reagierten empört und entsetzt auf die Äußerungen des Verhörers in den Aufnahmen.

Denn: 1937 war die Zeit des sogenannten Großen Terrors unter Sowjetdiktator Josef Stalin. Die Phase war geprägt von Massenfestnahmen und Deportationen. Hunderttausende Menschen waren betroffen. Viele wurden erschossen oder kamen in Arbeitslager.

(ll)