POLITIK
22/08/2018 07:11 CEST

Andrea Nahles verteidigt nach Kritik ihre Forderung für Türkei-Hilfen

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OMER MESSINGER via Getty Images

► Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hat ihren Vorstoß verteidigt, der in Bedrängnis geratenen Türkei notfalls zu helfen.

► “Die Wirtschafts- und Finanzkrise in der Türkei ist durch die US-Sanktionen erheblich verschärft worden und kann zur echten Bedrohung werden”, sagte Nahles der “Passauer Neuen Presse” vom Mittwoch. “Das kann uns in Deutschland nicht egal sein.”

► Diskussion um mögliche finanzielle Hilfen für das Land sagte Nahles: “Davon habe ich nicht gesprochen, hier ist es offenbar in den Köpfen mancher zu freien Assoziation gekommen.”

Warum Nahles’ Verteidigung wichtig ist: 

Nahles hatte kürzlich gesagt: “Die Türkei ist ein Nato-Partner, der uns nicht egal sein kann. Es ist in unser aller Interesse, dass die Türkei wirtschaftlich stabil bleibt und die Währungsturbulenzen eingedämmt werden.”

Die Bundesregierung reagierte sehr zurückhaltend auf die Überlegungen von Nahles. Die Opposition kritisierte den Vorstoß scharf: Der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Bijan Djir-Sarai, schrieb auf Twitter: “Die SPD hat endgültig den Bezug zur Realität verloren. Erdogan ist alleine verantwortlich für die jetzige Lage.”

Die Türkei befindet sich in einer schweren Währungskrise. Eine Auseinandersetzung mit den USA um den 2016 festgenommenen Pastor Andrew Brunson und damit zusammenhängende Sanktionen hat die Situation verschärft.

Was die Deutschen über Finanzhilfen für die Türkei denken: 

Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger (71 Prozent) lehnen einer Umfrage zufolge eine finanzielle Unterstützung der wirtschaftlich angeschlagenen Türkei ab – selbst wenn die türkische Regierung dafür Zugeständnisse machte. Nur 22 Prozent der Befragten unterstützen demnach Nahles in ihrer Forderung, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der “Welt” ergab. Sieben Prozent waren unentschlossen.

Die Ablehnung zieht sich dabei quer durch die Parteien. Lediglich unter den Anhängern der SPD findet sich mit 46 Prozent Befürwortern und 42 Prozent Gegnern eine knappe Mehrheit für Finanzhilfen.

Ein klares Nein überwiegt dagegen bei Anhängern der Grünen (53 Prozent), Linken (67 Prozent), Union (69 Prozent), FDP (80 Prozent) und AfD (94 Prozent).

Mit Material der dpa.