LIFE
20/09/2018 17:11 CEST | Aktualisiert 21/09/2018 08:40 CEST

Es passiert an jeder Supermarkt-Kasse: Phänomen zeigt, wie wir Deutschen ticken

Der Warentrenner ist der beste Freund des Deutschen.

Im Video oben seht ihr in einer Reportage, was im Supermarkt erlaubt ist und was ihr lieber lassen solltet.

 “Auch wenn kein Verkehr ist, bleiben die Deutschen um zwei Uhr morgens an einer roten Ampel stehen.” Das Ampel-Klischee beschreibt angeblich besonders gut wie wir Deutschen ticken. 

Ähnlich aussagekräftig soll das Weiße-Socken-Klischee sein. Das besagt, dass wir Deutschen modisch verwahrlost genug sind, um weiße Socken in Sandalen zu tragen.

Hinzu kommt das Handtuch-Klischee: Demnach sind wir Deutschen egoistisch genug, um uns Liegen am Pool schon früh morgens mit einem Handtuch zu sichern. Um dann in Ruhe frühstücken zu können.

Ricky John Molloy via Getty Images
An der Supermarktkasse kann es ohne Warentrenner zu Missverständnissen kommen.

 Ich erspare euch die restlichen angeblichen Wahrheiten über die Deutschen... 

Denn wenn ihr wirklich wissen wollt, wie eure Mitbürger im tiefsten Inneren gebaut sind, dann müsst ihr einfach in den Supermarkt gehen. Genauer: An eine Supermarktkasse. 

Der Warentrenner verkörpert Heimat

Es gibt keinen anderen Ort, an dem man so tief in die Deutsche Seele blicken kann. Abgrundtief tief. Vielleicht tiefer als einem lieb ist. 

Wenn Horst Kartoffeln und Würste aufs Band legt, aber die Frau mit Kurzhaarschnitt vor ihm nicht vom Warentrenner Gebrauch machen will, dann bricht die Welt für ihn zusammen. Es muss schließlich klare Grenzen geben.

Die Deutschen und der Warentrenner – es ist eine wirklich eigenwillige Liebe.

Dieser Klotz – in der Mitte etwas abgegriffen und vom Talg der vielen Hände dunkel gefärbt – verkörpert genau das, was Deutsche vergöttern: Ordnung, Grenzen, Disziplin, Privatsphäre, Eigentum; ach eigentlich alles. 

Was der Warentrenner im Kleinen ist, ist der Gartenzaun im Großen und die gesicherte Landesgrenze im noch Größeren. Gerade in unsicheren Zeiten gibt der Warentrenner Halt. Er verkörpert Heimat, selbst beim Kauf von Kaffee und Weißbrot. 

Eben weil der Trenner eine Art verlängerter Arm des Seelenzustandes der Deutschen ist, muss er penibel genutzt werden. 

Ich habe es selbst getestet. 

Ohne Warentrenner droht Chaos 

Der Versuchsaufbau meines Experiments: Etwas mehr Abstand zwischen meinen Waren und denen meines Vorgängers lassen. Aber eben keinen Trenner einsetzen. Das Ergebnis war eindeutig. 

Eine Frau, die hinter mir an der Kasse stand, bemerkte sofort, dass ich den Warentrenner nicht aufs Band legte. Zunächst tippelte sie wild umher, dann schnappte sie nach dem Trenner und warf ihn hinter meine Einkäufe.

 

Die Deutschen und ihr Warentrenner...

Wie eine Studie des Instituts “MyMarktForschung” 2016 ermittelte, ist die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass der Warentrenner hinter die Einkäufe gehört und jeder selbst verantwortlich ist, den Stab dorthin zu legen.

Hingegen ist jeder achte Deutsche der Ansicht, dass jeder den Warentrenner vor die eigenen Einkäufe legen sollte.

Einem Fünftel – ich gehöre auch dazu – ist es schlichtweg egal, ob der Warenstab benutzt wird oder nicht. 

 

Nächster Test.

Diesmal schaltete sich sogar ein Kunde ein, der weit hinter mir stand. Ein Mann - fünf Kunden nach mir in der Schlange - kam auf mich zu und platzierte Trenner vor und hinter meinen Waren.

Sonderbar: Denn seine eigenen Waren lagen noch nicht mal auf dem Band. 

Ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.

Für mich war nach diesem Experiment klar: Für die meisten Menschen gehört der Trenner zum Einkauf wie das Amen in der Kirche. Ohne ihn herrscht Chaos. Die Zivilisation gerät in Gefahr.

Also wenn euch ein Besuch aus dem Ausland das nächste Mal fragt, wo er die Deutschen wirklich kennen lernen kann, dann schickt ihn in den Supermarkt. 

(kiru/ben)