POLITIK
13/07/2018 18:25 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 21:45 CEST

Nach AfD-Boykott der ARD: Warum die Partei häufiger in Talkshows sitzen sollte

Die HuffPost-These.

Hannibal Hanschke / Reuters
Talkshow-Sünder in Deutschland: die AfD-Führungskräfte Alice Weidel und Alexander Gauland.

Am 7. September des vergangen Jahres steht der AfD-Rechtsaußen André Poggenburg in einem Fernsehstudio in Berlin und blamiert sich und seine Partei. 

Es ist kurz vor der Bundestagswahl, die AfD-Politikerin Alice Weidel hat vor wenigen Tagen gespielt wutentbrannt ein “Illner”-Spezial zur Wahl verlassen – und nun bittet die Moderatorin eben Poggenburg in ihrer Sendung “Illner intensiv”, um die Rentenpläne der Alternative für Deutschland darzulegen. 

Aber das kann Poggenburg nicht. Die AfD hat nämlich gar kein Rentenkonzept, das der Rechtspopulist vorstellen könnte. Also meckert er, dass Deutschland zu viel Geld für Flüchtlinge ausgibt – und wird abgewürgt. 

Es ist ein peinlicher Auftritt. Einer, an denen es in Deutschland leider mangelt. 

Denn die Talkshow-Politik gegenüber der AfD scheint in der Bundesrepublik mittlerweile nur zwei Möglichkeiten zu kennen: 

1. Die AfD immer nur dann einladen, wenn es um den Themenkomplex Flüchtlinge und Asyl geht. 

2. Die AfD einfach gar nicht einladen. 

Beide Herangehensweisen sind falsch. 

Wer die AfD nicht konfrontiert, macht sie stärker 

Der AfD wurde es seit der Bundestagswahl erlaubt, sich als monothematische Partei im deutschen Politikbetrieb zu etablieren. Die Rechtspopulisten megaphonen durch das gesamte Land, dass sie die Bundeskanzlerin Angela Merkel und Flüchtlinge hassen. 

► Es ist eine Kakophonie, die durch Talkshows weder unverhältnismäßig verstärkt, noch ignoriert werden darf. 

Zuletzt etwa hatte die ARD davon abgesehen, AfD-Vertreter in seine politischen Talkshows zum Asylstreit in der Union einzuladen. Im Gespräch mit dem “Nordkurier” sagte Bernhard Möllmann von der ARD-Programmdirektion zu der Entscheidung: 

“In den drei Talkshows der ARD ging es nicht primär um die Asylpolitik, sondern um den Streit der Unionsparteien. Ein Vertreter der AfD hätte dazu nichts Wesentliches beitragen können.“

Das hätte dann aber auch für Oppositionspolitiker anderer Parteien – etwa Grünen-Chef Robert Habeck oder FDP-Vize Wolfgang Kubicki – für die entsprechenden Sendungen gelten müssen. Das tat es jedoch nicht.

Die ARD wollte hier die Konfrontation mit den Rechtspopulisten vermeiden – nachdem die Öffentlich-Rechtlichen der AfD in den vergangenen Monaten Tür und Tor geöffnet hatten. 

Nicht nur, indem sie immer wieder zur Hetze neigende Politiker wie Beatrix von Storch oder Alexander Gauland einluden, sondern auch, indem sie dem AfD-Kernthema einen extrem großen Raum gaben

Mehr zum Thema: “Die AfD spielt anders” – “Hart aber fair”-Moderator Plasberg über den schwierigen Umgang mit Gauland

In den Jahren 2015 und 2016 waren die Themen Flüchtlinge und Integration laut einer Auswertung der “Zeit” von 900 Talk-Sendungen das vollkommen überpräsentierte Thema im öffentlichen Rundfunk. 

Niemand ist so wirksam gegen die AfD wie die AfD selbst

Mittlerweile ist diese Themendominanz laut der “Zeit” vorbei – das ist ein guter Schritt in eine facettenreichere politische Debatte in der Talkshow-Republik. 

Wenn, ja wenn sich ARD und ZDF endlich trauen, die AfD auch mal bei den vielen weiteren wichtigen Themen jenseits der Asylpolitik einzuladen.

Wenn die Öffentlich-Rechtlichen ihren Beitrag dazu leisten würden, dass sich AfD-Vertreter als das verantworten müssen, was sie vorgeben zu sein – nämlich als Politiker, und nicht Populisten. 

Die Rechten würden sich so schnell als amateurhaft entlarven. Oder als genauso bürokratieverwegen wie der Rest der Parteienlandschaft.  

► Dann etwa, wenn es um die Wohnungsnot in Deutschland geht. 

► Wenn darüber diskutiert wird, wie dieses Land endlich die Digitalisierung meistern kann. 

► Und dann, wenn es um die Bekämpfung von Altersarmut und die Rente geht. 

Gerade hier würde es sich lohnen, einen Gast von der AfD in einer Sendung zu begrüßen. Denn: Die Partei hat noch immer kein Rentenkonzept. 

Vielleicht hat Andre Poggenburg ja Zeit. 

(ll)