ELTERN
03/05/2018 17:00 CEST | Aktualisiert 03/05/2018 17:43 CEST

Liebe Mütter, wie ihr eure Kinder im Netz präsentiert, ekelt mich an

Lasst es endlich sein!

Shangarey via Getty Images
Eure Babys finden Instagram-Posts nicht so geil wie ihr. Wetten? 

Liebe Mütter, 

oder soll ich Mommy-Blogger sagen? 

So nennt ihr euch schließlich gerne, wenn ihr das Leben eurer Kinder im Internet ausbreitet. Ihr schreibt, was eure Kinder täglich essen, worin sie schlafen und auf welchem trendy Spielzeug sie gerade herumbeißen. 

Ich gebe zu: Einige Mommy-Blogs sind so unterhaltsam geschrieben, dass sogar ich sie gerne lese – obwohl ich keine Kinder habe. 

Viele Mütter holen sich Tipps von euch, fragen euch um Rat, sind froh, dass sie nicht alleine mit ihren Sorgen sind. Kurz: Sie vertrauen euch.

Das ist etwas Gutes. Es kann aber auch gefährlich werden.  

Dann nämlich, wenn ihr dieses Vertrauen missbraucht. Und zwar für Geld. 

In Wahrheit ist euch die Windel doch egal

Denn, seien wir doch mal ehrlich, liebe Mommy-Blogger. Den meisten von euch geht es nicht darum, euren Leserinnen Tipps für den besten veganen-Soja-laktosefreien Babybrei zu geben.

Kaum etwas könnte euch egaler sein, als die Durchlässigkeit einer Windel – von einem fremden Baby! Oder aus welchen Hipster-Fläschchen die Kleinen ihre Milch nuckeln. 

Denn eigentlich wollt ihr gar keine Mommy-Blogger sein. Ihr wollt Influencer sein. Produkte auf Instagram vermarkten und damit Geld verdienen. 

Wäre es allein das, es wäre noch nachvollziehbar. Instagram-Influencer sind zwar nerviger, überflüssiger und ekelhafter als jedes Silberfischchen. Aber wenn ihr gerne auch privat mit Hornhautraspeln, billiger Kosmetik oder vollgeschissenen Luxus-Windeln in Verbindung gebracht werden wollt: Mein Gott, warum nicht. 

Mehr zum Thema: Ein Tag beim Influencer-Seminar hat mir gezeigt: Um unsere Welt steht es schlimmer als gedacht 

Wenn ihr gerne euer eigenes Gesicht für irgendeinen oft überteuerten und unnützen Kram herhalten wollt, tut es, liebe Mommy-Blogger. Aber haltet eure Babys da raus!

Geschmackloser geht es nicht mehr 

Denn ja, ein Großteil von euch Pseudo-Vorzeige-“Ich-füttere-mein-Baby-nur-mit-selbstzerstampftem-Bio-Karöttchen-Dinkel-Brei”-Mommys tut genau das: Ihr benutzt eure Babys. Für Produkte. 

Etwas noch Geschmackloseres, als euren Babys eine Designer-Uhr um den Fuß zu binden, ist euch wohl nicht eingefallen? 

Mir fällt jedenfalls nichts ein.

Willst du deinen Nachwuchs zum Straftäter heranziehen und daher schon mal an zukünftige Fußfesseln gewöhnen, liebe Blogger-Mommy? 

Sogar wenn du dein Baby wie ein Schoßhündchen in einer Louis-Vuitton-Tasche bei dir tragen würdest, hätte es mehr davon als von dieser Fuß-Uhr.

Oder, äh...in einem Jute-Turnbeutel. 

A post shared by A M A N D A (@where.sharks.kiss) on

Tja, Babys sind schon was Tolles. So klein und wehrlos und den Krallen ihrer Influencer-Mommys hilflos ausgeliefert.

Ein noch peinlicheres Transportmittel für ein Baby als einen Hipster-Jute-Turnbeutel gibt es vermutlich nicht. Ok, außer vielleicht ein Kleinkind-großes Überraschungsei. Aber wer würde auf so eine Idee ... oh. 

A post shared by Tini (@t_i_n_i_bambini) on

Das Gesicht des kleinen Kerls sagt alles: “Was zur Hölle wollt ihr von mir?!” 

Aber, nun ja, es geht doch nichts über ehrgeizige Momfluencer, die ihren Nachwuchs zu allem zwingen. 

Dein Baby hat keine Lust, Baby-Influencer zu spielen? Mach dir nichts draus, Mommy. DU bist die Mommy, DU hast das Sagen. 

(Und dein Baby würde dich, wenn es könnte, mit diesem Löffel erschlagen...)

A post shared by Tini (@t_i_n_i_bambini) on

... Wäre es nicht zu beschäftigt damit, für dich zu modeln. Beziehungsweise in einem Meer aus “Meilenstein-Karten” zu versinken. Weißt du, was mal ein richtiger Meilenstein wäre, liebe Mommy? 

Wenn du dein Baby wie ein Baby und nicht wie einen Kartentisch behandeln würdest. 

A post shared by Tini (@t_i_n_i_bambini) on

Postet eure Brüste in Still-BHs – aber nicht eure Babys 

Versteht es endlich, ihr aufmerksamkeitsgeilen, gewissenlosen Mommy-Blogger, die nicht merken, dass sie für Geld ihre Kinder verkaufen: Eure Babys sind nicht eure Accessoires.

Postet eure Designer-Taschen, postet euer selbstgebackenes Ingwer-Honig-Entschlackungsbrot, postet meinetwegen eure Brüste und werbt für Still-BHs. 

Aber benutzt eure Babys nicht für eure Zwecke. 

Es sind Menschen wie ihr. Kleine Menschen, die irgendwann zu großen Menschen werden. Und dann, darauf könnt ihr wetten, nicht stolz auf das sein werden, was ihre Blogger-Mommys mit ihnen gemacht haben.

Damals, als sie Babys waren und sich noch nicht wehren konnten. 

(mf)