POLITIK
10/06/2018 08:19 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 10:08 CEST

"America Worst": So reagiert die Welt auf Trumps G7-Eklat

Auf den Punkt.

Im Video oben seht ihr, wie die G7-Staaten auf Trumps Rückzieher von der Abschlusserklärung reagieren.

US-Präsident Donald Trump sprengt die Abschlusserklärung des G7-Gipfels – mit einem Tweet. Grund sind offenbar Äußerungen von Kanadas Premierminister Justin Trudeau auf der Pressekonferenz am Samstag.

Trudeau sagte, die US-Strafzölle gegen die EU und Kanada seien “etwas beleidigend”. Im Flugzeug zum Nordkorea-Gipfel in Singapur sitzend schrieb Trump daraufhin:

“Basierend auf den falschen Aussagen von Justin (Trudeau)” und den Zöllen Kanadas auf Agrarprodukte habe er die US-Unterhändler angewiesen, “die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen, und wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten”.

 
Donald J. Trump
 
@realDonaldTrump
 
 

Based on Justin’s false statements at his news conference, and the fact that Canada is charging massive Tariffs to our U.S. farmers, workers and companies, I have instructed our U.S. Reps not to endorse the Communique as we look at Tariffs on automobiles flooding the U.S. Market!

 

Darum ist Trumps Tweet wichtig:

Es ist ein beispielloser Eklat: Noch nie endete ein G7-Gipfel ohne gemeinsame Abschlusserklärung. 

 

Trotz aller Differenzen beim Thema Handel schien es, dass sich die G7-Staaten – Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA – auf eine gemeinsame Erklärung einigen könnten. Nun sprengt Trump diese nachträglich. 

Wie die anderen Staaten reagierten:

► Die EU zeigte sich unbeirrt. “Wir halten an dem Kommuniqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde”, sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht zu Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

► Auch die Bundesregierung steht zur Abschlusserklärung. Das sagte ein Regierungssprecher nach Ankunft der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagmorgen in Berlin.

► Der Élysée-Palast veröffentlichte am Sonntag eine Erklärung: “Internationale Zusammenarbeit sollte nicht von Wutausbrüchen oder abfälligen Bemerkungen abhängen.” Auch Paris halte sich an die Abschlusserklärung.

► Das Büro von Trudeau weist Trumps Anschuldigungen von sich. “Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat - sowohl öffentlich, als auch in privaten Konversationen mit dem Präsidenten”, hieß es am Samstagabend in einer Mitteilung.

► Der republikanische US-Senator John McCain rügte Trumps nachträglichen Ausstieg: “An unsere Verbündeten: die parteiübergreifende Mehrheit der Amerikaner bleibt für freien Handel, für Globalisierung & unterstützt Bündnisse, die auf 70 Jahre lang gemeinsam geteilten Werten basieren”, schrieb er auf Twitter. 

John McCain
 
@SenJohnMcCain
 
 

To our allies: bipartisan majorities of Americans remain pro-free trade, pro-globalization & supportive of alliances based on 70 years of shared values. Americans stand with you, even if our president doesn’t.

 
 

 

 

 

 
 

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Vom Flugzeug aus sprengt US-Präsident Donald Trump alle Hoffnungen: In einem Tweet macht er am Samstag seine Zustimmung zur Abschlussklärung des G7-Gipfels rückgängig. 

Lange hatten die G7-Staaten – neben den USA sind das Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan und Kanada – um einen Kompromiss gerungen.

Schon vorab war befürchtet worden, dass es dieses Mal keine gemeinsame Erklärung am Ende geben könnte. Zu weit liegen die Positionen der USA und der anderen sechs Staaten beim Thema Handel auseinander.

Doch nun ist es genau so gekommen: Die G7-Staaten zerfallen in eine G6 und die USA unter Donald Trump. Wie die Politik und die Presse darauf reagiert – auf den Punkt gebracht.

So kam es zum Eklat: 

► Am Samstagabend konnten die G7-Staaten etwas überraschend eine Abschlusserklärung präsentieren: Sie bekannten sich allgemein zum Kampf gegen den Protektionismus, im Streit über die Strafzölle der USA gab es jedoch keine Annäherung.

Gastgeber Justin Trudeau, Kanadas Premier, trat dann vor die Presse und wertete das Ergebnis als Erfolg. Er gestand aber ein, dass es tiefgreifende Differenzen mit den USA gebe.

Einige Sätze von Trudeau aber lösten Trumps Zorn aus. Der Premier sagte, die US-Strafzölle gegen die EU und Kanada, seien “etwas beleidigend”. Kanada werde seinerseits die USA mit höheren Zöllen belegen.

Trump saß dabei bereits im Flieger zum Nordkorea-Gipfel in Singapur. Bei seiner Abreise hatte er den Gipfel noch als “sehr erfolgreich” gepriesen.

► Wenig später twitterte er dann und warf Trudeau vor, falsche Aussagen gemacht zu haben. Trump habe daher die “US-Unterhändler angewiesen, die Abschlusserklärung nicht zu unterstützen, und wir werden uns Zölle auf Autos anschauen, die den US-Markt fluten”.

In einem weiteren Tweet beschimpfte Trump den Kanadier als “sehr unehrlich und schwach”. Auf dem Gipfel sei Trudeau zurückhaltend aufgetreten, nur um dann die US-Zölle als “etwas beleidigend” zu bezeichnen.

So reagierten die anderen G7-Staaten: 

► Nach diesem überraschenden Trump-Tweet teilte das Büro von Trudeau mit: “Der Premierminister hat nichts gesagt, was er nicht bereits zuvor gesagt hat – sowohl öffentlich, als auch in privaten Konversationen mit dem Präsidenten.” Kanada werde sich darauf konzentrieren, was beim G7-Gipfel erreicht wurde.

Die EU zeigte sich schon in der Nacht zum Sonntag unbeirrt: “Wir halten an dem Kommuniqué fest, so wie es von allen Teilnehmern vereinbart wurde”, sagte ein Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk in der Nacht zu Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

► Auch die Bundesregierung steht zu der Erklärung. Das sagte ein Regierungssprecher nach der Ankunft von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagmorgen in Berlin.

So kommentieren die Medien den Eklat:

ARD-Journalistin Tina Hassel sprach auf Twitter von “Irrsinn”. 

“Welt”-Chefreporter Ansgar Graw kommentierte bissig mit zwei Worten: “America worst”.

Der “Financial Times”-Journalist Lionel Barber sieht bereits das Ende der transatlantischen Beziehung gekommen. Statt “G6+1″, schreibt er auf Twitter, sei es nun “G6+0”.

► Spiegel Online spricht vom “historischen Debakel von La Malbaie” und schreibt: “Trump hört nur noch auf einen Ratgeber: den eigenen Bauch.”

Dass der US-Präsident erst zu spät zum Gipfel kam und dann früher abreiste als die anderen Staatschefs, zeigt für das Online-Portal “sein Desinteresse und seine Verachtung für die Verbündeten”.

Die meisten Beobachter glaubten, dass Trump seine Ankündigung, Autoimporte mit zusätzlichen Zöllen zu belegen, wahrmachen werde. Der Schritt würde die deutsche Wirtschaft schwer treffen.

Der britische “Guardian” kommentiert: “Selbst für einen launenhaften Präsidenten wie Donald Trump ist diese Aktion eine neue Verwischung der Grenze zwischen seinen persönlichen Gefühlen und der Politik der US-Regierung.”

Trumps Tweet sei vor allem auch ein Schlag für Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Merkel. Beide glaubten bereits, “sie hätten einen Deal zur Beseitigung der Spannungen im Handel zwischen den USA und Europa vermittelt”.

Der US-Sender CNN weist daraufhin: “Ein Jahr nach Amtsantritt ist nun klar, dass die Bemühungen ausländischer Staatschefs, den unberechenbaren US-Präsidenten zu zähmen, gescheitert sind.” 

Auf den Punkt gebracht:

Der G7-Gipfel endete im Eklat. Ein schockierende Tweet von Trump ließ die Abschlusserklärung platzen – doch überraschend ist dieses Ergebnis eigentlich nicht.