POLITIK
17/07/2018 15:03 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 15:12 CEST

Trump trifft Putin: Am Montag hat Russland den neuen Kalten Krieg gewonnen

Die HuffPost-These.

Mikhail Svetlov via Getty Images
Trump und Putin in Helsinki: Der eine hatte gut lachen. 

Machen wir uns nichts vor, es gibt ihn: den neuen “Kalten Krieg”. Und der Westen ist gerade dabei, ihn zu verlieren.

Im Kern geht es beim Kalten Krieg des 21. Jahrhunderts um die Auseinandersetzung zwischen zwei Zukunftsentwürfen.

► Auf der einen Seite steht das mittlerweile arg lädierte Modell der freiheitlichen Demokratie, so wie es in der EU existiert.

► Auf der anderen Seite stehen autoritäre Gesellschaftsmodelle: So wie Russlands kleptokratischer Staat, in dem die Bürger mit dem Feuerwasser des Nationalismus abgefüllt werden, damit sich eine kleine Clique um den Patron Wladimir Putin nach Herzenslust bereichern kann.

Die Populisten und ihre Helfer

Kalte Kriege werden nicht durch Waffengewalt gewonnen. Ende der 1980er-Jahre schallte der Lockruf des Kapitalismus immer stärker durch den zusehends verarmenden Osten. Heute ist es die Kraft der einfachen Lösungen, die Millionen von Menschen im Westen dazu bringt, ihre Freiheit aufzugeben.

Deshalb haben die US-Bürger sich einen faschistoid auftretenden Kandidaten wie Donald Trump zu ihrem Präsidenten gewählt. Ein Immobilien-Milliardär, der versprochen hatte, gegen das Establishment zu kämpfen.

► Und Putin hat dafür gesorgt, dass es soweit kommt: An der russischen Einmischung in die amerikanische Präsidentenwahl im Jahr 2016 besteht mittlerweile kaum noch Zweifel. Alle an den Ermittlungen beteiligten Sicherheitsorgane bestätigen das, gerade erst wurde Anklage gegen zwölf russische Agenten Anklage erhoben.

Das Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin in Helsinki war nun der letzte noch ausstehende Beweis dafür, dass Russland sich auf der Siegerstraße befindet.

Als Trump und Putin vor die Presse traten, wurde es absurd

Inhaltlich hat Trump am Montag rein gar nichts erreicht. Die Krim bleibt besetzt, Iran wird weiterhin vom Russland gedeckt und auch in Syrien gibt es keinen Deal zwischen Trump, Assad und Putin.

Was auch immer für die ungewöhnliche Verhandlungsschwäche Trumps verantwortlich war, die so krass im Gegensatz zu seinem krawalligen Auftreten gegenüber der EU steht: Vollkommen absurd wurde das Gipfeltreffen spätestens in dem Moment, als beide Staatschefs vor die Presse traten.

Nach der Manipulation der US-Wahl und den laufenden Ermittlungen gefragt, bekundete Trump, dass er den Unschuldsbeteuerungen von Putin glauben würde. Anders gesagt: Er schenkt einem ausländischen Autokraten mehr Vertrauen als seinen eigenen Institutionen.

Trumps Einlassungen zeigen, dass die USA kein westlicher Staat mehr sind. Unter dem derzeitigen US-Präsidenten entwickelt sich Amerika zu einer Hollywood-Autokratie, in der nur noch die Inszenierung zählt. Fakten sind in diesem Theater nicht weiter als hinderliches Gestrüpp.

In besseren Phasen der westlichen Geschichte wäre jemand wie Trump ausgelacht worden. Niemals war deutlicher sichtbar als in Helsinki, dass er für Putin ein nützlicher Trottel ist – jemand, der im Rausch der eigenen Eitelkeit das Werk des anderen vollbringt.

Und Trump ist selbst nicht in der Lage, das zu erkennen. Weil er sich selbst für den Größten hält. Weil er schlampig ist und sich auf solche Treffen nicht vorbereitet. Und weil Trumps intellektuelle Kapazitäten sehr überschaubar sind.

Das neue Pearl Harbor

Jemand wie der jetzige US-Präsident wäre beim KGB noch nicht einmal zum Kartoffelschälen in die Küche gekommen. Das weiß Putin, der als ehemaliger Agent mehrere Fremdsprachen fließend spricht.

Und eben dieser Donald Trump wird von gut 20 Prozent der US-Bürger als größter amerikanischer Präsident betrachtet, den sie selbst erleben durften, wie eine vergangene Woche veröffentlichte Umfrage ergab

Lange Zeit schien es, als könne sich Trump in der Öffentlichkeit alles erlauben. Die tausendfachen Lügen, die Angriffe gegen Verbündete – all das hatte keine Folgen für ihn.

Dass Trump nun die Institutionen der Vereinigten Staaten von Amerika verrät, nehmen ihm seine Mitbürger jedoch übel.

► Das Online-Magazin “Politico” verglich die Einmischung Russland in die US-Präsidentschaftswahl mit  dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor und den Anschlägen vom 11. September. “Trump mag die Europäische Union als den Hauptfeind Amerikas betrachten, aber der Kreml identifiziert die Vereinigten Staaten als ihren Hauptgegner”, heißt es in dem Text.

► Thomas Friedman sieht es in der “New York Times” ähnlich: “Trump zuzuhören war ungefähr so, als hätte Franklin Roosevelt nach Pearl Harbor angekündigt: Hey, beide Seiten sind schuld. Unsere Schlachtschiffe auf Hawaii waren eine Provokation für Japan – und nebenbei bemerkt, ich selbst hatte übrigens nichts mit den Ursachen ihres Angriffs zu tun. Also macht euch mal locker.’”

Kritik kommt jedoch auch von Seiten der Konservativen. US-Senator John McCain nannte Trumps Auftritt in Helsinki “eine der schändlichsten Darbietungen eines US-Präsidenten in der jüngeren Geschichte”.

Die Feinde der Demokratie sind auf dem Vormarsch

Überall im Westen sind die Feinde der liberalen Demokratie auf dem Vormarsch. In Österreich, Italien, Polen, Ungarn, der Slowakei und Malta regieren sie bereits mit. In Deutschland kommt die AfD in Umfragen auf bis zu 17 Prozent.

Und in den USA hat ein Mann den Finger auf dem Atomknopf, mit dem man so gut wie alles machen kann, so lange man seine Eitelkeit befriedigt.

Aber vielleicht ist es doch noch nicht zu spät. Dazu muss es der amerikanischen Öffentlichkeit jedoch endlich gelingen, Trump zur Verantwortung zu ziehen.

In einer Zeit, da die vermeintlich einfachen Lösungen eine so große Anziehungskraft haben, müssen die Bürger von sich aus einsehen, welch verheerende Folgen die Wahl von 2016 hatte.

Dass es gefährliche Konsequenzen hat, wenn die Hälfte der Wähler sich verführen lassen will.

Und dass sie durch ihren eigenen Egoismus an der Wahlurne den Angriff auf die USA erst möglich gemacht haben.

Dann hat der Westen noch eine Chance, den neuen Kalten Krieg zu gewinnen.