POLITIK
06/12/2018 14:26 CET | Aktualisiert 06/12/2018 17:35 CET

Ärmer als mit Hartz IV: Wie arbeitende Alleinerziehende ausgebeutet werden

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dpa
Alleinerziehende haben es in Deutschland schwer – vor allem, wenn sie arbeiten.

► In Vollzeit arbeitende Alleinerziehende verdienen in der Regel ein Einkommen unterhalb des Hartz-IV-Regelsatzes. Durchschnittlich ist das Monatseinkommen einer Alleinerziehenden, die den Mindestlohn bekommt, also niedriger als die ihr zustehenden Hartz-IV-Leistungen.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die der “Augsburger Allgemeinen” vorliegt.

► 90 Prozent der Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften (zum Beispiel: Mutter mit Kind) bekommen demnach mit Wohnzuschuss mehr vom Staat als Mindestlohn-Verdiener.

► Nach den Berechnungen müsste der Mindestlohn zwischen 11 und 13 Euro liegen, um den Unterschied auszugleichen. Im nächsten Jahr steigt der Mindestlohn jedoch nur auf 9,19 Euro.

Wieso arbeitende Alleinerziehende weniger verdienen:

Eine Vollzeitstelle zum derzeitigen Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde bringt nach Angaben der Bundesregierung bei einer tariflichen Wochenarbeitszeit von 37,7 Stunden einen Bruttoverdienst von 1338,62 Euro im Monat.

► Der Alleinerziehenden-Regelsatz liegt bei 416 Euro plus mindestens 245 Euro für ein Kind in der Bedarfsgemeinschaft.

Aber: Wer Hartz-IV-Leistungen bezieht, dem stehen in einer Alleinerziehenden-Bedarfsgemeinschaft im Bundesdurchschnitt 538 Euro im Monat für Unterkunft und Heizung zu.

Zum Vergleich: Wie die Zeitung schreibt, darf ein Mindestlohnempfänger mit einem Kind unter 6 Jahren derzeit maximal 336 Euro für Miete und Nebenkosten ausgeben – sonst ist dieser auf staatliche Transferleistungen angewiesen. 

►  Mehr als 90 Prozent der Hartz-IV-Eltern haben laut der Antwort derweil höhere Wohnkosten als 336 Euro

Das fordert die Linke:

In weiten Teilen der Bundesrepublik sei es angesichts der explodierenden Mieten kaum noch möglich für Alleinerziehende, unter den Fixkosten von 336 Euro zu bleiben, sagte die Linken-Bundestagsabgeordnete Susanne Ferschl.

Gegenüber der Zeitung forderte sie:

“Arbeitgeber müssen endlich einen angemessenen Preis für die von ihnen eingekaufte Ware Arbeit bezahlen. Sonst wird der Mindestlohn zur Armutsfalle und schützt nicht vor einem Unterbietungswettbewerb, der allein auf niedrigen und niedrigsten Löhnen beruht.”

Die Linke verlange daher einen Mindestlohn von mindestens zwölf Euro.

(lp)