POLITIK
16/11/2018 16:12 CET

Alice Weidel im Spendensumpf – ein alter Tweet bringt sie nun in Erklärungsnot

“Die Spende aus der Schweiz hat offenbar gewirkt.”

ARMIN WEIGEL via Getty Images
AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, hier beim Wahlkampf in Bayern.
  • AfD-Fraktionschefin Alice Weidel lässt die Spendenaffäre nicht los – trotz gegenteiliger Beteuerungen. 
  • Vor dem Hintergrund der aktuellen Enthüllungen wirkt ein alter Tweet Weidels äußerst pikant. 

In der Spendenaffäre weist Alice Weidel alle “Vorwürfe mit Entschiedenheit zurück”. Mittlerweile ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft wegen Verstoßes gegen das Parteiengesetz gegen die AfD-Fraktionschefin

Dennoch: Auch innerhalb der AfD sind die illegalen Großspenden ein Thema, beim Parteitag in Magdeburg steht der Umgang mit dem Geld dem Vernehmen nach am Freitag auch auf der Tagesordnung.

Dabei könnte es auch um die Verwendung der Spenden gehen. So habe Weidel ein Teil des Geldes unter anderem dazu genutzt, ihren Internetwahlkampf zu bezahlen, wie ihr Sprecher bestätigte. Für 3000 bis 10.000 Euro im Monat soll ein Mitarbeiter unter anderem Facebook-Like-Ads gekauft und Inhalte erstellt haben, wie “Spiegel Online” berichtete.

Ein alter Tweet von Weidel erscheint nun vor diesem Hintergrund in völlig neuem Licht. Am 19. September twitterte die AfD-Politikerin: “Vielen herzlichen Dank für Ihre fantastische Unterstützung! (...) 100.000 Fans auf Facebook”. 

Auffällig: Am 16. Juni hatte die AfD-Politikerin laut eigener Aussage nur 40.000 Facebook-Fans.

“Die Spende aus der Schweiz hat offenbar gewirkt” 

Innerhalb von nur drei Monate hatte sich also die Zahl der Fans mehr als verdoppelt. Dieser extreme Anstieg fällt genau in den Zeitraum, in dem Weidels Kreisverband die illegale Spende erhielt.

Zwischen Juli und September 2017 überwies ein Schweizer Pharmaunternehmen dem Bodensee-Kreisverband insgesamt 130.000 Euro – gestückelt und mit dem Verwendungszweck “Wahlkampfspende Alice Weidel”. Die AfD zahlte das Geld erst im April 2018 zurück. 

Der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje weißt in einem Tweet ebenfalls auf diese Auffälligkeit hin. In einer Grafik zeigt sich der rasante Anstieg der Facebook-Likes für Weidel. Hillje bemerkt dazu: “Die Spende aus der Schweiz hat offenbar in der heißen Phase des Bundestagswahlkampfs gewirkt.”

Spendengelder nicht entscheidend?

Und was sagt die AfD? Mario Hau betreute in dem fraglichen Zeitraum ehrenamtlich die Facebook-Seite von Weidel. Heute leitet er das Social-Media-Team der AfD-Fraktion im Bundestag.

Hau behauptet, die Anzeige sei für den Erfolg von Weidel auf Facebook nicht entscheidend gewesen. Die Zahlen sprechen allerdings eine andere Sprache.

Mit Material von dpa.

(jkl)