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17/06/2018 18:48 CEST | Aktualisiert 17/06/2018 18:48 CEST

Algorithmen üben die Kontrolle in den sozialen Medien aus

Lesen Sie noch Zeitung und sehen nach wie vor TV-Nachrichten? Oder informieren Sie sich bereits vorrangig über die sozialen Medien? Dort werden die Nachrichten in Informationshäppchen auf den Seiten der Facebook- und Twitter-Nutzer platziert. Aber wer selektiert die ausgewählten Geschehnisse als hochwertige Nachricht und wer steuert den Informationsfluss zu den Nutzern und schützt die Verbraucher vor Falschmeldungen?

Auf Plattformen, auf denen jeder posten kann, werden auch zahlreiche Fake News verbreitet. Die sozialen Medien bieten zunehmend öffentlichen Darstellungsraum auch für Populisten und Propagandisten, weshalb Themen wie Qualitätsjournalismus, Fake News und Social Bots (automatisierte Computerprogramme) an Bedeutung gewinnen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass insbesondere Fake News zu einem lukrativen Geschäftsmodell für kriminelle Organisationen geworden ist und Social Bots immer schwieriger identifiziert werden können.

Nach Lage der Dinge ist es ja nun nicht so, dass Facebook, Twitter und Co. eine Redaktion haben, die wichtige Nachrichten von unwichtigen oder falschen unterscheidet. Was in Zeitungverlagen eine zentrale Aufgabe ist, wird in den sozialen Medien von Programmen übernommen, sogenannten Algorithmen. Aber was tun eigentlich diese Algorithmen und wie wirken sie sich auf die Nachrichten in den sozialen Medien aus? Um es gleich vorweg zu nehmen: Man weiß es nicht. Das bleibt ein Geheimnis der Plattform-Betreiber mit enormer Marktmacht. Denn der Algorithmus von Facebook sowie von anderen Social-Media-Plattformen ist nicht öffentlich zugänglich. Ebenso ist es nicht an der Tagesordnung, dass einfach der neuste Beitrag zuoberst in der Timeline erscheint. Sowohl Facebook wie Instagram haben den chronologischen Feed aufgehoben. Was heute zählt, ist ausschließlich Relevanz. So werden auch nicht alle News der abonnierten Personen und Seiten ausgespielt. Facebook filtert nach eigenen Kriterien die Nachrichten, die im Allgemeinen keiner journalistischen Überprüfung oder seriösen Berichterstattung standhalten.

Gemäß Allfacebook.com zählen vor allem drei Faktoren: Affinität, Gewichtung und Zeit. Die Affinität beschreibt die Beziehung zwischen Nutzer und Absender, also beispielsweise wie lange man sich kennt und wie oft es Interaktionen gibt. Die „Gewichtung“ hängt von den Interaktionen ab, die ein Beitrag kriegt, also beispielsweise die Likes. „Zeit“ schließlich bezieht sich auf das Timing. Wenn ein Nutzer sich neu einloggt, werden jene Beiträge eher ausgespielt, die eben erst gepostet wurden. Bei Instagram sind die Faktoren ähnlich wie bei Facebook. Auch hier zählen die Interaktionen. Weiter wird mit einbezogen, wie lange sich ein Nutzer den Beitrag anschaut und mit welchen Inhalten er am meisten interagiert. Diese Themen werden dann bevorzugt ausgespielt, wie onlinemarketing.de zusammenfasst. Nach ähnlichen Kriterien funktioniert auch Twitter.

Algorithmen nehmen also eine gewisse Gatekeeper-Funktion bei einem Entscheidungsfindungsprozess über die Auswahl von Nachrichten in den sozialen Medien ein (#GatekeeperSocialMedia). Da ein Beitrag nur einen Bruchteil der Abonnenten organisch erreichen kann, haben Redaktionen oftmals nur die Möglichkeit, durch bezahlten Content die Reichweite zu vergrößern. Postings verschwinden hier also schlicht im Nirwana bei dem Großteil der Konsumenten. Facebook reguliert hier also bewusst, um Unternehmen dazu zu zwingen, durch finanziellen Leistungen die Reichweite der Beiträge zu vergrößern.

Insofern kann man sich fragen, warum beispielsweise Journalismus oder Wirtschaft keine starke Informationsplattform als Pendant zu den mächtigen Monopolisten im Internet anbieten. Und zwar ohne Reglementierungen durch Algorithmen und dem Zwang zur finanziellen Bewerbung von Beiträgen. Also, wie lautet die Antwort? Algorithmen als Gatekeeper des 21. Jahrhunderts und die klassische Redaktion als Auslaufmodell? Weitere Informationen zum Thema sind im Netz abrufbar #GatekeeperSocialMedia