POLITIK
04/03/2019 09:34 CET

"Dümmlich": Medien reagieren empört auf AKKs Spott gegen drittes Geschlecht

Die Presseschau.

Kai Pfaffenbach / Reuters

Mit flapsigen Äußerungen zu intersexuellen Menschen in einer Fastnachtsrede hat die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) Empörung ausgelöst.

“Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen”, sagte AKK bei einem satirischen Auftritt im baden-württembergischen Stockach am Bodensee bereits am Donnerstag.

► “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.”

In der Halle wurden Kramp-Karrenbauers Worte mit einem Tusch und Gelächter und Johlen im Publikum begrüßt.

In den Medien erntet sie dafür allerdings weitestgehend Kritik, nachdem am Wochenende in den sozialen Medien ein Sturm der Entrüstung aufgezogen war.

Die Presseschau:

“Spiegel”: “Dringend bessere Gag-Schreiber benötigt” Rente: SPD-Minister Heil sorgt mit klarer Ansage für

Markus Feldenkirchen schreibt im Morgen-Newsletter des “Spiegel”, AKK benötige “dringend bessere Gag-Schreiber, sollte sie beabsichtigen, ihre Karriere als Büttenrednerin fortzusetzen. Weniger Adenauerwitz würde ihren Auftritten guttun.”

Ansonsten ließe sich gegen Ende dieser Karnevalswoche festhalten:

► “Eine Allianz aus steigender Nervosität und zunehmender Infantilität ist nicht zwingend gesund für den politischen Diskurs. Die Empörung über schlechte Karnevalswitze könnte sonst den Schluss nahelegen, es gäbe keine relevanten politischen Fragen mehr.”

“Kölner Stadt-Anzeiger”: “Dümmlich und unappetetlich” Rente: SPD-Minister Heil sorgt mit klarer Ansage für

Der “Kölner Stadt-Anzeiger” sieht in AKKs Auftritt wenig Positives. Ihr “Witzchen über Intersexuelle verdient die Prädikate erstens dümmlich, zweitens unappetitlich, drittens kulturkämpferisch.”

AKK modelliere konsequent ihr Profil als konservative Frontfrau.

►  “Das verspricht maximale Emotionalisierung bei minimaler politischer Relevanz. Insofern pappt auf Kramp-Karrenbauers Redemanuskript noch ein viertes Prädikat: populistisch. Und damit will sie Kanzlerin werden. Die Wähler können gewarnt sein.”

“Tagesspiegel”: “Ausnahmezone vom gepflegten Diskurs” Rente: SPD-Minister Heil sorgt mit klarer Ansage für

Auch der Berliner “Tagesspiegel” kann AKKs Humor wenig abgewinnen.

Die Zeitung fragt sich, ob der Karneval “eine Ausnahme eine Ausnahmezone vom gepflegten Diskurs mit seinen Regeln, wie dem Diskriminierungsverbot, ist? Die Antwort ist: Nein, es darf keine Ausnahmen geben.”

► Gerade beim Karneval und gerade” gegen die niederen chauvinistischen Reflexe von angeschickerten Trinkbrüdern und -schwestern mit ihrem verqueren Humor und ihren Herabsetzungsgelüsten“, schreibt die Berliner Zeitung.

“Bild”: “Karneval der Korrekten” Rente: SPD-Minister Heil sorgt mit klarer Ansage für

Die “Bild” hingegen kann die Aufregung nicht verstehen – und schreibt: “Leute, Leute, Leute! Karneval der Korrekten ist keiner.”

► Wenn man nicht mal mehr in einer Büttenrede einen Witz über Unisex-Toiletten machen könne – wo denn bitte dann? “Nicht umsonst gibt es ja die Narrenfreiheit”, schreibt die “Bild”.

Und weiter: “Muss man nicht mögen, aber dafür kämpfen muss man offenbar inzwischen leider schon: Rettet den Karneval!

(lp)