POLITIK
16/10/2018 18:25 CEST | Aktualisiert 17/10/2018 06:08 CEST

Die Affäre Khashoggi: Haben die Saudis den Journalisten getötet?

Seit zwei Wochen fehlt jede Spur von dem saudischen Journalisten – Das ist bisher bekannt.

AP / HuffPost
Links: US-Außenminister Mike Pompeo trifft sich mit Kronprinz Mohammed bin Salman. Rechts: Der verschwundene Journalist Jamal Khashoggi. 

Gut zwei Wochen ist es her, dass Jamal Khashoggi verschwand. Es scheint immer wahrscheinlicher, dass der saudische Journalist nicht mehr lebend gefunden wird.

Seine letzte Spur führt in das saudi-arabische Konsulat in Istanbul. Kameraaufnahmen zeigen, wie Khashoggi das Gebäude am 2. Oktober gegen 13.15 Uhr betrat. Danach wurde er nicht mehr gesehen.

Die Türkei geht laut Medienberichten davon aus, dass der regierungskritische Journalist von einem aus Saudi-Arabien angereisten Sonderkommando getötet wurde. Doch die saudische Regierung bestritt dies bis zuletzt.

Wie der aktuelle Stand der Affäre Khashoggi ist – auf den Punkt gebracht:

Der Ermittlungsstand:

Nachdem die Saudis die Weltöffentlichkeit fast zwei Wochen lang im Dunklen tappen ließ, kommt nun offenbar Bewegung in den Fall.

Wie der US-Sender CNN berichtete, soll Saudi-Arabien bereits an einem Bericht arbeiten, der den Tod Khashoggis bestätigen könnte. Demnach soll der zuletzt im US-Exil lebende Journalist bei einem schief gelaufenen Verhör im Konsulat gestorben sein.

Obwohl die Türkei Beweise für die Tötung des regierungskritischen Journalisten in Form von Videoaufnahmen haben soll, kam es am Dienstag zu gemeinsamen Untersuchungen türkischer und saudischer Ermittler im Konsulat.

Die Inspektion wurde am Dienstag nach ungefähr neun Stunden abgeschlossen, wie die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. 

Wie die US-Nachrichtenagentur Associated Press unter Berufung auf eine hochrangigen türkischen Beamten mitteilte, habe die Polizei habe bei ihrer Durchsuchung des saudischen Konsulats “bestimmte Beweise” gefunden, die zeigen, dass Khashoggi dort getötet wurde.

Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, man habe möglicherweise Spuren “giftiger Substanzen” gefunden, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete. 

Ein auf Twitter veröffentlichtes Video von Montag zeigt erste Vorbereitungen für die Untersuchung des Geländes, die bei einigen aber eher Zweifel statt Vertrauen sät.

Es zeigt offenbar eine Putzkolonne die einige Stunden vor den Ermittlern eintraf:

Die Haltung von Saudi-Arabien:

Bis dato bestreitet Saudi-Arabien eine gezielte Tötung von Khashoggi vehement. Doch laut Quellen, auf die sich der US-Sender CNN bezieht, arbeitet Riad bereits an einer offiziellen Stellungnahme, die endlich für Aufklärung sorgen könnte.

Demnach soll tatsächlich ein Verhör des Journalisten schiefgegangen sein. Der Plan sei gewesen, Khashoggi zu entführen, nicht aber zu töten.

Auch ein mittlerweile gelöschter Tweet des saudischen Außenministeriums könnte darauf hindeuten, dass bald eine offizielle Erklärung folgen könnte. In der mittlerweile gelöschten Nachricht hieß es:

“Standfest und glorreich. Unsere Antwort, die auf den Druck der falschen Anschuldigungen zurückgeht: Das Ergebnis der Ermittlungen in dieser Woche, wie schon die vorhergehende, wird ein Niedergang (sic!) sein.”

Auch eine CNN-Quelle sagte, der Bericht der Saudis sei noch nicht abgeschlossen und könne jederzeit noch umgeschrieben werden.

Eine weiteren Quelle berichtete dem Sender, dass der Bericht die saudische Regierung entlasten soll: Die Operation gegen Khashoggi habe demnach ohne offizielle Genehmigung stattgefunden und die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen.

Was für Donald Trump und die USA auf dem Spiel steht:

“Unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist”, so kommentierte US-Präsident Donald Trump am Dienstag die Vorwürfe gegen Saudi Arabien. Er verteidigt also den Kronprinzen Mohammed bin Salman. 

Für Trump steht in der Affäre viel auf dem Spiel. Saudi-Arabien ist ein wichtiger wirtschaftlicher und militärischer Partner für die USA. Trump selbst stützt sich in seiner Nahost-Politik sehr stark auf das sunnitische Saudi-Arabien – der schiitische Iran ist ein gemeinsamer Feind.

Nach einem Telefongespräch König Salman schlug Trump daher ruhige Töne an und schenkte der Theorie eines unabhängig handelnden Einzeltäters Glauben.

Trotzdem entsandte Trump seinen US-Außenminister Mike Pompeo diesen Dienstag nach Saudi-Arabien, um sich mit König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman zu treffen.

Doch auch Pompeo zeigte sich überraschend zahm: Er dankte dem saudischen König für die starke Partnerschaft und für dessen Einsatz für eine gründliche, transparente und schnelle Aufklärung im Fall Khashoggi.

Was für Saudi-Arabien auf dem Spiel steht: 

In der kommenden Woche veranstaltet Saudi-Arabien die internationale Wirtschaftskonferenz “Future Investment Initiative” in Riad. Riad wollte damit der Welt seinen wirtschaftlichen Einfluss demonstrieren.

Dankend nahmen viele Techkonzerne und Banken die Petrol-Dollars der Saudis entgegen. Doch weil die jüngsten Ereignisse ein schlechtes Licht auf die geladenen Firmen werfen könnten, haben etliche Teilnehmer ihre Kommen abgesagt, wie “Die Welt” berichtete. So habe Uber-Chef Dara Khosrowshahi seine Teilnahme zurückgezogen, genauso wie nahmhafte Vertreter der Wall Street, darunter JPMorgan-Chef Jamie Dimon und Blackrock-Lenker Larry Fink.

Die Affäre wirft zudem seine Schatten auf den Kronprinzen Mohammed bin Salman, der zuletzt eher durch seinen Reformwillen aufgefallenen war und als zukünftiger Herrscher des Landes gilt.

Während bin Salman einerseits Reformen vorantreibt, geht er andererseits mit strenger Hand gegen Kritiker vor. Bin Salman soll auch zu Trumps Schwiegersohn und Nahost-Beauftragten Jared Kushner enge Beziehungen pflegen. 

Die “Washington Post” schrieb, dass US-Nachrichtendienste schon in der Vergangenheit einen Plan bin Salmans aufgedeckt hatten, wonach Khashoggi festgenommen und zurück nach Saudi-Arabien gebracht werden sollte.

Khashoggi hatte sich mehrfach kritisch über bin Salman geäußert und war in die USA geflohen. Zuletzt hatte der Journalist  im September über die Verwicklung seines Heimatlandes in den blutigen Jemen-Krieg berichtet.

Was die Bundesregierung sagt:

Die Bundesregierung hat Saudi-Arabien aufgefordert, sich an der Aufklärung im Fall Khashoggi zu beteiligen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte vergangene Woche in Berlin: “Wir erwarten, dass schnell und glaubwürdig Aufklärung geschaffen wird.”

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, Außenminister Heiko Maas (SPD) habe dies Anfang der Woche auch vom saudischen Botschafter in Berlin erbeten. Seibert sagte, man nehme den im Raum stehenden Verdacht sehr ernst.

Mit Material von dpa.

(mf)