POLITIK
13/09/2018 21:24 CEST | Aktualisiert 13/09/2018 22:12 CEST

AfD wittert Verschwörung: Wurde die Partei mit diesem Video in Nazi-Ecke gerückt?

Die Antwort: Nein. Und das war ziemlich offensichtlich.

Screenshot

Die AfD hat einen Fake entlarvt.

Ein, wie die rechte Partei glaubt, demokratiegefährdendes Fake-Video, um genau zu sein. Am Mittwoch gaben verschiedene Kanäle der Partei folgende Pressemitteilung heraus: 

  • Die AfD ist entsetzt von dem Versuch, Fakevideos an einem falschen Parteistand zu drehen. Durch einen Zufall konnte jetzt ein solches Projekt in Lichtenberg aufgedeckt werden.
  • Aufmerksame Passanten machten am vergangenen Freitag, dem 7. September, gegen 15:00 Uhr zahlreiche Beweisfotos. Außerdem dokumentierte ein Bürger das Geschehnis in einem Video.
  • Darin zu sehen sind rund 20 Komparsen, teilweise skinhead-ähnlich gekleidet.
  • Nachdem vor dem Stand eine `Jagdszene´ mit einem mutmaßlichen Südländer nachgestellt wurde, rückten die Täter wieder ab. Besonders perfide ist, dass ein Ort ausgewählt wurde, an dem die AfD tatsächlich regelmäßig mit Infoständen präsent ist.

Auch auf dem offiziellen Facebook-Konto der AfD verbreitete die Partei einen Videobeitrag über den mutmaßlichen Versuch politischer Aktivisten, die Partei mit Fake-Bildern mit Skinheads und Neo-Nazis in Verbindung zu bringen. 

 

Die AfD lud Teile dieser Aufnahme mit einem eigenen Voice-Over-Sprecher hoch. Der erklärt darin: “Wir sind fassungslos.” 

Im Hintergrund sind die völlig überzeichneten Skinhead-Darsteller zu sehen. Haben Aktivisten wirklich ein solch billig inszeniertes Video gegen die AfD gedreht?

AfD-Politiker Dirk Spaniel sagt dazu in dem Beitrag: “Das zeigt, dass der politische Gegner mit seinen Argumenten völlig am Ende ist.”

Aber wo ist das Video her?

Komisch nur: Zu diesem Zeitpunkt war auch nach ausgiebiger Recherche nirgendwo im Internet das uneditierte Material zu entdecken, das hier zu Lasten der Partei entstanden sein soll.

Ein Fake-Video gegen die AfD, das aber niemand verbreitet?

Auf Anfrage der HuffPost (“Ist dieses Video irgendwo im Internet uneditiert erschienen?”) antwortete die Pressestelle der AfD am Donnerstagmorgen mit zwei Worten: “Kein Kommentar”.

Stattdessen verwies die Partei auf ein Statement des AfD-Bundessprechers Georg Pazderski.

Der sagte: “Noch wissen wir nicht, wer dieses bizarre Schauspiel inszeniert hat, werden aber selbstverständlich Anzeige gegen unbekannt erstatten. (...) Der Versuch, Politik mit Fake-Videos zu betreiben, ist undemokratisch und gehört unterbunden!“

Das Recherche-Magazin “Correctiv” hat indes herausgefunden, wie es wirklich zu den Aufnahmen kam. So handelte es sich bei den gezeigten Szenen in Berlin Lichtenberg um Dreharbeiten für die Satire-Sendung “Bohemian Browser Ballett“.

Ein Satire-Beitrag

Der SWR-Unternehmenssprecher Wolfgang Utz bestätigte gegenüber “Correctiv” die Dreharbeit für das Format, das ARD und ZDF für das Online-Angebot “Funk” produzieren. 

Auf dem Youtube-Kanal von “Funk” heißt es: “Das Browser Ballett ist ein staatlich finanziertes Unterhaltungsangebot für Deutschland. Alle Inhalte entstehen in einem satirischen Kontext und bilden weder Fakten noch Überzeugungen ab.”

Noch ist der in Lichtenberg gefilmte Beitrag nicht online gegangen.

Sicher ist aber jetzt schon: Ein Versuch politischer Aktivisten, die AfD mit Lügen in ein falsches Licht zu rücken, entlarvte die Partei nicht. Die Verschwörung gegen die Partei war ein satirischer Witz.

Man hätte es ahnen können.