POLITIK
02/03/2018 10:38 CET | Aktualisiert 02/03/2018 12:45 CET

AfD will deutsche Sprache verteidigen – dann belehrt sie ein Deutschtürke

"Da haben die Schwadroneure mal wieder Stuss zusammengefrickelt.”

  • Die AfD will die deutsche Sprache im Grundgesetz verankern
  • Mehrere Politiker argumentierten im Bundestag dagegen, SPD-Mann Özdemir punktete mit Humor
  • Im Video oben seht ihr die komplette Rede von Mahmut Özdemir

AfD-Mann Stephan Brandner ist ein Meister der Provokation. Das hat der Thüringer wiederholt bewiesen.

Am Freitagmorgen stellte Brandner im Bundestag den Gesetzesentwurf der AfD vor, das deutsche Grundgesetz um einen Paragraphen zu erweitern, Deutsch als Landessprache festzuschreiben.

Brandner begann schon süffisant: “Was gibt es Schöneres an so einem sonnigen Tag vor den vollen Reihen der eigenen Fraktion über ein Thema zu sprechen, das nicht nur etwas für Feingeister ist.”

Der AfD-Mann zitierte Bundespräsident Steinmeier und den ehemaligen CDU-Bundespräsident Norbert Lammert: Auch diese hatten in der Vergangenheit für die Verankerung des Deutschen im Grundgesetz plädiert.

Am Ende grüßt Brandner seinen Sohn

An SPD-Integrationsministerin Aydan Özoguz gerichtet sagte Brandner: “Wenn sogar Sie erkennen, dass Deutsch das Einzige ist, was uns verbindet, dann ist es das doch wert, ins Grundgesetz aufgenommen zu werden.”

Ganze Studiengänge seien mittlerweile auf Englisch, die deutsche Polizei informiere die Bürger auf Türkisch und Arabisch. “Das ist kein Beitrag zur Integration. Da fehlt der Anpassungsdruck.”

Zum Ende seiner Rede ließ Brander noch einmal seine mangelnde Ernsthaftigkeit erkennen: “Lieber Benedikt, das ist mein Sohn. Ich grüße dich von diesem Rednerpult.”

Widerspruch von Seiten der anderen Parteien

Der SPD-Abgeordnete Mahmut Özdemir widersprach Brandner mit einer leidenschaftlichen Antwortrede. Er ist der Meinung: Eine Änderung des Grundgesetzes ist nicht notwendig.

“Goethe hätte sich geschämt”, kritisierte Özdemir. “Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen”, hätte der immerhin gesagt.

Zum Ende seiner Rede belehrte der Deutschtürke die AfDler auf Rheinländisch. “Am Niederrehin würde man sagen: ‘Da haben die Schwadroneure mal wieder Stuss zusammengefrickelt’”, schloss der gebürtige Duisburger seine Rede unter Applaus des Plenums.

“Ihr Programm gibt es auf Russisch!”

Auch die CDU-Politikerin Gitta Connemann ging die AfD-Fraktion und Stephan Brandner scharf an. Die Union sei generell für eine Gesetzesänderung. Dem Entwurf der AfD werde man dennoch nicht zustimmen.

Nicht nur aus juristischen Gründen, sondern auch wegen der Sprache des Textes. “Meine Deutschlehrerin hätte da ein A drangeschrieben – für ‘Ausdruck’”, kritisierte Connemann.

Sie warf den Rechtspopulisten zudem Scheinheiligkeit vor: “Haben Sie mal auf Ihre eigenen Seite geschaut, da gibt es Ihr Programm in russischer Sprache!”

“Jetzt macht ihr Antrag auf einmal Sinn” 

AfD-Mann Detlev Spannenberg stellte eine Zwischenfrage. Selbstironisch gestand er ein: “Stimmen Sie zu, dass, wenn auch die AfD solche Fehler macht, eine Grundgesetzänderung Sinn machen würde?”

Conneberg lachte nur: “Ja, jetzt, macht Ihr Antrag auf einmal Sinn.” 

Auch Grünen-Mann Erhard Grundl aus Bayern stritt die Notwendigkeit des Entwurfes ab. Die deutsche Sprache sei stark genug, sich auch wandeln zu können. “Das macht sie stark und reich.”

“Braucht’s des?”, fragte er über den Vorstoß der AfD.

Die Antwort gab er selbst: Nein.

(ll)